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Umstrittene Fecht-Entscheidung bei Olympia:Heidemann fordert Regeländerung

Tränen, Diskussionen, Beschimpfungen: Das Halbfinale im Degenfechten zwischen Britta Heidemann und Shin A Lam sorgt auch am Tag danach für große Aufregung. Die deutsche Fechterin spricht sich für Reformen aus, die Technik steht in der Kritik - und die österreichische Obfrau des Kampfes sieht sich Beschimpfungen ausgesetzt.

Es war der erste bislang größte Aufreger dieser Olympischen Spiele: Das Drama um die letzte Sekunde im Halbfinale zwischen Britta Heidemann und Shin A Lam in der Degenfecht-Entscheidung. Lange wurde debattiert, am Ende zog die Deutsche ins Finale ein - richtig glücklich ist aber auch sie nicht mit dem unrühmlichen Ende eines spannenden Kampfes.

Die Silbermedaillengewinnerin regt nun eine Regeländerung an. "Das war kein Fehler der Athleten, sondern ein Fehler der Technik. Das darf nicht passieren. Wir brauchen mehr Transparenz. Die Zeitabläufe sollten noch genauer ersichtlich sein", sagte die 29-Jährige: "Wenn solche Diskussionen genau in einem solchen Moment auftauchen, muss man auf jeden Fall schneller Entscheidungen treffen."

Im Gefecht zwischen Heidemann und Shin A Lam hatte es beim Stand von 5:5 im Sudden Death zwei Doppeltreffer innerhalb der letzten Sekunde gegeben. Die österreichische Obfrau Barbara Csar verlangte daraufhin beim Kampfgericht die Überprüfung der Uhr, bei der ein Fehler festgestellt wurde. Auf Nachfrage der Obfrau akzeptierten beide Fechterinnen die Entscheidung, die letzte Sekunde noch einmal zu fechten. Heidemann traf, Shin verlor.

Südkorea legte Protest ein. Shin weigerte sich, die Halle zu verlassen, sie blieb einfach auf der Planche sitzen. Erst nach über einer Stunde stand der Finaleinzug Heidemanns fest. Und Shin wurde aus der Halle geführt.

Wäre das Drama zu verhindern gewesen? Der Treffer der Deutschen in letzter Sekunde wurde von niemandem abgestritten. Ursache der Folgediskussion: War die Zeit schon abgelaufen oder nicht? Shins faires Einverständnis, bei 5:5 und eigentlich abgelaufener Kampfzeit noch einmal auf Eins zurückzustellen, als die Uhr schon Null zeigte, und damit Heidemann die Chance zum "plötzlichen Tod" zu geben, musste die Jury in letzter Konsequenz dazu bringen, den südkoreanischen Protest abzulehnen.

Sie konnte gar nicht anders, hieß es in Kreisen Offizieller - weil Shin zuvor Ja zur "Verlängerung" gesagt hatte. Die österreichische Kampfrichterin Barbara Csar, einzige Frau unter 32 Referees bei den Spielen, hatte überhaupt keinen Einfluss und laut ihrem deutschen Kollegen Bodo Vogel "null Schuld". Wenn überhaupt, muss die Technik infrage gestellt werden.

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