Union Berlin Düwel entlassen

Norbert Düwel traf als Trainer von Union Berlin unpopuläre Entscheidungen: Er half mit, dass die Klub-Ikone Torsten Mattuschka den Verein verließ.

(Foto: Annegret Hilse/dpa)

Der Fußball-Zweitligist sieht sein Saisonziel Aufstieg gefährdet und entlässt den Trainer. Kommt jetzt Holger Stanislawski?

Von JAVIER CÁCERES, Berlin

Es hat schon weniger überraschende Trainerentlassungen gegeben als jene, die am Montagvormittag in Berlin vollzogen wurde, kurz nach halb zehn, via Eintrag auf der Internetseite des 1. FC Union. Denn dort teilte der Zweitligist mit, dass er sich mit sofortiger Wirkung von Norbert Düwel, 47, getrennt habe. Das Montagstraining nach dem freien Wochenende übernahmen die Co-Trainer André Hofschneider und Sebastian Bönig. In Berlin gilt als wahrscheinlich, dass Vereinschef Dirk Zingler längst eine sehr konkrete Vorstellung davon hat, wer der Neue sein soll. Die Bild berichtete, der ehemalige Leverkusener Trainer Sascha Lewandowski werde Nachfolger von Düwel. Vom Verein gab es dazu vorerst keine Stellungnahme. Lewandowski war von April 2012 bis Juni 2013 im Duo mit Sami Hyypiä Coach beim Bundesligisten Bayer Leverkusen. Union hat eine Entscheidung über die Neubesetzung für die "nächsten Tage" angekündigt. Die Frage ist, ob Zingler die Öffentlichkeit wieder so überrascht wie im Juli 2014.

Seinerzeit benannte der Klubchef mit Düwel einen Fachmann, der nur einem sehr spezialisierten Publikum geläufig war. Er war Scout für den früheren Manchester-United-Trainer Alex Ferguson gewesen, hatte akademische Ehren in München erhalten und als Trainer der Studentinnen-Nationalelf sowie als Co-Trainer von Mirko Slomka bei Hannover 96 agiert. Überraschend war sein Rauswurf bei Union vor allem deshalb, weil Zingler zumindest öffentlich großen Respekt vor Düwel äußerte - und im vergangenen Jahr große Krisen durchstand. Eigentlich stand Düwel, Nachfolger des extrem beliebten Uwe Neuhaus, schon vor Jahresfrist am Rande der Verabschiedung. Erst recht, nachdem er der Haupttribüne der Alten Försterei gezeigt hatte, dass die Kuppe seines Mittelfingers perfekt gefeilt war. Dass es nun doch zu Ende ging, lag an der prekären Lage: Drei Dinge müssten sich fügen, damit er am Ende der laufenden Saison zufrieden sei, hatte Präsident Zingler der Fußball-Woche erklärt: "Nicht im Pokal bei Viktoria Köln verlieren, besser als Platz sieben abschneiden und weniger als 51 Gegentore bekommen." Doch im Pokal scheiterten die Unioner beim West-Regionalligisten, in der Liga sind sie seit fünf Spielen sieglos. Dass sie in vier von fünf Partien Führungen verspielt und insgesamt acht Treffer kassiert haben, kam noch obendrauf. Zum Verhängnis wurde Düwel überdies, dass er den Kader weitgehend nach eigenen Vorstellungen umbauen konnte; es kamen neun neue Spieler. Düwel habe mit "Mut und Konsequenz" vieles von dem umgesetzt, was sich der Klub versprochen hatte, ließ Zingler mitteilen - und meinte wohl auch, dass Düwel dabei mitgeholfen hatte, dass die Klub-Ikone Torsten Mattuschka den Verein verließ, in der Alten Försterei sorgte das für böses Blut. "Wir sind jedoch überzeugt davon, dass ein Wechsel notwendig ist, um unsere Ziele zu erreichen", fügte Zingler hinzu. Gemeint ist damit der Aufstieg in die Bundesliga, die Modernisierung des schmucken Stadions in der Alten Försterei soll sich endlich lohnen.