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UCI rechnet mit Lance Armstrong ab:Radsport jemals sauber? "Nein."

Es war die große Abrechnung. Und die Offenbarung, dass die UCI und ihre Funktionäre keinesfalls bereit sind, zusammen mit dem früheren Idol unterzugehen. "Ich werde nicht als Präsident der UCI zurücktreten", erklärte McQuaid.

Radfahrer Lance Armstrong

Umstrittene Karriere in Gelb

Selbst seinen umstrittenen Vorgänger als Verbandsboss, Hein Verbruggen, nahm McQuaid in Schutz. "Natürlich kann man in der Rückschau immer sagen, man hätte mehr tun können", sagte McQuaid. "Aber man kann nur so viel tun, wie das System, das in Kraft ist, zulässt. Es tut mir leid, dass wir nicht jeden verdammten Sünder erwischen konnten."

Einige Fragen blieben offen: Was wird aus den sieben Tour-de-France-Titeln von 1999 bis 2005? Die Veranstalter der Tour hatten angekündigt, diese Titel nicht vergeben zu wollen, weil die jeweils Zweitplatzierten ebenfalls mal mehr, mal weniger unter Verdacht stehen, unerlaubte Mittel genommen zu haben.

Dreimal wurde Jan Ullrich in dieser Ära Zweiter. Ihm wurde eine Verstrickung im Fuentes-Skandal nachgewiesen. Einmal belegte Andreas Klöden Platz zwei, sein Name tauchte in den Akten der Freiburger Staatsanwaltschaft zum Telekom-Skandal auf, zu einer Verurteilung kam es bislang nicht.

Dopingfälle bei der Frankreich-Rundfahrt

Die Tour-Täter

Doch McQuaid verwies nur auf eine Sitzung des Management Komitees der UCI am Freitag, wo diese Frage entschieden werden soll. Auch die Frage, ob die UCI Millionen Euro an Preisgeld zurückfordern wird, soll sich dort klären. Präsident McQuaid legte dar, dass dafür Statuten des Verbands verändert werden müssten.

Der UCI-Chef verteidigte sich außerdem gegen den Vorwurf, dass er oder sein Verband korrupt seien. Lance Armstrong hatte dem Weltverband 125.000 Dollar gespendet, Kritiker monieren, dies wäre ein Schweigegeld für angeblich positive Tests und ihre nachträgliche Vertuschung gewesen. Der Ire wies diese Kritik zurück und rechtfertigte die Annahme des Geldes: "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Spende und irgendwelchen Doping-Tests. Wir haben das Geld akzeptiert, weil wir es für den Kampf gegen Doping gebrauchen konnten. Es war für einen guten Zweck."

Pat McQuaid glaubt daran, dass die aktuelle Fahrergeneration ganz anders ist: "Die Fahrer heute haben eine komplett andere Einstellung und wir müssen Vertrauen in sie haben." Auch sei ein neuer Test in der Entwicklungsphase, der Bluttransfusionen nachweisen könne. Die UCI stünde bereit, diesen Test sofort einzuführen.

Nun weisen Experten auch heute darauf hin, dass viele leistungssteigernde Drogen nicht auffindbar seien. Es soll sogar schon am Thema Gen-Doping geforscht werden. Das scheint auch Pat McQuaid zu ahnen. Ob er glaube, dass der Radsport jemals sauber sein werde? "Wenn ich ehrlich sein soll: Nein. Denn in jeder Ecke der Gesellschaft wird betrogen." Er erzählte von einem Fahrer, der Epo nahm, weil er um seinen Platz in einem Profi-Team kämpfte. "Das wird es immer geben im Sport. Du bist immer nur so gut wie dein letztes Resultat."