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Uefa-Cup, Halbfinale:Ein großer kleiner Aussetzer

Die Russen tauchten bis zur Pause nur sporadisch in der Münchner Gefahrenzone auf. Einige Male ließen sie ihre gute Technik erkennen, auch Spielführer Timoschtschuk beeindruckte auf der Sechs als umsichtiger Nothelfer. Oliver Kahn musste jedoch nur bei Zyrjanows Manöver gegen Lahm und dem folgenden Distanzschuss eingreifen (23.). Die Bayern waren dem 2:0 näher, vor allem Zé Roberto, den Klose wunderbar eingesetzt hatte, doch er verzog freistehend vor Keeper Malafejew um einen guten Meter (28.).

Diejenigen, die sich mit dem Torschuss besser auskennen - Klose und Lukas Podolski -, kamen zunächst gar nicht zum Zuge. Zu undurchsichtig gerieten bisweilen ihre Laufwege, auch in der Ballbehauptung offenbarten sie einige Mängel. Ein dezentes Vorrücken der Russen brachte Zenit nach Wiederbeginn bald ein Übergewicht ein. Und nachdem Schweinsteiger (49.) und Podolski (59.) erneut nicht hatten erhöhen können, traf dann wenigstens Lúcio - allerdings ins Münchner Tor. Fayzulin, von Zé Roberto aus den Augen verloren, hatte scharf hereingegeben und der brasilianische Innenverteidiger darauf zur Unzeit seinen Charakterkopf hingehalten - ein Eigentor, das an die ganz persönliche Katastrophe des Liverpool-Profis John Arne Riise vom Dienstagabend gegen Chelsea (1:1) erinnerte. Lúcio wird den Abend ebenfalls als Desaster empfunden haben, denn ansonsten hatte er mit Martin Demichelis ein erstklassiges Verteidigergespann gegeben gegen Zenits Sturm um Pogrebnajak und Arschawin.

Der Ausgleich brachte dem Spiel eine verdiente Wende, St.Petersburg startete weitere überfallartige Angriffe, nicht nur Timoschtschuk stand dicht vor dem 1:2 (62.). Kurz darauf musste zudem Oliver Kahn wegen eines eingeklemmten Nervs passen, unter dem Beifall der 69.000 beendete er sein letztes Europacup-Heimspiel vorzeitig; sein Nachfolger Michael Rensing ersetzte ihn.

Doch die große Linie war nun dahin gegen das nun stürmische Zenit, und Hitzfeld bemühte sich mit der Einwechslung von Lell erst gar nicht mehr um sie. Die Rückwärtsbewegung auf der starken linken Außenbahn der Russen war ihm nun offenbar wichtiger als der Impuls zum Siegtor. Das wäre trotzdem fast dem tragischen Helden Lúcio gelungen mit seinem Vollspannstoß, den Ribéry ermöglicht hatte - doch Malafejew parierte vorzüglich (79.). Nach einem weiteren Fehlschuss von Podolski und einer letzten Rettungstat vor dem Zenit-Tor rissen die Gäste die Arme hoch; sie feierten das 1:1 wie einen Sieg.