Twitter-Satire über den HSV-Trainer:Wo sich Michael Oenning im Klo einschließt

Lesezeit: 4 min

Auf Twitter gibt sich ein Unbekannter als HSV-Trainer Michael Oenning aus und bringt mit seinen ironisch-satirischen Botschaften die Fußballfans zum Lachen. Der echte Oenning findet das weniger lustig und geht zusammen mit dem Klub offenbar juristisch gegen seinen Doppelgänger vor. Ob das klug ist?

Thomas Hummel und Johannes Kuhn

Michael Oenning ist derzeit eine bedauernswerte Figur. Der Trainer des Hamburger SV hat mit seiner verjüngten Mannschaft den schlechtesten Bundesliga-Start der Klubgeschichte hingelegt. Die von ihm betreuten Profis verlieren dabei nicht nur, sondern bieten dem erstaunten Publikum ein wahres Spektakel an Ungeschicklichkeiten. 1:3 in Dortmund, 0:5 gegen Bayern, 3:4 gegen Köln. Die Anhänger in Hamburg wanken zwischen Empörung und dem Amüsement, der eigenen Mannschaft beim Versagen zusehen zu dürfen.

Oenning, head coach of Hamburger SV, reacts during the German Bundesliga first division soccer match against Werder Bremen in Bremen.

Hat es derzeit nicht leicht: Hamburgs Trainer Michael Oenning.

(Foto: REUTERS)

Michael Oenning muss aufpassen, sich als Trainer einer hilflosen Truppe nicht lächerlich zu machen. Doch damit nicht genug. Jetzt kämpft er auch noch dagegen an, dass er auf der Internetplattform Twitter trefflich auf den Arm genommen wird. Ein Doppelgänger verfasst dort unter seinem Namen kleine Botschaften, die auf satirische Weise das ganze Dilemma Oennings illustrieren und durchaus auch den Charakter des 45-jährigen Trainers beschreiben.

Der Twitter-Doppelgänger geht dabei auf das Image des Trainers ein: "Fußball-Lehrer der neuen Generation mit einer ganzen Menge Konzept im Gepäck." Außerdem schreibt er unter dem Namen "Mad", eine Anspielung darauf, dass Michael Oenning 1997 in der ARD-Kuppel-Sendung "Herzblatt" auftrat und sich als "Mad aus Münster" vorstellte.

Außerdem macht er sich zunutze, dass Oenning in der Krise nicht den vitalsten Eindruck hinterlässt, sondern wirkt nachdenklich und bisweilen gar verzagt. Nach dem 0:5 gegen Bayern sagte der echte Oenning in München: "Wir wussten, dass es schwer wird. Aber dass wir so hilflos sind? Das war schon erschreckend."

Der Twitter-Oenning schrieb zur Halbzeit des Auswärtsspiels in Bremen: "Habe mich im Klo eingeschlossen. Dino Hermann (HSV-Maskottchen, Anm.d.Red.) hält die Halbzeitansprache. Kann die Fratzen nicht mehr ertragen." Und nachdem die Partie 0:2 geendet hatte: "Nur 2 Gegentore, meine Defensivtaktik fruchtet und wird verinnerlicht. Ende Februar sollte der erste Punktgewinn durchaus realistisch sein."

Dabei ist das Twitter-Double gut informiert. Er nutzt das sich stets wiederholende Fußballdeutsch, das positives Denken betonen will und sich zumeist anhört, als müsse man vor dem Eintritt in den Kickerbetrieb einen Kurs in motivierender Kommunikation durchlaufen. Zudem benutzt er Aussagen des echten Oennings und dreht sie ins Ironische. Während der Woche sagte der Trainer: "Wir bleiben ruhig und klar und gehen den Weg der kleinen Schritte." Der Twitter-Oenning antwortete: "Wir werden jetzt nicht in Panik geraten und mit einem Sieg gegen Gladbach rechnen, wir gehen den Weg der kleinen Schritte."

Material findet der falsche Oenning auch auf der HSV-Homepage. Vor dem Testspiel am Dienstag gegen den Landesligisten SC Concordia Hamburg hieß es dort: "Eine positive Ungemütlichkeit kommt auf. Anstelle einer üblichen Trainingswoche wird der Ernstfall gegen die hochmotivierten Spieler des SC Concordia geprobt. Erbarmungsloser Einsatz und absoluter Wille kann unter diesen Wettkampfbedingungen geprobt werden." Als der HSV das Duell 7:0 gewonnen hatte, schrieb Oennings Double: "Klares 7:0 bei Colonia Hamburg - wofür unsere bestechende Frühform noch gut sein wird, muss man jetzt in Ruhe analysieren und bewerten."

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