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Uefa im Fifa-Skandal:Zum Retten zu schlapp

Michel Platini  und Sepp Blatter.

Uefa-Chef Michel Platini (li.): Wird Blatters Fifa wohl kaum bereinigen

(Foto: D. Cannon/Getty)
  • Die Fifa will sich nach den Ermittlungen wegen Schmiergeldzahlungen selbst reformieren - vielen gilt die Uefa dabei als Hoffnungsträger.
  • Doch der europäische Verband strauchelt selber: Ihm fehlt eine klare Linie.
  • Auch Uefa-Funktionäre sind nicht unumstritten.

So eine leichte Beute bietet sich der Uefa nicht alle Tage. Als die US-Behörden ihre Ermittlungen zu Schmiergeldzahlungen bei der Fifa im großen Stil öffentlich machten und sieben Funktionäre in der Schweiz aus den Hotelzimmern holten, spitzte der europäische Fußball-Verband die Ohren. Die Präsidentschaftswahl solle verschoben werden, forderte man, "die heutigen Ereignisse sind ein Desaster für die Fifa und beschädigen das Image des Fußballs", hieß es in einer Erklärung. Maximale Empörung. Als Widersacher zu Sepp Blatters Fifa konnte man sich nun prima verkaufen - Uefa-Chef Platini legte dem Präsidenten vor seiner Wiederwahl den Rücktritt nahe.

Vielen gilt in diesen Tagen die Uefa als letzte Hoffnung der Fußballwelt, als tapferer Hüter der Moral. Nun, wo Blatter sein Amt unter dem Druck der Ermittlungen abgegeben hat, könnte da nicht der Weg frei sein für einen, der den Laden aufräumt? Die Uefa als Reinigungstrupp bei der Fifa? Das Problem ist: Die Uefa ist alles andere als ein würdiger Hoffnungsträger.

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Eine einheitliche Strategie gibt es bei der Uefa nicht, ihre Erscheinung gleicht eher einem Blasebalg: aufblasen und einknicken. Den Kongress in Zürich, bei dem Blatter erneut im Amt bestätigt wurde, boykottierte sie dann doch nicht. Alle gingen fleißig abstimmen, von Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein ließ man sich einreden, einen Wahlsieg feiern zu können - wie das ausging, ist bekannt. Dass Frankreichs Vertreter sogar für Blatter stimmte, gab kein gutes Bild ab.

Am kommenden Samstag wollte sich der Verband zu einer Sitzung treffen, um über die Fifa und die eigene Position zu debattieren, man wolle "jede Option" prüfen, wurde vollmundig angekündigt - nun wird das Treffen abgesagt. Es sei "klüger, sich Zeit zu nehmen, um die Situation besser einzuschätzen, um dann gemeinsam Position zu beziehen", sagte Präsident Platini. Dass Funktionäre unter Korruptionsverdacht vom FBI festgenommen werden, dass der Generalsekretär und Blatter selbst ins Visier der Ermittler geraten, reicht dem Verband nicht, um eine Haltung zu den Geschehnissen zu entwickeln?