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Union Berlin:Ohne Feinschliff

So viele Chancen, so wenig Ertrag. Hier löffelt der Hoffenheimer Ihlas Bebou (rechts) den Ball über Union-Torwart Loris Karius - aber am Tor vorbei.

(Foto: Tobias Schwarz/AFP)

Hoffenheim zeigt sich wenig beeindruckt von Max Kruses Rückkehr und dem frühen Rückstand bei Union und muss sich ärgern, nicht mehr als einen Punkt aus Berlin mitgenommen zu haben.

Von Nico Fried

Der Anfang hätte für Max Kruse nicht besser sein können. Gerade mal acht Minuten war der Stürmer nach zweieinhalb Monaten Pause wieder dabei, da zeigte er schon, welchen Wert er für Union Berlin haben kann. Erst schlug Kruse einen langen Pass von rechts in den Hoffenheimer Strafraum, den Florian Grillitsch gegen Christopher Trimmel nur auf Kosten eines Elfmeters verteidigen konnte. Dann schoss Kruse auch den fälligen Strafstoß selbst mit Wucht und Sicherheit in den rechten Winkel.

Es habe sich "gut angefühlt", wieder auf dem Rasen zu stehen, berichtete Kruse hinterher, "war ja eine lange Zeit." Max Kruse hatte sich Anfang Dezember im Derby gegen Hertha BSC verletzt. Der Muskelbündelriss im Oberschenkel und seine Folgen erwiesen sich als hartnäckig, die Genesung zog sich hin. Anfang Februar schließlich hatte er per Instagram vermeldet, "die Strukturen sind fast zusammen". Der 32jährige kehrte ins Mannschaftstraining zurück.

Union-Trainer Urs Fischer mag sich auch für einen Einsatz von Kruse von Beginn an entschieden haben, weil der gegen keine andere Bundesliga-Mannschaft so oft getroffen hat wie gegen Hoffenheim: 16 Spiele, acht Tore. Nun sind es neun Tore in 17 Spielen. Am Ende reichte es aber doch nur zu einem Unentschieden. 1:1 trennten sich Union und Hoffenheim. Und trotz der frühen Führung mussten Kruse und Fischer hinterher einräumen, dass es sich um ein glückliches Unentschieden gehandelt habe. Ein Kruse allein ist eben nicht alles.

Die Hoffenheimer zeigten sich wenig beeindruckt von dem frühen Rückstand und bekamen das Spiel alsbald immer besser unter Kontrolle. "Zu mutlos" habe man in der ersten Halbzeit agiert, konstatierte später Union-Kapitän Christopher Trimmel. In der 13. Minute lupfte Ihlas Bebou den Ball über Union-Torwart Lorius Karius hinweg, Friedrich erwischte ihn gerade noch kurz vor der Torlinie. Und dann feierten auch die Hoffenheimer ein kleines Comeback: Andrej Kramaric spielte ebenfalls nach einer Weile wieder von Beginn an. Im Europa-League-Spiel gegen Molde war Kramaric nach einer Sprunggelenksverletzung schon eingewechselt worden, allerdings ohne das peinliche Ausscheiden gegen die Norweger noch verhindern zu können.

TSG-Sportdirektor Rosen bewertet Trainer-Gerüchte: "Das ist eine dreckige Lüge."

In Berlin dauerte es bis zur 29. Minute, ehe Kramaric seinen Wert unter Beweis stellen konnte. Nach einem Missverständnis der Berliner im Mittelfeld brach der Kroate über links durch. Seine Hereingabe kam so scharf vors Tor, dass sie erst Union-Torhüter Karius nicht zu neutralisieren vermochte, ehe Verteidiger Nico Schlotterbeck im Gedränge mit Bebou den Ball über die eigene Torlinie drückte.

In der zweiten Hälfte hielten die Berliner zunächst wieder stärker dagegen. Doch vor allem im Angriff war die fehlende Abstimmung zwischen Kruse und den anderen Offensivkräften nicht zu übersehen. Mittelstürmer Joel Pohjanpalo hätte immerhin einmal die Möglichkeit gehabt, Union wieder in Führung zu bringen, scheiterte aber und wurde ohne Erfolgserlebnis durch Petar Musa ersetzt. Für Hoffenheim hätte Bebou die Führung erzielen können, zog den Ball aber nach einem präzisen Pass von Kramaric nicht nur an Karius vorbei, sondern auch am leeren langen Eck des Berliner Tores. In der 82. Minute lag der Ball dann nach einem Schuss von Pavel Kaderabek sogar im Berliner Tor, doch der Video-Beweis zeigte Christoph Baumgartner, der die Vorlage gegeben hatte, ein paar Zentimeter im Abseits.

Die Hoffenheimer hätten gerne drei Punkte mitgenommen, waren aber nach dem Spiel vor allem damit beschäftigt, Berichte um ihren Trainer Sebastian Hoeneß zu dementieren. Angeblich soll Gerardo Seoane von Young Boys Bern als Nachfolger im Gespräch sein. Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen sagte nach dem Spiel in Berlin, da sei "ganz genau überhaupt gar nichts dran", und wählte noch deutlichere Worte: "Das ist eine dreckige Lüge." Auch wenn es bei Union Berlin nur zu einem Unentschieden reichte, habe sein Team doch den Rückschlag im Europapokal gut weggesteckt, sei "klar die bessere Mannschaft gewesen", habe sich "nur leider nicht dafür belohnt". Es hörte sich nicht wirklich danach an, dass Sebastian Hoeneß am nächsten Samstag gegen den VfL Wolfsburg nicht wieder am Spielfeldrand steht.

© SZ
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