TV-Experten zum Champions-League-Finale Kahn und Matthäus fehlt die Empathie

Lothar Matthäus und Oliver Kahn

(Foto: dpa; Getty Images)

Die Aussagen der Ex-Profis im Fernsehen über den Liverpooler Torhüter Loris Karius sind polemisch und haben mit Fußballfachwissen nichts zu tun.

Kommentar von Ralf Wiegand

Vor einer Fußball-WM ist der Transfermarkt für TV-Experten wie immer leergefegt. Die ARD hat sich die Dienste von Philipp Lahm, Thomas Hitzelsperger und Stefan Kuntz gesichert, alle mehr oder weniger eng mit dem Deutschen Fußball-Bund verbandelt. Das ZDF hat in Christoph Kramer sogar einen Spieler direkt aus der Kabine verpflichtet; den hätte auch Bundestrainer Jogi Löw noch nominieren können - für den Rasen.

An den Experten scheiden sich die Geister. Ist es nur Namedropping? Sollten die Sportredaktionen nicht über genug eigene Expertise verfügen? Oder soll der prominente "Fachmann" bloß zitierbaren Wirbel machen? Das hätten Oliver Kahn (ZDF) und Lothar Matthäus (Sky) dann geschafft. Sie erklärten den Liverpooler Torwart Loris Karius, der mit zwei krassen Fehlern an der Niederlage im Champions-League-Finale gegen Madrid beteiligt war, zur Pfeife des Jahrhunderts, Matthäus sprach von "der schlechtesten Torhüter-Leistung in den letzten 20, 30 Jahren".

Für solche Polemik braucht man keine Experten, die gibt's am Stammtisch. Empathie, die aus eigener Erfahrung mit schweren Niederlagen im Sport gereift ist, hätten sie dagegen exklusiv gehabt. Oliver Kahn saß selbst weinend nach einem großen Finale am Torpfosten: Bei der Weltmeisterschaft 2002 ließ er einen Rivaldo-Schuss fallen, Ronaldo staubte für Brasilien ab, Deutschland wurde nicht Weltmeister.

Lothar Matthäus verschoss im DFB-Pokalfinale 1984 für Mönchengladbach einen Elfmeter gegen den FC Bayern - kurz danach wechselte er nach München. Matthäus fiel auch schon in der Causa Mertesacker nicht unbedingt durch Mitgefühl auf. Als der Weltmeister vom teilweise unmenschlichen Druck im Profi-Geschäft sprach, konnte Matthäus das nicht nachvollziehen. Sein Kommentar damals: "Der hätte ja aufhören können, wenn der Druck zu groß gewesen wäre."

Hoffentlich geht das WM-Expertenteam noch mal ins Trainingslager, zum Videostudium. Material wäre ja vorhanden - dafür, wie man es nicht macht.

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