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Uli Hoeneß in Pilsen:Zur Ablenkung eine Mittelstürmer-Debatte

Viktoria Pilsen - FC Bayern München

Haben nur eine mäßige Vorstellung geboten bekommen: Uli Hoeneß (links) im Gespräch mit Karl-Heinz Rummenigge in Pilsen

(Foto: dpa)

Obwohl Präsident Uli Hoeneß bald vor Gericht muss, sitzt er beim 1:0 des FC Bayern in Pilsen auf der Tribüne. Zur Anklage äußert er sich nicht, das übernehmen andere. Beim Bankett spricht er angeregt mit Trainer Pep Guardiola über die richtige Taktik. Später wird allerdings ein Rücktritt bekannt.

Von Jonas Beckenkamp, Pilsen

Vor dem heruntergekommenen Stadion in Pilsen wehte ein kräftiger Wind, als es zu später Stunde noch einmal spannend wurde. In einem schicken Sportflitzer saß die in Deutschland wohl meistdiskutierte Person des Jahres 2013. Uli Hoeneß hatte es sich auch diesmal nicht nehmen lassen, seine Mannschaft zu einem Auswärtsspiel in der Champions League zu begleiten. Dabei hätte es einige Gründe dafür gegeben, mal zu Hause zu bleiben.

Das feuchtkühle Wetter, der mäßig attraktive Gegner, die drängenden Fragen zur mittlerweile zugelassenen Anklage gegen ihn wegen Steuerhinterziehung. Der Bayern-Präsident kam trotzdem mit nach Tschechien. Und auch wenn Hoeneß nur kurz hinter der getönten Scheibe seines Fahrzeugs hervorlugte, sorgte seine Präsenz am Dienstagabend für einen kleinen Menschenauflauf vor der Arena. Sprechen wollte Hoeneß nach dem Spiel im Stadion nicht mehr.

Erst später, auf dem üblichen Bankett nach Champions-League-Spielen kam der Präsident in eine redselige Laune. Zuerst diskutierte er lange mit Trainer Pep Guardiola, danach sprach er auch öffentlich. Allerdings nicht über seine Anklage, sondern über den Fußballsport seines FC Bayern: Darüber, dass Guardiola langsam umdenke und nun doch den echten Mittelstürmer Mario Mandzukic schätze und einsetze. Über die Unterschiede zu Guardiolas FC Barcelona und dem FC Bayern, der einen "Mann für die Bälle mit der Brechstange" habe, Mandzukic eben, der in Pilsen das einzige Tor des Abends erzielt hatte. "Ich möchte ihn nicht missen", sagte Hoeneß. Er sei total zufrieden mit dem Team, auch wenn es in Pilsen wahrlich nicht glänzte. "Du kannst nicht von den Jungs erwarten, dass sie acht oder neun Monate im Jahr Topleistungen bringen. Man muss auch mal so Spiele mit 80, 90 Prozent gewinnen können", sagte der Präsident. Ganz Papa Hoeneß.

Zur Steuerangelegenheit des Klubvaters redeten nur andere. Matthias Sammer zum Beispiel. Der Sportvorstand des Rekordmeisters ist zwar eher für die Geschicke auf dem Rasen zuständig, aber mittlerweile taugt er auch immer öfter als Sextant fürs Innenleben des Klubs.

Schon bevor die Bayern die Partie in Pilsen mühevoll gewinnen sollten, stand Sammer bei Sky am Mikro. Der 46-Jährige musste dem Strahl des Rasensprengers ausweichen, als er seiner Mannschaft beim Aufwärmen zusah. "Ich bin ja noch flink und gewandt", sagte er, das Jackett war trocken. Gewandt umkreiste Sammer anschließend auch die Causa Hoeneß, die spätestens seit Montag wieder die Diskussionen beim FC Bayern bestimmt. "Man geht damit um, er hat alle unsere Unterstützung", erklärte Sammer, "gewinnen ist unser Auftrag, alles andere spielt keine Rolle."

Die Ansage des Sportdirektors war unmissverständlich: Die Steuer-Enthüllungen um den mächtigen Klub-Boss möchte man im Verein am liebsten vom Sportlichen entkoppeln. Aber geht das denn so einfach?

Abseits des Klubs vollzieht der 61-Jährige einen ersten Rückzug. Er tritt von seinem Aufsichtsratsposten bei einer Allianz-Tochter zurück, werde sein Amt im Gremium der Allianz Beratungs-und Vertriebs-AG zum 30. November aufgeben, sagte ein Konzernsprecher auf dpa-Anfrage. Es handele sich um eine "persönliche Entscheidung" von Hoeneß. Er habe das dem Vorsitzenden des Kontrollgremiums, Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß, "vor einigen Tagen" mitgeteilt. Der Versicherungskonzern ist durch die Namensrechte an der vereinseigenen Arena einer der wichtigsten Sponsor-Partner des Klubs.

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