Ultimate FrisbeeDer vielleicht fairste Sport der Welt

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Lisa Schütz (Mitte, hechtend)  im Spiel Deutschland gegen Kanada bei der WM 2024 in Australien. Die deutsche Auswahl belegte Platz sienben.
Lisa Schütz (Mitte, hechtend)  im Spiel Deutschland gegen Kanada bei der WM 2024 in Australien. Die deutsche Auswahl belegte Platz sienben. Jojo Schultz/@josquared_photography/oh

Beim Ultimate Frisbee gibt es keine Schiedsrichter, und auch Körperkontakt ist verboten. Dafür bewertet jedes Team den Gegner in fünf Kategorien. Über ein Spiel, das die üblichen Mechanismen des Sports sprengt.

Von Felix Roche

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So mancher Verschwörungstheoretiker hätte beim Anblick des Trainings des ESV München wohl auf die Existenz von Außerirdischen geschlossen. Dabei waren die fliegenden Untertassen nur Frisbee-Scheiben, die mit gewaltiger Geschwindigkeit und hoher Präzision über den Rasen geworfen wurden. Unter diesen flachen Discs rannten mehrere Sportlerinnen und Sportler her und versuchten, sie nach einem langen Sprint zu fangen.

Die intensiven Läufe gehören zum Ultimate Frisbee genauso dazu wie die spielbestimmende Fairness. Neben den sportlichen Ergebnissen wird bei den Turnieren auch der „Spirit of the Game“ bewertet – ein eigenes Fairness-Ranking. Jedes Team bewertet den Gegner nach dem Spiel in fünf Kategorien:  Regelkenntnis, Spaß am Spiel, Ehrlichkeit, respektvolle Kommunikation und die Vermeidung von Körperkontakt. Ultimate Frisbee ist ein kontaktloser Sport – jede Berührung ist somit ein Foul. Die bewertet aber nicht der Schiedsrichter – den gibt es beim Ultimate Frisbee gar nicht –, sondern die Beteiligten selbst.

Bei Fouls wird das Spiel erst mal angehalten, und die betroffenen Spieler diskutieren die Situation. Dabei können auch Spieler von außen ihre Sichtweise beschreiben. Oft einigt man sich dann. Dabei hilft es, dass die Spieler meist ehrlich sind, wie Lisa Schütz vom ESV München findet: „Wenn es umstritten ist, merkt man schon, wenn es um was geht, aber es ist schon fair.“ Sie erlebt regelmäßig, dass der eigene Mitspieler sagt, es wäre ein Foul gewesen. Geschauspielert wird beim Ultimate Frisbee eigentlich gar nicht. Geht doch mal jemand zu Boden und bleibt liegen, würden sich die Beteiligten schon Sorgen machen. Durch diese „gegenseitige Rücksichtnahme“ fühle sich Schütz „sehr gut aufgehoben“.

Bei größeren Turnieren gibt es die Möglichkeit, knifflige Situationen per Videobeweis zu überprüfen. Da dürfen die Beteiligten jedoch nur etwas Positives über den Gegner sagen. Falls es mal keine Einigung gibt, startet das Spiel wieder beim letzten Spielzug, bei dem es keine Unklarheiten gab. Dafür, dass 14 Spieler gleichzeitig – sieben je Mannschaft – auf dem Feld stehen, passiert das selten. Das Spiel funktioniert ungefähr wie American Football. Beide Teams haben jeweils eine Endzone als Ziel, in der sie die Frisbee-Scheibe fangen müssen, um einen Punkt zu erzielen. Wer zuerst 15 Punkte hat, gewinnt. Wer im Fairness-Ranking vorn liegt, bekommt am Ende eines Turniers eine kleine Prämie, zum Beispiel eine Flasche Sekt.

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Schütz ist in diesem Jahr mit den „Zamperl“ – so nennt sich die Frisbee-Abteilung des TSV Unterföhring – deutsche Meisterin in der Halle geworden. Mit dem Mixed-Team wurde sie im vergangenen Sommer auf dem Feld DM-Zweite. Einen großen Unterschied, ob sie mit Männern oder nur mit Frauen zusammenspielt, gibt es für sie nicht. Zwar seien Frauen bei einem Zusammenprall mit einem Mann erst mal im Nachteil. Trotzdem verspürt sie „überhaupt keine Angst“.

Die Münchnerin ist, nachdem sie 2024 bei der Weltmeisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft Siebte wurde, im August bei den World Games in Chengdu (China) dabei. Dafür hat sie an zwei Auswahltrainings teilgenommen. Bis zum Turnier im August gibt es noch weitere Trainingslager sowie einen Test in London, bei dem auch andere World-Games-Teilnehmer mitspielen. „Ich habe keinen Urlaub. Ich mach’ Frisbee“, sagt die 24-Jährige auf die Frage, wie das alles neben dem Beruf funktionieren soll. Wenigstens die Unkosten der Reise zu den World Games bekommen Schütz und ihre Mitspieler bezahlt.

Mehr als 20 Ultimate-Frisbee-Spielerinnen und -spieler aus Deutschland fliegen nach China, wo am 7. August die World Games in Chengdu beginnen. Diese Anzahl braucht es, weil die Spieler unglaublich viel laufen müssen, wie Schütz erklärt: „Es ist nicht nur Sprinten und Ausdauer. Es sind vor allem ständige, anstrengende Geschwindigkeitswechsel.“ Dazu kommen viele Richtungswechsel, um sich für einen Pass freizulaufen. Dadurch, dass der Spieler mit dem Spielgerät in der Hand nicht laufen darf, muss mindestens immer ein Mitspieler frei sein. Sind zehn Sekunden ohne einen gespielten Pass abgelaufen, erhält die gegnerische Mannschaft die Scheibe.

Das klingt viel komplizierter, als es ist. Am wichtigsten ist beim Ultimate Frisbee aber ohnehin der Zusammenhalt. So ist auch die Atmosphäre bei solchen Turnieren entspannt, wie Schütz sagt: „Wenn man sich auf dem Feld gut verstanden hat, dann kommt man nach dem Spiel auch noch mal ins Gespräch.“ So lernt Lisa Schütz durch Ultimate Frisbee viele neue Leute kennen und kommt in der Welt herum. Vielleicht springt im August in China dann auch noch ein weiterer Titel heraus.

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