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Funktionäre im Fußball:Rummenigge profitiert von den Verwerfungen

Bayern München - Karl-Heinz Rummenigge

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist zurück im Uefa-Exekutivkomitee.

(Foto: Robert Michael/dpa)

Dem Bayern-Boss dürfte im Uefa-Exekutivkomitee eine herausragende Rolle zukommen. Die Positionen weiterer deutscher Vertreter wackeln dagegen - wegen des DFB-Machtkampfs.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Die Laune war prächtig bei Generalsekretär Theodor Theodoridis und den vier Wahlhelfern, als es an einem Tisch neben der Bühne an die Stimmenauszählung ging. Es wurde gescherzt und gelacht, und als beim Kongress von Europas Fußball-Union Uefa die Auszählung der Vorstandswahlen beendet war, dürfte auch die Stimmung beim deutschen Multifunktionär Rainer Koch gelöster gewesen sein. Der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) schaffte den Sprung zurück in das Exekutivkomitee der Uefa.

Das Ergebnis war nicht das beste, aber bis vor Kurzem war Kochs Wiederwahl noch fraglicher gewesen. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin und die Seinen stehen dem Münchner reserviert gegenüber. Doch in den beispiellosen Turbulenzen um die Abspaltung einer Super League wurde deutlich, dass Europas Fußball gerade jetzt seine Großen braucht. Gemeinsam mit Frankreich haben die deutschen Klubs - und in der Folge auch die Funktionäre - den Superliga-Ideen eine Abfuhr erteilt.

Aufgrund der Umwälzungen im Profifußball wird in den internationalen Gremien künftig sogar ein deutsches Trio vertreten sein. Dass die Uefa Peter Peters, vormals langjähriger Vorstand bei Schalke 04 und nun Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), in den Rat des Weltverbandes Fifa entsendet, stand schon vor dem Konvent fest. Aber in der Uefa-Exekutive sitzt neben Koch nun auch: Karl-Heinz Rummenigge.

Der Bayern-Vorstandschef rückte aufgrund der aktuellen Verwerfungen als Vertreter der europäischen Klubvereinigung ECA in das Exekutivkomitee, dort ersetzt er den Italiener Andrea Agnelli. Der Chef von Juventus Turin und bisherige ECA-Vorsitzende hatte sich sprichwörtlich über Nacht aus dem Staub gemacht und war an die Spitze des Super-League-Lagers gewechselt. Rummenigge dürfte in den Gremium eine herausragende Rolle zukommen, Uefa-Boss Ceferin lobpries ihn schon ausführlich.

Aus nationaler Sicht birgt diese Konstellation Brisanz. Denn im ewigen Machtkampf innerhalb der DFB-Führung stehen die internationalen Repräsentanten in unterschiedlichen Lagern. Der Liga-Vertreter Peter Peters stützt - ebenso wie Rummenigge - den Präsidenten Fritz Keller; Koch hingegen wird an der Seite von Generalsekretär Friedrich Curtius verortet.

Zwar wurden am Dienstag sowohl Koch als auch Peters in einer DFB-Stellungnahme zitiert, ihre Ämter "in enger Abstimmung" untereinander und mit Keller ausüben zu wollen. Und der DFB-Chef hob hervor, wie "elementar" es sei, wieder in Fifa und Uefa vertreten zu sein - das war ja seit dem erzwungenen Rücktritt von Reinhard Grindel im April 2019 nicht mehr der Fall.

Doch wie sich das nun in der Praxis darstellt, muss sich erweisen. Dabei ist bemerkenswert, dass die Berufung über die nächsten vier Jahre zumindest für Koch und Peters keineswegs in Stein gemeißelt ist. Denn die Uefa nahm am Dienstag auch markante Statutenänderungen vor, darunter eine, die im Zuge der unversöhnlichen Streitereien auf der DFB-Chefebene Bedeutung erlangen könnte. Denn ein Vorstandsmitglied in einem internationalen Gremium, das in seinem nationalen Verband die Ämter verliert, kann von diesem nun auch bei der Uefa abgezogen werden.

Vor diesem Hintergrund birgt aus deutscher Sicht schon der weitere Verlauf dieser Woche anschwellende Brisanz. Am Donnerstag will das Gros der 21 Landes- und Regionalverbände einen veritablen Brandbrief (siehe SZ vom 17./18. April) diskutieren und ihn an das tags darauf konferierende DFB-Präsidium übersenden. Im Entwurf wird der "desolate" Zustand an der Spitze des größten Einzelsportverbandes der Welt kritisiert. Nicht nur die Personen mit der katastrophalen Außendarstellung, sondern der deutsche Fußball generell nehme derzeit "massiven Schaden".

Kündigungen, Abmahnungen, hochdotierte Beraterverträge jagen durch die Medien, noch mehr Unruhe schufen Steuer-Razzien im Herbst und Ermittlungsverfahren. Wegweisend ist im Briefentwurf nun die Einschätzung, die die Landesfürsten zu den widerstreitenden Lagern treffen: Sie bekunden dem DFB-Präsidenten Keller ganz offen Vertrauen und attestieren ihm Authentizität und "entwaffnende Ehrlichkeit" in seinen Bemühungen, die Probleme der Vergangenheit zu bewältigen. Dieser Vergangenheit wiederum rechnen sie gut erkennbar das Lager um Koch und General Curtius zu. Der westfälische Verbandschef Gundolf Walaschewski sprach am Wochenende für viele Kollegen, als er sagte: "Ich hoffe wirklich auf ein Ende, denn dieses Theater ist unerträglich."

Zuvor dürften Zuspitzungen anstehen. Es rumort immer heftiger im DFB-Gebälk, ans Licht drängen könnten Dokumente zu der zentralen Frage, wer intern gegen wen agiert, mit welchen Partnern und mit welchen Mitteln - auch mit welchen finanziellen. Eskaliert dieser Grabenkrieg auf der Chefetage endgültig, müsste im DFB endlich die Kernfrage geklärt werden, wie produktiv und glaubwürdig die Ämter aus Sicht des Fußballs noch besetzt sind. Multifunktionär Koch, just in die Uefa-Exekutive entsandt, ist als erster DFB-Vizepräsident zuständig für Recht, zugleich auch Boss aller Amateure. Die nun aufbegehren.

© SZ/sjo
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