Fußball-Europameisterschaft der U21Schön am Strand spazieren gehen

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Lieber in der U21: Kann es sein, dass der Dortmunder Stürmer Youssoufa Moukoko ganz froh ist, nicht bei den Erwachsenen spielen zu müssen?
Lieber in der U21: Kann es sein, dass der Dortmunder Stürmer Youssoufa Moukoko ganz froh ist, nicht bei den Erwachsenen spielen zu müssen? Uwe Anspach/dpa

Die deutsche U21 will bei der EM mindestens das Halbfinale erreichen. Mit Youssoufa Moukoko und Kevin Schade in den Reihen zählen sie zu den Mitfavoriten - die Mannschaft hätte aber noch weit stärker besetzt sein können.

Von Ulrich Hartmann

Die Küstenstadt Batumi am Schwarzen Meer ist ein wunderbarer Urlaubsort. Die Fußballer der deutschen U21-Nationalmannschaft sind allerdings nicht zum Zwecke der Sommerfrische in den Westen Georgiens gereist. Sie haben allerhand zu erledigen in ihrem Turnier-Quartier. Gegen Israel an diesem Donnerstag, Tschechien am Sonntag und England nächsten Mittwoch geht es für das älteste Nachwuchs-Auswahlteam des Deutschen Fußball-Bunds bei der Europameisterschaft zunächst um den Einzug ins Viertelfinale. Minimalziel ist das Halbfinale, denn dieses ist erforderlich, um sich für die Olympischen Spiele 2024 in Paris zu qualifizieren. Mindestens mit einem solchen Erfolg will der U21-Bundestrainer Antonio Di Salvo von seinem ersten Turnier als Chefcoach heimkehren. Als deutsche U21-Teams 2017 und 2021 Europameister wurden, war Di Salvo noch Assistent vom Cheftrainer Stefan Kuntz.

Gegen Israel spielt die DFB-Elf an diesem Donnerstag in der 140 Kilometer entfernten Stadt Kutaissi. Israel war bereits deutscher Gegner in der EM-Qualifikation; in seinem Premierenspiel als U21-Chefcoach im Oktober 2021 sah Di Salvo seine Mannschaft in der Nachspielzeit so gerade eben noch mit 3:2 gewinnen. Auch das Rückspiel in Petach Tikwa entschieden sie nur knapp mit 1:0 für sich. Di Salvo interpretiert beide Erfahrungen nun als Wettbewerbsvorteil: "Unsere Spieler wissen bereits, dass Israel eine richtig gute Mannschaft ist." Eine Niederlage kann sich das deutsche Team da kaum leisten. Mit den Engländern als Turniermitfavorit in der Gruppe würde in einem solchen Fall ein frühes Aus drohen. Die U21-EM ist mit so vielen hochkarätigen Mannschaften und Spielern gespickt wie selten.

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So wimmelt es im Feld der 16 Nationen von prominenten internationalen Angreifern, die bereits ausführlich Spielpraxis in den besten europäischen Klubs gesammelt haben: der Ukrainer Mychailo Mudryk vom FC Chelsea (geschätzter Marktwert etwa 60 Millionen), die Engländer Anthony Gordon von Newcastle United und Emile Smith Rowe vom FC Arsenal (beide um 40 Millionen) oder auch der Franzose Amine Gouiri von Stade Rennes (35 Millionen) - dazu vom RC Lens der Belgier Lois Openda (20 Millionen), hinter dem halb Europa und auch RB Leipzig her ist. Der Italiener Sandro Tonali (50 Millionen) stand mit AC Mailand sogar im Champions-League-Halbfinale - als Stammspieler.

Verstecken müssen sich die deutschen Spieler da allerdings nicht. Der Dortmunder Mittelstürmer Youssoufa Moukoko, der Flügelstürmer Kevin Schade vom Premier-League-Klub FC Brentford oder auch die bundesliga-erfahrenen Angelo Stiller aus Hoffenheim, Yannik Keitel aus Freiburg und Josha Vagnoman aus Stuttgart begegnen den internationalen Topstars durchaus auf Augenhöhe - wenn sie denn ihre Grenzen ausloten. Was es über die individuelle Qualität hinaus dann noch braucht, weiß Di Salvo sehr genau. Er nennt es "einen supergeilen Teamspirit".

Auch die internationale Konkurrenz setzt auf deutsche Erst- und Zweitligaspieler

Also sind sie am Montag nach der Ankunft direkt mal schön am Meer spazieren gegangen und garnieren die freie Zeit zwischen den Trainingseinheiten mit Billard, Tischtennis, Kartenspiel und anderen teamgeistigen Aktivitäten. "Wir brauchen Mentalität und Begeisterung", betont Di Salvo. Die U21 muss und will jene Tugenden zeigen, die der heimischen A-Nationalmannschaft zuletzt abgingen.

Außer den Fußballern im deutschen Aufgebot stehen bei der U21-EM noch 14 weitere Bundes- und Zweitliga-Spieler in den Kadern der internationalen Konkurrenz: Für Kroatien spielen die Augsburger Dion Beljo und David Colina, der Wolfsburger Bartol Franjic, der Kölner Nikola Soldo und Gabriel Vidovic vom FC Bayern; im französischen Kader stehen Leipzigs Mohamed Simakan, Gladbachs Kouadio Koné und Leverkusens Amine Adli; für die Niederlande spielen Ludovit Reis vom Hamburger SV, der Wolfsburger Micky van de Ven und Bayerns Ryan Gravenberch, für Belgien der Wolfsburger Aster Vranckx und der Augsburger Arne Engels - und für die Schweiz läuft Darmstadts Filip Stojilkovic auf.

England und Frankreich gelten als Favoriten

Die deutsche U21 hätte noch stärker besetzt sein können, allerdings fehlen ihr bei der EM die Spieler Florian Wirtz, Jamal Musiala. Karim Adeyemi und Malik Thiaw (alle bereits A-Nationalspieler) sowie die verletzten Jonathan Burkardt, Ansgar Knauff, Felix Nmecha, Armel Bella Kotchap, Patrick Osterhage, Jan Thielmann und Jordan Beyer. Auch deshalb ruft Di Salvo nicht explizit den Titel als Ziel aus. "Diese Mannschaft ist kein Titelverteidiger", sagt er sehr deutlich über seine U21, weil in Josha Vagnoman nur ein einziger Spieler bereits dabei war, als Deutschland 2021 in Ljubljana mit einem 1:0 im Endspiel gegen Portugal Europameister wurde.

England und Frankreich gelten als Turnierfavoriten. Sie liegen sowohl bei den geschätzten Kader-Marktwerten als auch bei den Einsatz-Minuten ihrer Spieler in der vergangenen Klub-Saison an der Spitze des EM-Felds. In beiden Statistiken liegt die deutsche Mannschaft nur im Mittelfeld. Ihre Spieler haben sich allerdings vorgenommen, diese Statistik geflissentlich zu ignorieren.

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