Union-Sieg gegen Hoffenheim:Die nächsten Punkte made in Köpenick

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Union-Sieg gegen Hoffenheim: Siegtor knapp über der Grasnarbe: Grischa Prömel trifft zum 2:1.

Siegtor knapp über der Grasnarbe: Grischa Prömel trifft zum 2:1.

(Foto: Julius Frick/Jan Huebner/Imago)

Union Berlin bezwingt die zuvor in sieben Partien unbesiegten Hoffenheimer und springt auf einen Europa-League-Platz. Doch die Freude darüber ist schnell verflogen - der Blick geht nach vorne.

Von Javier Cáceres, Berlin

Der Blick der Union-Fans ging sofort nach vorn; sie hielten sich mit der Freude über den 2:1-Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim nicht lange auf. Denn kaum, dass er zu den Akten gekommen war, formte sich ein Chor, der auf den kommenden Mittwoch verwies. Genauer: auf das Pokalspiel bei der Nachbarin Hertha BSC im 23 Kilometer entfernten Berliner Olympiastadion.

"Stadtmeister, Stadtmeister/Berlins Nummer eins ...", sangen die 3000 Fans, die im Stadion An der Alten Försterei in Köpenick zugelassen waren. Sie griffen damit eine Weise auf, die sie schon Ende November auf den Lippen getragen hatten, als sie gegen die Hertha in der Liga mit 2:0 gewonnen hatten. Die Nachricht vom Samstag war diese: Die Unioner werden im Berliner Westend ohne Ballast auflaufen. Denn durch den Sieg gegen die Hoffenheimer sprang Union auf den fünften Tabellenplatz. Oder, um es in der Diktion von Union-Trainer Urs Fischer zu sagen: Sie sind 15 Spieltage vor Schluss nur noch neun Punkte von der Nichtabstiegsmarke 40 Zähler entfernt.

Die Unioner können sich auf den Sieg gegen die Hoffenheimer mehr einbilden, als man denken könnte. Denn die Mannschaft von Sebastian Hoeneß lieferte in einem insgesamt stimulierenden Spiel eine wirklich gute Leistung. Allein: Der wohl schönste Spielzug der Partie war ein klassisches Made-in-Köpenick-Produkt. Der aus Freiburg in den Berliner Osten zugewanderte Verteidiger Dominique Heintz, der den nach Gladbach abgewanderten Marvin Friedrich ersetzt, beruhigte das Spiel durch zwei Rückpässe der intelligenten Sorte zu Torwart Andreas Luthe. Und als sich der Keeper sicher sein konnte, dass die Hoffenheimer genug Chloroform geschnuppert hatten, nahm er einen tödlichen Rhythmuswechsel vor.

Luthe schlug den Ball ins Mittelfeld, Andreas Voglsammer verlängerte auf Max Kruse, der wiederum den eingewechselten Sheraldo Becker auf der linken Seite bediente. Die überrumpelte Hoffenheimer Abwehr konnte nicht mehr verhindern, dass Kruse den Ball am Fünfmeterraum zurückerhielt, durch einen Pass Beckers in den Rücken der Abwehr. Kruses Schuss landete - abgefälscht - an der Querlatte, den Abpraller drückte dann Grischa Prömel im Stile Klaus Fischers über die Linie, er hechtete dabei über den Boden (73.).

Und jetzt? Höhere Ambitionen? "Dafür liegt uns der Trainer zu sehr in den Ohren"

"Wir hatten heute die Momente auf unserer Seite", sagte Unions Trainer Fischer, mit Blick nicht nur auf den Sieg, sondern auch auf den Ausgleichstreffer aus der 22. Minute. Denn da war ein Kopfball von Voglsammer nach Flanke des bemerkenswert aufspielenden Linksverteidigers Bastian Oczipka von der Unterkante der Querlatte in den Rücken von Hoffenheims Torwart Oliver Baumann und von dort über die Linie gesprungen.

Dieses zwischenzeitliche 1:1 stellte die Geschehnisse nicht auf den Kopf. Aber dass Fischer später in gewohnt nebulöser Art sagen sollte, dass es "das eine oder andere anzusprechen" gelte, hatte mit der Überlegenheit der Hoffenheimer zu tun. "Es war nicht viel verkehrt", sagte Nationalspieler David Raum und meinte damit das Spiel der eigenen Mannschaft. Nur: Die Unioner lieferten auch den x-ten Nachweis ihrer Widerstandsfähigkeit.

Dass nicht nur Friedrich oder der etatmäßige Linksverteidiger Niko Gießelmann fehlten, sondern auch der zum Afrika-Cup entschwundene nigerianische Goalgetter Taiwo Awoniyi? Is' halt so. Sie steckten das ebenso weg wie einen überaus unglücklichen Führungstreffer der freudig kombinierenden und aufwendig anlaufenden Hoffenheimer: Ihlas Bebou hatte sich auf der rechten Angriffsseite gegen Robin Knoche durchgesetzt und dann von der Grundlinie zurückgeflankt; Union-Innenverteidiger Timo Baumgartl lenkte den Ball in seinem 100. Bundesligaspiel per Kopf ins eigene Tor (16.). Aber, wie gesagt: Union drehte das Spiel.

Das wurde dadurch begünstigt, dass die Hoffenheimer im Angriffsdrittel mitunter Lampenfieber befiel. Oder, positiv gewendet, sich immer wieder ein Unioner fand, der solidarisch den Fehler eines Nebenmannes korrigierte. In der ersten Halbzeit galt das für Torwart Luthe, als er bei einem Kopfball von Posch eine Weltklasseparade zeigte (11.), oder Kapitän Christopher Trimmel, als er in der zweiten Halbzeit Andrej Kramaric noch den Ball vom Fuß wegspitzelte (51.). Und auch wenn sie nur mäßig zufrieden waren mit ihrer Leistung, rangen sie eine der formstärksten Mannschaften der Liga nieder: Hoffenheim hatte zuletzt sieben Spiele ohne Niederlage aneinandergereiht.

Nur: Deswegen dreht man in Köpenick nicht durch. "Dafür liegt uns der Trainer zu sehr in den Ohren. Er predigt uns, nicht zu vergessen, wo wir herkommen - vor drei Jahren haben wir hier noch Zweitligafußball gesehen", sagte Matchwinner Prömel. Was nicht heißt, dass man nicht auch in der Mannschaft nach vorne blickt und an den Ausflug ins Berliner Westend denkt, an das Pokalspiel bei der Hertha am Mittwoch. "Ich freue mich auf dieses Pokalspiel, es ist eine interessante und eine schwierige Aufgabe", sagte Trainer Fischer.

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