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EM-Finale:Deutsche U21-Nationalmannschaft ist Europameister

Umsonst gestreckt: Portugals Torwart Costa kann das 1:0 durch Lukas Nmecha nicht verhindern.

(Foto: Darko Bandic/AP)

Das Team von Trainer Stefan Kuntz holt gegen Portugal zum dritten Mal den Titel. Lukas Nmecha erzielt nach feiner Kombination das einzige Tor des Endspiels.

Von Ulrich Hartmann

Am späten Sonntagabend tanzten und taumelten die deutschen U21-Fußballer nach dem Schlusspfiff freudetrunken über den Rasen des Stadions Stozice in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Mit einem 1:0 (0:0)-Finalsieg gegen Portugal feierten sie den Gewinn der Europameisterschaft. Sie herzten sich sowie ihren Cheftrainer Stefan Kuntz, dessen Assistenten Daniel Niedzkowski und Antonio di Salvo sowie Torwarttrainer Klaus Thomforde.

Für diese Vier war es bereits das dritte Endspiel in Serie. 2017 in Krakau hatten sie eine deutsche U21 zum 1:0-Finalsieg gegen Spanien geführt. 2019 in Udine hatten sie sich und auch die Spieler trösten müssen nach einer 1:2-Finalniederlage gegen Spanien. Aus diesen beiden Erlebnissen hatte der Trainer Kuntz die bedeutsame Erfahrung gezogen: "Gewinnen macht mehr Spaß als Verlieren."

Für eine deutsche U21 ist es der insgesamt dritte EM-Triumph. Den ersten hatte 2009 in Malmö eine Mannschaft mit Manuel Neuer Mats Hummels, Jérôme Boateng und Sami Khedira unter dem Trainer Horst Hrubesch gewonnen. An die fünf U21-EM-Titel solcher Nationen wie Spanien und Italien kommen die Deutschen trotzdem noch nicht heran. Der Deutsche Fußball-Bund ist aber auf einem guten Weg, sich unter seinem so erfolgreichen Trainer-Quartett dauerhaft unter den besten Nachwuchsnationen zu etablieren.

Die Portugiesen gewannen sämtliche Turnierspiele bis zum Finale - dort endete ihre Serie

Ins Finale geschickt hatte Kuntz exakt jene Startelf, die auch schon beim Halbfinalsieg gegen die Niederlande auf dem Platz gestanden hatte. Bei den Portugiesen hießen der Torwart (Costa) sowie drei Abwehrspieler (Dalot, Queiros, Leite) mit Vornamen Diogo, was die interne Notfall-Ansprache gewiss erschwert. Zumal die Deutschen sie immer wieder in Notlagen brachten. Während sie sich in der Gruppenphase zwei Unentschieden geleistet hatten, hatten die Portugiesen sämtliche Turnierspiele bis zum Finale gewonnen. Dort endete ihre Serie.

Die Komplexität der Aufgabe gegen eine portugiesische Generation, die 2016 U17-Europameister und 2019 U19-EM-Zweiter geworden war, zeigte sich auf Anhieb. Die Kontrahenten pressten extrem hoch und kamen nach Ballgewinnen zu schnellen und gefährlichen Abschlüssen. Es war ein herrlich intensives Spiel. Die deutsche Mannschaft konnte noch froh sein über ihr Nullzunull, selbst als nach einer Viertelstunde ein abgefälschter Schuss von Florian Wirtz von der Latte heruntertropfte. Es war im sechsten Turnierspiel der neunte Aluminiumtreffer für die deutsche Mannschaft.

Die Partie blieb bis zur 49. Minute ein torloser Balanceakt, weil beide Teams gut verteidigten und nach vorne latent Gefahr ausstrahlten. Doch vier Minuten nach der Pause erzielte der beim RSC Anderlecht angestellte Lukas Nmecha mit seinem vierten Turniertreffer nach Ridle Bakus herausragendem Steilpass durch die Nahtstelle der portugiesischen Viererkette die 1:0-Führung. Der 22-Jährige avancierte mit seinem vierten Treffer auch zum Torschützenkönig des Turniers.

Die Portugiesen antworteten mit Angriffen, die man im Fußballjargon wohl unter "wütend" abheftet. 18 Minuten vor Schluss verpasste Karim Adeyemi frei vor dem Tor für das deutsche Team die Entscheidung. Die Führung hing am seidenen Faden, doch der Faden hielt. Der Schlusspfiff in Ljubljana ging im Jubel unter.

© SZ/jkn
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