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Boxen:"Schlag' weiter, Mike!"

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Ein Bild aus dem Jahr 1997: Mike Tyson (l.) boxt gegen Evander Holyfield.

(Foto: imago/UPI Photo)

Mike Tyson kehrt für ein paar Showkämpfe in den Ring zurück, auch sein einstiger Konkurrent Evander Holyfield boxt wieder. Das bringt die Boxwelt in Aufruhr: Treten die beiden noch ein drittes Mal gegeneinander an?

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Natürlich klingt dieses Duell noch immer spektakulär. Die Leute erinnern sich ja derzeit ganz besonders an legendäre Sportereignisse, weil ihnen wegen der Corona-Pandemie keine Live-Bilder geboten werden, und beim Boxen genügen die beiden Nachnamen, damit das Gehirn einen Film ins Kopfkino einlegt: Tyson gegen Holyfield. Der erste Kampf im November 1996 war ein sportlicher Leckerbissen, der zweite ein paar Monate später ein Skandal, weil Tyson seinem Gegner tatsächlich ein Stück Ohr abbiss.

Einen dritten Kampf hat es nicht gegeben - bis jetzt. Sowohl Tyson als auch Holyfield haben ihr Comeback verkündet, beide wollen für einen guten Zweck ein paar Showkämpfe absolvieren - und die Boxwelt ist in Aufruhr: Die werden doch nicht wirklich gegeneinander antreten?

Auslöser ist ein kurzes Video: Zu sehen ist Tyson, 53, der sich offenbar in Form gebracht hat und die Pratzen seines Trainers Rafael Cordeiro malträtiert. Es dauert nur ein paar Sekunden, doch behauptete Cordeiro danach, dass er während dieses Trainings sein Leben vor seinen Augen vorbeiziehen habe sehen: "Er ist noch immer so schnell und kräftig, wie es Leute mit 22 und 23 Jahren sind." Dinge, die Boxtrainer eben sagen, wenn sie ihren Job behalten wollen. Tyson hat das Video höchstselbst bei Twitter veröffentlicht, verbunden mit der Feststellung, noch immer der böseste Mensch des Planeten zu sein.

"Ich mache zwei Stunden Ausdauertraining pro Tag", sagte Tyson später beim Interview mit dem Rapper T.I. auf der Plattform Instagram Live: "Dann folgt Boxtraining, 25 bis 30 Minuten an den Pratzen. Ich will, dass mir diese Kombinationen wieder gelingen - aber es tut ordentlich weh. Ich fühle mich danach, als hätten drei Leute die Scheiße aus mir raus geprügelt." Er wolle sich in Kampfform bringen und für ein paar Showkämpfe in den Ring zurückkehren: "Für einen guten Zweck, drei oder vier Runden. Ich würde gern ein bisschen Geld sammeln für Obdachlose oder drogenabhängige Typen, wie ich es gewesen bin."

Tyson, der zu Beginn seiner Karriere schneller schlug als sein Schatten, war am Ende dieser Laufbahn nicht einmal mehr ein Schatten seiner selbst. Er verlor ja nicht nur gegen die großartigen Boxer Holyfield und Lennox Lewis, sondern auch gegen Leute wie Danny Williams oder Kevin McBride, und wie bei jedem, der mal großartig gewesen ist, sahen diese Auftritte umso schrecklicher aus, weil die Erinnerung einen grandiosen Boxer gespeichert hatte und nicht diesen Typen, der vorgeführt würde wie eine Attraktion im Zirkus. "Ich will diesen Sport nicht mehr beleidigen", sagte Tyson nach der Niederlage gegen McBride im Jahr 2004: "Es ist Zeit, mein Leben weiterzuführen."

Holyfield veröffentlicht bei Twitter ein Bild mit nur einem Wort: "Comeback"

Wie so viele Sportler stellte Tyson nach seiner Laufbahn fest, dass da noch jede Menge Leben übrig ist - und er wusste zunächst nicht, was er damit anfangen sollte. "Ich habe mein komplettes Leben verschleudert, ich bin ein Versager", sagte er im Jahr 2005: "Ich will einfach nur davonlaufen." Das tat er zunächst, doch er fing sich recht schnell wieder. Er trat in Filmen wie Hangover auf, das selbstironische Standup-Comedy-Programm Undisputed Truth war sehr erfolgreich, das gleichnamige Buch ein Bestseller. Es gab noch Fehltritte, die mittlerweile jedoch unspektakulär waren für einen, der sich zum bösesten Menschen der Welt ausrief.

Der Mythos Mike Tyson nährte sich auch durch die Geschichten abseits des Rings: durch die Vorwürfe seiner ersten Ehefrau Robin Givens etwa, dass sie Angst vor ihm habe, oder durch die Verurteilung wegen Vergewaltigung 1992. Tyson wurde gezeichnet als einer, den man nur im Ring auf andere Menschen loslassen könne (selbst das wurde nach dem Biss in Evander Holyfields Ohr bezweifelt) und ansonsten zähmen müsse - was nach dem Karriereende stets zu Debatten führte, was passieren würde, wenn er gegen Nachfolger wie zum Beispiel Wladimir Klitschko oder Anthony Joshua antreten würde. Die beinahe einstimmige Meinung: Tyson in Bestform würde sie alle nicht nur besiegen, sondern zerstören.

Deshalb sorgt die Ankündigung von Tyson, für ein paar Showkämpfe in den Ring zurückkehren zu wollen, für Aufregung - selbst US-Präsident Donald Trump schrieb bei Twitter: "Schlag weiter, Mike!" Die Frage natürlich: Gegen wen soll Tyson kämpfen? Danny Williams, Tysons vorletzter Gegner im Jahr 2004, sagte der britischen Zeitung The Sun, dass er antreten würde: "Mein Name ist in der Verlosung, ich warte nur auf eine Antwort." Wohlgemerkt: Williams ist 46 Jahre alt, seit dem Sieg gegen Tyson durch K.o. in der vierten Runde hat er mehr Kämpfe verloren (25) als gewonnen (22).

Ein anderer möglicher Gegner: Evander Holyfield, vier Jahre älter als Tyson. Der veröffentlichte bei Twitter zwei Tage nach dem Tyson-Video ein Bild mit nur einem Wort: "Comeback". Am Mittwoch verkündete er, für seine Stiftung Unite4OurFight Spenden zu sammeln und deshalb für ein paar Showkämpfe in den Ring zurückkehren zu wollen. Zu sehen sind Schwarzweiß-Bilder vom Training, dann blickt Holyfield in die Kamera und sagt: "I'm back!" Mehr Infos gibt es derzeit nicht - aber genau das wollen sie ja beim Preisboxen: Die Leute anspitzen, damit am Ende möglichst viele von ihnen einschalten.

© SZ vom 09.05.2020/jki
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