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Turn-WM in Stuttgart:Auf den WM-Titel folgten schwierige Jahre für Pauline Schäfer

Zwölf Jahre später hatte zunächst Schäfer diese bittere Rolle. Nach Scheders Verletzung ist sie nun doch dabei, sie sagt: "Ich freue mich riesig, die Situation ist total verrückt." Schäfer soll nur an ihrem Paradegerät Schwebebalken antreten; am Barren springt die junge Sarah Voss aus Köln ein.

Kaum eine Turnerin verdeutlicht das Auf-und-Ab-und-Auf dieses Sports wie die Chemnitzerin Schäfer. Bis 2017 war sie rasant aufgestiegen, Weltmeisterin wurde sie dann im November, und hatte danach doch wieder schwierige Jahre vor sich - mit neuen Trainern und einer Fußverletzung. Zwar ist sie nun fit, hat aber weniger schwierige Übungen, was am Trainingsrückstand, aber auch an langen Arbeitstagen liegen mag: Sie lernt abends fürs Abitur. Nun ist sie plötzlich wieder mittendrin, bei der WM im eigenen Land.

Über das große Schattenthema des Turnens können sämtliche Altersgruppen im Team einander berichten und Tipps geben, die Alten den Jungen und umgekehrt: Aus der Topform gerissen worden ist schon jeder, durch Bänderverletzungen, Schulterschmerzen, Hüftschäden, Ödeme, sogar Petz hat solche Phasen hinter sich. Wie man zum Beispiel nach einer Fuß-OP zurückfindet, wieder über die Matte springen und sich überschlagen kann, davon konnte Elisabeth Seitz vor der WM noch der Kollegin Scheder berichten. Seitz hat nach Jahren mit Fußschmerzen nun wieder große Lust darauf, sich zu plagen. Scheder konzentrierte sich nach einer längeren Phase mit Fuß-Ödem zunächst auch nur auf Balken und Barren, und nun hat sie über den Winter erst mal Zeit, alle anderen Geräte systematisch aufzubauen.

Die Mischung aus Erfahrung und Neugierde könnte aufgehen. Beim Podiumstraining drei Tage vor dem WM-Start, als die Turnerinnen die Härte der Holme getestet haben, das vielleicht blendende Licht in der Halle oder die Schwingung der großen Bodenmatte - bei dieser kleinen Generalprobe haben sich die Frauen und Mädchen von Kochs Turngruppe gut geschlagen. Und die beiden Sprünge mit Doppelschraube, die längst erforderlich sind, um international mitzuhalten, wurden auch problemlos gestanden. Licht, Holme und Matten fühlten sich gut an.

© SZ vom 04.10.2019/jki/cat
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