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TV-Auftritt von Lance Armstrong:Aus dem Sumpf ins Kammertheater

Kritisch blickt Amerika Lance Armstrongs Geständnis-Auftritt im Fernsehen entgegen: Seine Gegner fürchten, der Texaner könnte mit Emotionen beim Publikum punkten. Erwartet wird in jedem Fall eine professionell organisierte Show. Glaubwürdige Reue ist dem vielfachen Dopingsünder nicht zuzutrauen - er will die Bühne für sich nutzen.

Die Spannung steigt in den USA vor dem global beachteten Kammertheater des "Anti-Sportlers 2012" (Sports Illustrated) und der beliebtesten Show-Dame des Landes, Oprah Winfrey. Nichts als den nächsten großen Bluff erwartet Lance Armstrongs eingeweihte Kritikerschar. Schon aus juristischer Sicht verbietet sich ja ein Sinneswandel bei dem Texaner, der das Peloton über eine Dekade brutal beherrschte, Karrieren beendete und Widersacher bedrängte, und der die Aberkennung seiner Tour-Titel weltweit mit gestrecktem Mittelfinger kommentierte: Er twitterte ein Bild von sich und den sieben gelben Trikots.

Dass er die Hemdchen jetzt schreddert und über das Haupt streut, wäre eine abwegige Erwartung an den Durchtriebensten der jüngeren Dopinghistorie. Stattdessen befürchten seine Kritiker eine professionell orchestrierte Gefühlsoffensive auf dem Showmarkt. Sie nutzen die Zeit bis nächsten Donnerstag, um für die Talkmasterin mit eigenem Kabelkanal (OWN) noch ein paar Hürden hochzuziehen.

Dabei hat Travis Tygart, Chef der brillanten Anti-Doping-Agentur Usada, neue Vorwürfe erhoben, die im Sport für Aufruhr sorgen. Dem Interviewformat 60 Minutes im Sender CBS sagte Tygart nicht nur, dass ein Vertreter Armstrongs auch seiner Usada schon 2004 eine Spende über 250.000 Dollar offeriert habe. Die Usada habe abgelehnt, anders als der Radweltverband UCI, der mindestens zwei Spenden über insgesamt 125.000 Dollar einstrich von einer Figur, die chronisch Doping-verdächtig und just von der UCI zu überwachen war.

Geld als Lockstoff für Verband und Agentur? Tygart erweitert den Sumpf jetzt noch: Der Cheffahnder beschuldigt Martial Saugy, den Leiter des Doping-Labors in Lausanne, der Beihilfe für Armstrong. Saugy habe ihm 2010 verraten, es gebe eine Probe, "die darauf hinweist, dass Armstrong Epo verwendete". Die Probe sei von der Tour de Suisse 2001. Saugy sei damals von der UCI angewiesen worden, Armstrong und dessen US-Postal-Manager Bruyneel das Nachweisverfahren für Epo zu offenbaren. Der Termin fand statt, Saugy erklärte ihn später so, es spräche nichts gegen den offenen Umgang mit der Analytik. Armstrongs Anwälte bestreiten, dass es ein Spendenangebot an die Usada gab.

Aber Tygart legte bei CBS nach. Befragt, ob Armstrong "selbst an der Einschüchterung anderer Fahrer beteiligt" gewesen sei, sagte er: "Das war er. All die Zeugen hatten Angst davor, welche Auswirkung die schlichte Wahrheit auf sie haben würde."

Nachfrage: Was hätte er ihnen tun können? Antwort Tygart: "Sie verbrennen."

Betrug bei der Tour de France 1999 bis 2005

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