Union-Berlin-Fan im Gespräch:"Weihnachtslieder sind extrem stadiontauglich"

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"Wie, wat macht ihr? Ins Stadion gehen, Weihnachtslieder singen? Habt ihr ne Macke?" Union-Berlin-Fan Torsten Eisenbeiser erklärt, weshalb 15.000 Fans in der "Alten Försterei" Weihnachtslieder singen, welche Hits am besten funktionieren - und wieso sogar Fans des Lokalrivalen Hertha BSC heimlich mitsingen.

Boris Herrmann

SZ: Herr Eisenbeiser, es soll Leute geben, die glauben, Fußballfans seien Rabauken, die lieber Feuerwerke als Kerzen anzünden und eher grölen als singen.

Weihnachtssingen der Fans des 1. FC Union Berlin

Die Fans wechseln vor Weihnachten vom grölenden "Eisern Union" zum eher besinnlichen "Stille Nacht, heilige Nacht".

(Foto: dpa)

Torsten Eisenbeiser: Kann ich nachvollziehen, dass einige das so sehen.

SZ: Die Fans von Union Berlin treffen sich am 23. Dezember im Stadion an der Alten Försterei, um im Kerzenschein Weihnachtslieder anzustimmen. Wie passt das ins Klischee?

Eisenbeiser: Nicht so sehr. Es ist immer wieder putzig zu sehen, wenn die sogenannten harten Jungs mit ihrer tiefen Stimme und dem ein oder anderen alkoholischen Getränk im Bauch von einem schmetternden "Eisern Union" in "Stille Nacht, heilige Nacht" wechseln. Zumal jeder zum Weihnachtssingen in voller Montur kommt, als ob da ein Fußballspiel wäre - nur dass eben kein Mensch auf dem Rasen ist.

SZ: Praktisch, dass die Vereinsfarben zufällig den Weihnachtsmann-Farben rot und weiß entsprechen.

Eisenbeiser: Würde ich anders formulieren: Der Weihnachtsmann weiß eben, was sich gehört.

SZ: Wie viele Sänger erwarten Sie dieses Jahr?

Eisenbeiser: Etwa 15.000. Wir hatten in den letzten Jahren beim Singen immer in etwa den normalen Zuschauerschnitt eines Heimspiels.

SZ: Wie lange machen Sie das schon?

Eisenbeiser: Seit 2003. Die Hinrunde war damals nicht so erfolgreich, nach dem letzten Heimspiel hat man sich gesagt: Mist, wieder auf die Goschen gekriegt - und dann ist man einfach so auseinander gegangen, ohne sich frohe Weihnachten zu wünschen. Da entstand die Idee, sich noch mal zu treffen und wenigstens ein paar Weihnachtslieder an der Mittellinie zu trällern. Es ging darum, sich würdig zu verabschieden. Wir sind dann 89 Leute geworden, weil am Bahnhof Köpenick zufällig noch ein paar rumgelaufen sind, die wir auch noch eingesammelt haben.

SZ: Und der Rest der Fanszene?

Eisenbeiser: Die haben gesagt: Wie, wat macht ihr? Ins Stadion gehen, Weihnachtslieder singen? Habt ihr ne Macke? Ein Jahr später waren sie dann aber auch dabei. Und inzwischen sollte man als Weihnachtssänger auch mal links und rechts gucken, ob nicht ein Spieler neben einem steht.

SZ: Es wird auch ein richtiges Weihnachtslieder-Heft gedruckt. Wer wählt die Playlist aus?

Eisenbeiser: Das mache ich zusammen mit dem Stadionsprecher, dem Pfarrer und dem Posaunenchor.

SZ: Pfarrer? Posaunenchor?

Eisenbeiser: Das sind zwei Bausteine der gesamten Veranstaltung. Der Pfarrer spricht die Weihnachtsgeschichte und später noch einmal ein Gebet - für alle, die mitsprechen wollen. Es beginnt aber erst einmal mit einem Glockenspiel. Danach sind der Männerchor und der Posaunenchor als Vorbands dran.

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