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Union Berlin im DFB-Pokal:"Es ist total ärgerlich"

Bayer Leverkusen - 1. FC Union Berlin

Prägend: Schiedsrichter Benjamin Cortus (r) zeigt Berlins Christopher Lenz (l) die gelb-rote Karte

(Foto: dpa)
  • Union Berlin hadert mit dem Aus im DFB-Pokal gegen Leverkusen, nach 1:0-Führung verlieren sie am Ende 1:3.
  • Mit dem Platzverweis in der 71. Minute dreht sich die Partie.
  • Alle Ergebnisse finden Sie hier.

Bis zur 70. Minute lebte bei den Fußballern von Union Berlin der Traum vom DFB-Pokalfinale daheim. Mit 1:0 führten sie bei Bayer Leverkusen in ihrem vierten Auswärtsspiel nacheinander in dieser Pokalsaison. Sie durften schon vorsichtige Gedanken ans Halbfinale verschwenden, als ihr Traum binnen drei Minuten zerplatzte. Erst wurde ihr Mittelfeldspieler Christopher Lenz per Gelb-Rot des Feldes verwiesen, dann erzielte Karim Bellarabi den Ausgleich - und später schoben die Leverkusener noch zwei Treffer zum 3:1 (0:1)-Sieg hinterher. "Es ist total ärgerlich, dass wir dieses Spiel noch aus der Hand gegeben haben", sagte Berlins Mittelfeldspieler Robert Andrich, der in den ersten drei Pokalspielen jedes Mal getroffen hatte - diesmal aber nicht. "Wir haben heute zwei Gesichter meiner Mannschaft gesehen", sagte Bayer-Trainer Peter Bosz, "erst zu langsam und gar nicht gut, das war keine Pokal-Leistung; in der zweiten Halbzeit war es viel besser und schneller - aber der Platzverweis war natürlich entscheidend."

Wer sich auf ein prickelndes Pokalspiel gefreut hatte, wurde in der ersten Halbzeit noch enttäuscht. Die Tribünen waren nur gut zur Hälfte besetzt, und nachdem es nach einer Viertelstunde zu einem Notarzteinsatz im Publikum gekommen war, schwiegen fortan beide Fanlager aus Pietätsgründen. Die Mannschaften auf dem Rasen agierten ebenso verhalten, allerdings nicht aus Pietätsgründen, sondern aus taktischer Neutralisierung. Man bearbeitete sich im Mittelfeld prophylaktisch und effektiv, so dass es kaum zu Torchancen kam. Als die Berliner auf ihrer rechten Seite allerdings einmal freie Bahn hatten, nutzten sie die Gelegenheit zum Führungstreffer. Marius Bülter lief in der 39. Minute Daley Sinkgraven davon und flankte den Ball derart präzise ins Zentrum, dass Marcus Ingvartsen zum 1:0 einköpfen konnte. Just da war auch der Arzteinsatz zu Ende, und die Berliner Fans sangen sich in die Pause. Die Leverkusener erhielten von ihrem Publikum derweil Pfiffe.

Das haben sie sich offenbar zu Herzen genommen, womöglich fand Trainer Bosz in der Kabine aber auch deutliche Worte, jedenfalls kamen die Gastgeber mit erkennbar mehr Elan zurück auf den Rasen. Nun dominierten sie das Spiel, beanspruchten den Ball, ließen ihn laufen und rannten auch selbst, doch von klaren Chancen hielten die im flachen 5-4-1 verteidigenden Berliner sie noch weitgehend ab.

Erst in der 69. und 71. Minute kam es zu den beiden Katalysatoren, die den Leverkusenern auf die Sprünge halfen. Zunächst kam der Flügelstürmer Karim Bellarabi für Leon Bailey, und dann wurde Unions Lenz nach seinem zweiten gelbwürdigen Foul binnen zehn Minuten des Feldes verwiesen. Danach dauerte es keine 60 Sekunden, ehe Kai Havertz in der 72. Minute Bellarabi steil in den Strafraum und zum 1:1-Ausgleich schickte.

Zur Demütigung wurde für die tapferen Unioner in der 86. Minute der Gegentreffer zum 1:2, zur Niederlage, zum Pokalaus. Ein Eckball von Kerem Demirbay landete einen Meter vor dem Elfmeterpunkt beim Chilenen Charles Aránguiz, dem mit 1,71 Metern kleinsten Spieler auf dem Feld. Er hüpfte ein bisschen hoch, köpfte den Ball Richtung Tor und sah ihn über Freund und Feind hinweg ins Netz fliegen. In der Nachspielzeit, als die Leverkusener leichtes Spiel hatten, schoss der eingewechselte Moussa Diaby auch noch das 3:1.

Für die Leverkusener - mit Bundesliga, Europa League und DFB-Pokal noch in drei Wettbewerben vertreten - war es der neunte Sieg im elften Pflichtspiel in der Rückrunde.

© SZ vom 05.03.2020/ska
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