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TV-Rechte der Bundesliga:Und jetzt der Verteilungskampf

1. FC Heidenheim - Hamburger SV Deutschland, Heidenheim, 21.06.2020, Fussball, 2. Bundesliga, Saison 2019/2020, 1. FC He

Miteinander verbunden: Die Zukunft von Heidenheims Tim Kerschbaumer und des DFL-Kameramanns hängt auch davon ab, wie die TV-Gelder verteilt werden.

(Foto: imago images/Sportfoto Rudel)

Erstmals seit zwölf Jahren gibt es einen Rückgang bei den TV-Geldern. Das übergeordnete Thema wird jetzt sein, ob die Schere innerhalb der Liga weiter auseinandergeht.

Kommentar von Johannes Aumüller

Die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) war nicht unzufrieden, als sie am Montag die Ergebnisse der neuesten TV-Rechtevergabe verkündete. Im Schnitt 1,1 Milliarden Euro bekommen die Erst- und Zweitligisten zwischen 2021/22 und 2024/25 jährlich aus der nationalen Vermarktung ihrer Spiele. Das ist weniger als bisher, aber die Rahmenbedingungen waren nicht einfach. Zugleich war dies nur die Ouvertüre für eine Diskussion, die den 36 Profiklubs nun bevorsteht. Denn das Ergebnis zeigt, dass sich der Fußball finanziell neu aufstellen muss - und dabei ist eine Kernfrage, nach welchem Schlüssel die TV-Gelder künftig verteilt werden sollen.

Der Verteilungskampf ist ein Dauerzustand, weil die Medienrechte die zentrale Einnahmequelle für die Profiklubs sind (im Schnitt 35 Prozent des Budgets). Aber nun sind die Vorzeichen besonders. Erstmals seit zwölf Jahren gibt es einen Rückgang bei den TV-Geldern; zwischen den Saisons 2020/21 und 2021/22 um zirka 200 Millionen Euro. Zudem ist schwer zu prognostizieren, welche Folgen Corona noch in den anderen Einnahme-Segmenten (Zuschauer, Sponsoring, Transfers) haben wird. Zwar gilt offiziell immer das große Wort von der "Solidarität", aber das kommt in dem Kontext stets so passend daher wie ein Trainer, der 2020 noch Manndecker aufstellt. Jeder Klub wird jetzt Einzelkämpfer, entsprechend hart der Kampf um die TV-Gelder sein.

Das übergeordnete Thema ist dabei, ob die Schere innerhalb der Liga weiter auseinandergehen wird. Zuletzt profitierten die Spitzenklubs um den FC Bayern überdurchschnittlich von der Entwicklung. Früher galt bei der Verteilung der nationalen Einnahmen die sog. 2:1-Spreizung - der beste Bundesliga-Klub erhielt doppelt so viel wie der schlechteste. So gab es etwa 2014/15 für den FC Bayern als Meister 37,2 Millionen Euro, für den SC Paderborn 18,6 Millionen.

Inzwischen ist die Differenz viel höher, weil die Einnahmen insgesamt stiegen und ein anderer Verteilungsschlüssel gilt. Für die nun zu Ende gehende Saison konnte der mal wieder Meister gewordene FC Bayern mit 67,9 Millionen Euro planen und der mal wieder auf- und abgestiegene SC Paderborn nur mit 26,1 Millionen. Und das ist nur der Unterschied bei den nationalen TV-Geldern. Noch krasser ist das Gefälle bei der Vermarktung der Liga im Ausland, die immer wichtiger wird und pro Saison schon mehr als 250 Millionen Euro bringt. Da gibt es für Vereine à la Paderborn nur einen Sockel von zirka 3,5 Millionen Euro, während vier Topklubs fast die Hälfte abgreifen. Allein der FC Bayern kann in dem Bereich 45 Millionen Euro einkalkulieren.

Aber dieser Blick nach ganz oben ist in der Debatte nicht die einzige Bruchstelle, es geht auch um andere markante Probleme. So dürften etwa die Vertreter von sogenannten Traditionsvereinen aus dem Mittelbau der Liga versuchen, wieder Parameter wie die Anzahl der Fans ins Spiel zu bringen, um gegenüber modernen Retortenprodukten besser dazustehen. Andere stört auch der Übergang von erster zu zweiter Liga. Ein ambitionierter Zweitligist wird sich vielleicht weniger über Zusatzmillionen des FC Bayern ärgern als über einen Budgetnachteil gegenüber einem frischen Bundesliga-Absteiger.

Die Debatte wird nun also beginnen, formal entscheiden wird die Frage das neunköpfige Präsidium. Dem gehören neben zwei DFL-Vertretern auch Funktionäre von sieben Vereinen an: FC Bayern, Schalke 04, Freiburg, Köln, Darmstadt, Kiel und St. Pauli. Und das ist eine Konstellation, die durchaus dazu führen kann, dass die Verteilung künftig etwas anders aussieht als bisher.

© SZ vom 23.06.2020/ska
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