Auftakt der Europa League:Gladbach nachlässig, Wolfsburg desolat

Lesezeit: 4 min

Da waren es schon vier: Kevin Mirallas bejubelt Evertons letzten Treffer beim 4:1-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg. (Foto: Getty Images)

Durchwachsener Auftakt für die deutschen Vertreter in der Europa League: Borussia Mönchengladbach vergibt beim intensiven 1:1 gegen den FC Villarreal den möglichen Sieg. Noch schlimmer ergeht es dem VfL Wolfsburg beim 1:4 gegen den FC Everton. Mario Gomez und Kevin Kuranyi starten mit Siegen.

  • Borussia Mönchengladbach vergibt zum Auftakt in die Europa-League Gruppenphase einen möglichen Sieg. Gegen den FC Villarreal steht es am Ende einer intensiven Partie 1:1.
  • Noch schlechter ergeht es dem VfL Wolfsburg. Gegen den FC Everton sind die Wolfsburger über weite Strecken die aktivere Mannschaft, verlieren am Ende allerdings 1:4.

26 Schüsse, nur ein Tor für Wolfsburg

Klaus Allofs fahndete nach Worten, es dauerte eine Weile, bis der Manager des VfL Wolfsburg seine Enttäuschung artikulieren konnte. Zunächst fiel wiederholt die Vokabel "bitter", dann sagte Allofs: "Ich bin wirklich sehr enttäuscht, wie wir hier als deutscher Vertreter aufgetreten sind. Das war nicht das, was man leisten muss, um auf internationalem Parkett zu bestehen."

Der VfL Wolfsburg hat bei seiner Rückkehr auf die europäische Fußball-Bühne nach viereinhalb Jahren einen Fehlstart hingelegt. Beim FC Everton verlor der VfL am Donnerstagabend 1:4 (0:2). Nach dem Eigentor von Ricardo Rodriguez, der in der 15. Minute einen Schuss von Steven Naismith ins eigene Tor lenkte, besorgten Seamus Coleman (45.+1), Leighton Baines (47./Foulelfmeter) und Kevin Mirallas (89.) die weiteren Tore.

Standorte der EM 2020
:Wie München das Finale vermeiden will

19 Bewerber, 13 Zusagen: Die Uefa entscheidet über die Standorte der EM 2020. München hat sehr gute Chancen, will das Finale aber gar nicht mehr. Der DFB hofft auf einen riskanten Deal mit England.

Von Saskia Aleythe

Wolfsburg setzte zwar 26 Schüsse auf das gegnerische Tor ab - mehr als doppelt so viele wie Everton -, kam aber erst in der vierten Minute der Nachspielzeit durch Rodriguez zum Ehrentor. Damit ist der VfL am 2. Oktober gegen den OSC Lille bereits dringend auf einen Sieg angewiesen.

In der Defensive überfordert

Die Wolfsburger waren vor allem in der Defensive überfordert, wenn die Engländer bei Bedarf das Tempo erhöhten. Dabei hatte der in der Bundesliga nach drei Spieltagen noch sieglosen VfL das Europa-Comeback selbstbewusst begonnen. Trainer Dieter Hecking konnte im Mittelfeld wieder auf den zuletzt angeschlagenen Kevin De Bruyne als Ideengeber zurückgreifen. Angetrieben wurde das Spiel aber vor allem von Maximilian Arnold. Der 20-Jährige wirkte engagiert und einsatzfreudig.

Nach einer Viertelstunde trafen allerdings die Gastgeber, und zwar mit ihrem ersten Torschuss. Außenverteidiger Baines gab den Ball an Naismith weiter, dessen Schuss prallte gegen VfL-Verteidiger Rodriguez und von dort ins Tor. Wolfsburg wirkte geschockt. Mit Distanzschüssen wie dem von De Bruyne (34.) war der überragende Tim Howard im Tor des FC Everton nicht beizukommen.

Als die Vorderleute von VfL-Torwart Diego Benaglio nach einer Baines-Flanke Coleman nicht am Kopfball hindern konnten, war der Schweizer kurz vor der Pause abermals geschlagen. Die Hoffnung auf eine Wende mit der Einwechslung von Aaron Hunt verflüchtigte sich nach der Pause schnell: Arnold leistete sich einen Fehlpass vor dem eigenen Strafraum, Robin Knoche hielt Alden McGeady mit einer unfairen Attacke auf - vermutlich knapp vor dem 16-Meter-Raum -, der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter, Baines verwandelte sicher. Das Wolfsburger Ehrentor kam am Ende zu spät.

Borussia Mönchengladbach ist unterdessen mit einem Punktverlust gegen den spanischen Klub FC Villarreal in die Gruppenphase der Europa League gestartet. Beim am Ende gerechten 1:1 (1:0) brachte Patrick Herrmann (21.) die Gastgeber zunächst in Führung, Ikechukwu Uche (68.) traf zum Ausgleich.

Gegen den wohl schwersten Gegner der Gruppe A knüpfte die Borussia nur selten an ihre jüngste Offensivstärke aus der Bundesliga an, musste mit dem Punkt am Ende zufrieden sein. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre blieb immerhin im siebten Pflichtspiel der Saison ungeschlagen und reist damit ungeschlagen zum Derby am Sonntag gegen den 1. FC Köln.

Diskussionen um Handspiel

"Es war ein sehr intensives Spiel, wir hatten auch die eine oder andere Chance, haben sie aber nicht genutzt. Ärgerlich, dass der Schiedsrichter den Handelfmeter in der Schlussphase nicht gegeben hat", sagte der Gladbacher Torschütze Herrmann. Einem Spanier war im Strafraum der Ball an den Unterarm gesprungen. Doch der slowakische Schiedsrichter Ivan Kruzliak, der anscheinend Strafstoß geben wollte, entschied sich nach Besprechung mit seinen Assistenten gegen einen Elfmeter.

Vor 39 128 Zuschauern im nicht ausverkauften Borussia-Park bestimmte Gladbach vor der Pause zunächst das Geschehen. Ohne Spielmacher Raffael und den zuletzt gegen Schalke doppelt erfolgreichen André Hahn in der Startelf mangelte es der Borussia zwar an Kreativität, dennoch hatten die Gastgeber zunächst mehr vom Spiel. Villarreal zog sich weit zurück, war bei Kontern aber gefährlich.

Bei einem der schnellen Gegenstöße hätte Denis Tscheryschew den Europa-League-Halbfinalisten von 2011 beinahe in Führung gebracht, Gladbachs Keeper Yann Sommer parierte sicher (20.). Im Gegenzug traf die Borussia: Nach einem Ballverlust von Branimir Hrgota landete der Ball glücklich bei Herrmann, der sein erstes Tor in einem internationalen Wettbewerb erzielte.

Eingewechselt, Tor erzielt, ausgewechselt

Nach dem Treffer schlichen sich Unachtsamkeiten in das Spiel der Borussia ein. Die Spanier agierten mutiger, Gladbach fand nun kaum noch zu seinem schnellen Konterspiel und hatte zunächst Glück: In der 59. Minute zielte Tscheryschew aus fünf Metern freistehend über das Tor. "In der zweiten Halbzeit haben wir einfach zu viele Ballverluste gehabt und manchmal auch zu hastig gespielt", kritisierte Gladbachs Trainer Lucien Favre später.

Kurz darauf belohnten sich die Spanier für ihre Bemühungen. Eine Minute nach seiner Einwechselung traf Uche nach schönem Pass des ebenfalls eingewechselten Manu Trigueros zum Ausgleich. Allerdings verletzte sich der Torschütze bei seinem Treffer und wurde vom Platz getragen. Ein Teambetreuer der Spanier verlor dabei sein Mobiltelefon auf dem Rasen.

Siege für Gomez und Kuranyi

Mario Gomez hat derweil mit dem AC Florenz beim Europa-League-Auftakt einen deutlichen Heimsieg erkämpft. Im ersten Spiel der Gruppe K setzte sich der Serie-A-Klub mit dem deutschen Fußball-Nationalspieler 3:0 (1:0) gegen EA Guingamp durch. Die Treffer für die Italiener erzielten Juan Vargas (34. Minute), Juan Cuadrado (67.) und der eingewechselte Federico Bernardeschi (88.). Auch der ehemalige Nationalspieler Kevin Kuranyi startete mit Dynamo Moskau erfolgreich in den Wettbewerb. Der Klub aus der russischen Hauptstadt siegte zum Start in die Gruppe E dank der Treffer von Alexander Kokorin (40.) und Alexej Ionow (49.) 2:1 bei Panathinaikos Athen.

© SZ.de/sid/dpa - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: