bedeckt München 20°

Uefa-Cup, Halbfinale:Ein großer kleiner Aussetzer

Das Eigentor des lange herausragenden Lúcio beschert Zenit St. Petersburg im ersten Uefa-Cup-Halbfinale ein 1:1 beim FC Bayern.

Der Ball rollte auf das vereinsamte Tor der Münchner zu, im nächsten Moment würden ihre Aussichten auf das Finale des Uefa-Pokals in Manchester nicht mehr sonderlich groß sein, so sah es aus. Der schnelle Fayzulin, an diesem Abend einfach nicht zu fassen für die Bayern, hatte sich nicht von Lúcio, nicht von Lell und auch nicht von Torwart Rensing aufhalten lassen, und nun kullerte sein letzter Versuch in der 80. Spielminute dem Siegtor für Zenit St. Petersburg entgegen. Zé Roberto hat es dann allerdings doch verhindert mit einer beherzten Grätsche, knapp vor der Linie stoppte er die Kugel und schlug sie ziemlich unbrasilianisch weg. Weil in den turbulenten Schlussminuten auch die Münchner nochmals knapp am Torerfolg scheiterten, blieb es beim 1:1 (1:0) - ein Ergebnis, das dem FC Bayern noch alle Chancen auf den Finaleinzug lässt. So sieht das auch Trainer Ottmar Hitzfeld, "alles ist offen, auswärts sind wir immer für ein, zwei Tore gut - und Luca Toni ist dann wieder da". Kommenden Donnerstag (18.30 Uhr/MEZ), wenn im kleinen und zugigen Petrowskij-Stadion das Rückspiel steigt. Der diesmal gesperrte Italiener könnte dann Miroslav Klose ersetzen - der Sturmkollege erlitt am Donnerstagabend einen Nasenbeinbruch.

Oh Schreck! Lúcio befördert den Ball ins eigene Netz.

(Foto: Foto: ddp)

Klose und Kahn verletzt

Es herrschte vor Spielbeginn Festtagsstimmung in der ausverkauften Arena, die Aussicht auf ein Endspiel verlieh an diesem Abend sogar dem angeblich piefigen Uefa-Cup großen Glanz. Und dass sich dieser Wettbewerb nun allmählich dem Ende nähert, hatte offenbar auch Hitzfeld zu höchster Konzentration herausgefordert, denn er kreierte für das erste Duell mit dem russischen Titelträger doch einmal die logischste aller Aufstellungen. So kam Philipp Lahm mal wieder auf der von ihm bevorzugten rechten Abwehrseite zum Zuge - für den dort zuletzt gesetzten Christian Lell -, was oben auf der Tribüne sicher auch die Späher des FC Barcelona interessierte; sie möchten ihn ja genau für diese Position verpflichten. Auf links verteidigte stattdessen Marcell Jansen, womit die mutmaßlich bei der EM von Bundestrainer Löw gesetzten Außenbahnen gemeinsam einem internationalen Härtetest unterzogen wurden. Er fiel alles in allem durchschnittlich aus.

Jansen indes dürfte zumindest in der Startphase Gefallen an seinem Job gefunden haben, denn vor ihm spielte ja Franck Ribéry. Offensichtlich beseelt von den innigen Umarmungen vom Wochenende mit dem DFB-Pokal, wirbelte und zwirbelte der Franzose die linke Seitenlinie entlang, dass seinen Kontrahenten Ricksen und Denisow zu Beginn ein Schleudertrauma drohte.

Ein wenig von seinem Feuer und seiner Standfestigkeit hätte gegenüber Bastian Schweinsteiger gut gebrauchen können, die Rolle des Helden wäre ihm dann sicher gewesen. Nach nur 61 Sekunden hatten ihm Jansen und der Zufall in eine traumhafte Schussposition an der Strafraumlinie gebracht, doch Schweinsteiger traf den Ball nur unwesentlich; vier Minuten später kam er, diesmal von Lahm bedient, sogar im Strafraum an den Ball - der Ertrag fiel erneut unbefriedigend aus. Als Schweinsteiger dann kurz vor der Pause bei einem Überzahlspiel abermals zauderte, vernahm er dafür sogar Pfiffe.

In die Halbzeit gingen die Bayern dennoch mit einer Führung, Ribéry hatte sie erzielt, natürlich er, sollte man meinen. Doch diesmal hatte ihm nur das Glück zugelächelt, sein schwach geschossener Strafstoß hätte eigentlich nicht mit einem erfolgreichen Nachsetzen belohnt werden dürfen (18.). Verschuldet hatte den Elfmeter Verteidiger Ricksen: Zé Roberto erreichte eine Lahm-Hereingabe Sekundenbruchteile vor ihm mit der Stiefelspitze, der Holländer kam zu spät und streckte den Brasilianer mit einem sauberen Kung-fu-Tritt nieder; eine vertretbare Entscheidung gegen Ricksen, übrigens ein alter Sportschulfreund des Münchner Kampfathleten Mark van Bommel.