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U21 erreicht Viertelfinale:Auf der Rasierklinge

Germany v Romania - 2021 UEFA European Under-21 Championship

Lukas Nmecha trifft gegen Rumänien vom Elfmeterpunkt aus den Pfosten.

(Foto: David Balogh/Getty Images)

Weil die deutsche U21-Nationalmannschaft gegen Rumänien zweimal Aluminium trifft, muss das Team von Stefan Kuntz bis zum Ende zittern. Das 0:0 reicht fürs Viertelfinale - das aber erst am 31. Mai stattfinden wird.

Von Ulrich Hartmann

Die deutschen U21-Fußballer mussten bei der Europameisterschaft schon nach der Vorrunde noch Dienstagnacht heimfliegen - aber keine Bange: Das liegt coronabedingt am Modus. Das Viertelfinale, das die älteste Nachwuchs-Nationalmannschaft durch ein sehr spannendes 0:0-Unentschieden im finalen Gruppenspiel gegen Rumänien erreicht hat, wird erst am 31. Mai in Szekesfehervar ausgetragen. Ob der Gegner dann Dänemark, Frankreich oder Russland heißt, entscheidet sich am Mittwochabend. Deutschlands bester Mittelfeldspieler Niklas Dorsch (Gent) wird dabei gelbgesperrt fehlen, die Rumänen sind raus.

"Das war extrem schwer. Wir machen das Tor nicht und müssen am Ende zittern", sagte Dorsch nach dem Spiel bei ProSieben. "Elfmeter, Latte - da hat alles dazu gepasst. Es war sehr unglücklich, aber wir nehmen uns das fürs Viertelfinale auf", sagte Dorsch. "Wir müssen auf jeden Fall feiern."

Vor zwei Jahren war das Duell mit Rumänien in Bologna noch ein U21-EM-Halbfinale gewesen, das die Deutschen durch zwei ganz späte Treffer von Luca Waldschmidt und Nadiem Amiri mit 4:2 gewannen. Das Endspiel verloren sie gegen Spanien mit 1:2. Mittlerweile ist es noch ein bisschen schwieriger geworden, den EM-Titel zu holen, denn mit erstmals 16 Teilnehmern gibt es nun auch ein Viertelfinale.

Bundestrainer Stefan Kuntz, der die U21 im Jahr 2017 in Polen zum Titel geführt hatte, brachte gegen Rumänien den Fürther David Raum zurück in die Abwehrkette und den Stuttgarter Angreifer Mateo Klimowicz erstmals in die Startelf. Die weiteren neun Positionen blieben unverändert, was auch bedeutete, dass der Mainzer Torwart Finn Dahmen trotz seines kapitalen Patzers beim 1:1 gegen die Niederlande das Vertrauen des Trainers wie angekündigt behielt. "Wir haben einen unfassbaren Teamgeist", hatte Dahmen vor dem Spiel mit seliger Miene verkündet.

Die Niederlande machen per Parallelspiel Druck

Den noch unfassbareren Teamgeist demonstrierten zunächst aber die Rumänen. Nach zwei Minuten klärte Raum per Kopfball am zweiten Pfosten, nach fünf Minuten schlenzte Alexandru Matan den Ball an den Innenpfosten. Der Stürmer Matan ist der erste des rumänischen Kaders, der das Land verlassen wird, er spielt demnächst für Columbus Crew in der US-amerikanischen Soccer League.

Es dauerte aber nicht lange, ehe die deutsche Mannschaft dominant wurde. Klimowicz hatte in der 24. Minute per Lupfer über den Torwart die erste Chance, Rumäniens Abwehrchef Alexandru Pascanu rettete aber kurz vor der Linie. Die zweite Chance erhielt in der 42. Minute Mergim Berisha (RB Salzburg) ausgangs eines Musterangriffs, sein Schuss wurde aber abgefälscht.

Weil die Niederländer im Parallelspiel bald klar vorne lagen, hätte schon ein einziges Gegentor das deutsche Turnier-Aus bedeuten können. Das machte die Herangehensweise in der zweiten Halbzeit umso diffiziler, gegen starke Rumänen schien das die Mannschaft auch ein bisschen zu lähmen. Sie verlor ihre spielerische Freude. Ein 2:2, das beiden Duellanten zum Weiterkommen gereicht hätte, deutete sich nicht an.

Es blieb spannend, weil Lukas Nmecha (RSC Anderlecht) in der 72. Minute einen Handelfmeter an den Pfosten schoss. So wurde die Schlussphase zum Ritt auf der Rasierklinge. Die Rumänen blieben gefährlich. Kurz vor Schluss drückte Amos Pieper (Bielefeld) den Ball per Kopf an die Latte. Doch alles Unglück mündete am Ende trotzdem in überglücklichen deutschen Jubel.

© SZ/schm
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