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Uefa vs. Fifa:Europa wehrt sich gegen Infantino

AFC Asian Cup - Final - Japan v Qatar

Gianni Infantino (rechts) beim Africa Cup.

(Foto: REUTERS)
  • Beim Uefa Kongress in Rom wird deutlich: Die Europäer lehnen so ziemlich alle Vorstöße von Fifa-Präsident Gianni Infantino ab.
  • Infantino treibt seine Pläne trotzdem im Stil der alten Granden voran.
  • Der Streit könnte zum Bruch zwischen den Verbänden führen.

Applaus brandete durch den Saal, nur Gianni Infantino wirkte so, als kaue er auf einer Zitrone. Gerade hatte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin ein glanzvolles Resümee seiner Amtszeit gezogen: Die Reihen der bei seiner Kür 2016 arg zerrupften Europäischen Fußball-Union sind wieder fest geschlossen, Rekordeinnahmen stehen Rekordausgaben gegenüber, auch für Sozialprojekte zu Kinderschutz und Umwelt, alles eingebettet in die Wiederwahl Ceferins per Akklamation bis 2023. Nein, nichts Neues, aber in dieser harmonischen Wucht sehr erschütternd für Infantino, den Boss des Weltverbandes Fifa.

Sein Kurzauftritt im sportpolitischen Feindesland, beim Uefa-Kongress in Rom, blieb blass. Mit keinem Wort streifte Infantino das fragwürdige Projekt, das ihn seit einem Jahr umtreibt und in ein heftiges Zerwürfnis mit Ceferins Uefa gebracht hat: der diskrete Ausverkauf aller Fifa-Rechte an eine überwiegend arabische Investorengruppe. Rom war nicht der Platz, um seinen standhaften Widersacher zu attackieren. Und: Ohnehin ist Infantino nicht für Debatten mit offenem Visier bekannt.

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Er treibt seine Pläne lieber im Stil der alten Granden voran, die er beerbt hat. Er benutzt die übermächtige Fußball-Diaspora, winzige Verbände von Guinea über Guam und Laos bis Lesotho, die über fast keine Fußballstruktur verfügen, aber gerne trotzdem Fördermillionen kassieren. Auch in Rom gab Infantino das alte Mantra zum Besten: "Fußball ist global und verdient es, global entwickelt zu werden!" Als wären blühende Stadionlandschaften überall ein relevantes Anliegen, auch in Zwergstaaten und auf kleinen Urlaubsinseln. Nur eine Bemerkung Infantinos - man "müsse zusammenarbeiten, reden und diskutieren" - wies auf den internen Streit hin, der sogar noch zum Bruch zwischen den Verbänden führen kann.

Die Meinung der Uefa steht Infantino im Wege

Bei Gipfeltreffen mit den 211 Verbänden der Welt versucht er gerade, neue Turnierformate (reformierte Klub-WM, globale Nationen-Liga) durchzupeitschen. Nur: Diese zwei Formate bilden nach Aktenlage lediglich die Fassade für einen Rechtedeal im Umfang von 25 Milliarden Dollar mit mysteriösen Geldgebern. Deshalb verweigern Europas Verbände jede Teilnahme an Abstimmungen darüber - sie verweisen auf die Uefa als Verhandlungsinstanz.

Deren Chef Ceferin wiederum beharrt auch im Fifa-Council darauf, dass die Uefa die Turnierdebatte nur für einen Vorwand hält und das gesamte diskrete Vertragspaket bewerten wolle, bevor sie einen Beschluss mitträgt, der die Vermarktungspolitik des Weltfußballs für immer verändern könnte. Das ist es jedenfalls, was Infantino mit seinen Investoren in einem geheimen Arbeitspapier ausbaldowert hat. Seit dieses verräterische Dokument publik wurde, bezeichnet es die Fifa zwar als veraltet. Zugleich verfolgt sie aber weiter die dort beschriebenen Ziele.

In Rom betonte Ceferin erneut, dass Infantino seine Ausverkaufspläne ohne Europa verfolgen müsse: "Indem wir der Fifa sagen, dass wir nicht einverstanden sind damit, zeigen wir ihr und dem Fußball, den wir schützen müssen, unseren Respekt. Wir hoffen, dass auch die Fifa uns respektiert, indem sie unsere Meinung anhört."

Rummenigge gratuliert al-Khelaifi als Erster

Die Meinung der Uefa steht allerdings so ziemlich jedem Begehr Infantinos im Wege. Nicht nur dem nach einem Rechtedeal mit arabischen Investoren, sondern auch dem nach einer Aufblähung der WM 2022 in Katar auf 48 Teams: Das würde dem Fußball enorme Terminprobleme bescheren und Dohas Intimfeinde Saudi-Arabien und Vereinigte Emirate zu WM-Mitveranstaltern machen. Oder die Vergabe der WM 2030 erstmals an zwei Erdteile: Infantino puscht eine Doppelbewerbung Marokko/Spanien, Ceferin stellte jetzt in Rom klar: Die Uefa werde alles tun, "um die WM 2030 auf unseren Kontinent zu bringen".

Als dunkler Moment bleibt die Aufnahme von Nasser al-Khelaifi in die Uefa-Exekutive. Den katarischen Chef von Paris St. Germain, gegen den die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt, hat die Klubvereinigung ECA in das Gremium entsandt. Erster Gratulant übrigens an al-Khelaifis Seite: Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

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