bedeckt München
vgwortpixel

UCI rechnet mit Lance Armstrong ab:"Er verdient es, dass ihn der Radsport vergisst"

Es war die große Abrechnung: Der Radsport-Weltverband sperrt Lance Armstrong lebenslänglich und erkennt ihm sieben Tour-de-France-Titel ab. Die Funktionäre vollziehen damit eine radikale Abkehr von ihrem einstigen Idol - weil sie keinesfalls mit ihm untergehen wollen.

Pat McQuaid erzählte am Ende der Pressekonferenz in Genf, warum er selbst in den siebziger Jahren kein professioneller Radrennfahrer wurde: "Weil ich wusste: Ich muss mich irgendwann entscheiden, ob ich dope oder nicht, und darauf war ich nicht vorbereitet."

Was der irische Präsident des Radsport-Weltverbands UCI da so nebenher aussprach, muss all jenen zu denken geben, die nun vom "verseuchten Jahrzehnt" im Radsport sprechen, wie etwa Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer. Offenbar hat die Kultur der unerlaubten Leistungssteigerung durch Drogen eine längere Tradition in diesem Sport als manche glauben wollen. Nach diesem Montag in Genf aber muss die Geschichte des Sports erheblich umgeschrieben werden. Die UCI hat seinen erfolgreichsten Rennfahrer, Lance Armstrong, lebenslang wegen Dopings gesperrt. Alle Ergebnisse des Amerikaners seit dem 1. August 1998 werden gestrichen, darunter sieben Tour-de-France-Titel.

Der UCI blieb gar nichts anderes mehr übrig. Die amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada hatte zuletzt einen etwa 1000-seitigen Bericht ins Internet gestellt, in dem rund um die Armstrong-Teams US Postal und Discovery ein professionelles und ausgeklügeltes Dopingsystem dokumentiert wurde. Beweise und Zeugenaussagen unter anderem von Fahrern zeichneten das Bild eines riesigen Sportbetrugs, den Lance Armstrong einerseits anführte und durch den er zum größten und wohl reichsten Radsportler der Geschichte wurde. Der UCI blieben 21 Tage Zeit, die Strafe zu vollziehen oder vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas dagegen vorzugehen. Der Verband vollzog.

"Ich bestätige, dass die UCI das Schiedsgericht nicht anruft und die Sanktionen der Usada übernehmen wird", sagte Präsident McQuaid und erklärte: "Das ist die größte Krise, der sich der Radsport jemals stellen musste. Was ich dort lesen musste, macht mich krank."

McQuaid und die UCI haben sich angesichts der erdrückenden Beweise von ihrem einstigen Liebling radikal abgewandt. Dabei überraschte vor allem die Deutlichkeit der Aussagen. "Lance Armstrong hat keinen Platz im Radsport. Er verdient es, dass ihn der Radsport vergisst." Zuvor hatte gerade die UCI lange Zeit alle Angriffe und Spekulationen gegen Armstrong stets bissig als Verleumdungen abgetan. Es gebe keinen positiven Dopingtest gegen den Texaner, also dope er auch nicht.

An diesem Montag hört sich das ganz anders an. "Wir schauen auf ein enormes Betrugssystem, ein Gewinnen-um-jeden-Preis. Die Beteiligten haben viel Geld verdient. Einige haben es nun zugegeben, haben sich bei ihren Familien entschuldigt. Aber keiner hat sich bei der UCI entschuldigt, oder beim Sport, bis auf George Hincapie will keiner Preisgeld zurückgeben", schimpfte McQuaid, "ich bedauere die anderen Fahrer, die sauber waren."

Pressestimmen zum Usada-Bericht

"Schändlicher Armstrong als Tyrann"