Turnerin Pauline Schäfer:Vier Weltmeisterinnen auf dem Podium

Im Milieu der zierlichen und in ihrem Anzug und mit Schminke glitzernden Turnerinnen kursiert der Begriff "Wettkampfsau". Das soll entsprechend krass ausdrücken, worum es geht: Hart im Nehmen sein, keine Angst vor den Anderen haben und: Lust auf Rampenlicht. Ein Vorbild als Wettkampfsau ist im deutschen Team auch seit jeher die ehemalige Mannheimerin und heutige Stuttgarterin Elisabeth Seitz. Sie hat das am Freitag im Mehrkampffinale gezeigt: In der Qualifikation war sie am Bodenbelag hängengeblieben, hatte sich den kleinen Zeh ausgekugelt, ließ diesen tapen, und wurde dann Zehnte.

Scheder, die mit viel Feingefühl und Eleganz turnen kann, hatte ihr Trauma aus der Qualifikation mit zwei Balkenstürzen und einem Blackout am Boden zwar überwunden, aber im Barrenfinale am Samstag doch noch zu viel Respekt vor dem Gegner: "Sophie hat einen Riesendruck verspürt und die Konkurrenz als fast zu stark empfunden. Vielleicht konnte sie deshalb nicht richtig angreifen", sagte Koch. Zeitlich gesehen machte Scheder fast alles richtig: Sie turnte ihren Vortrag samt freiem Hindorff sauber durch, doch dann öffnete sie ihre Beinhaltung beim Abgang zu früh, geriet in Vorlage und musste ihre Übung durch drei Schritte nach vorne ergänzen.

Womöglich wäre es Schäfer ähnlich ergangen in einem Finale, in dem das Kampfgericht bis zu zehn Minuten brauchte, um eine Note zustande zu bringen. Das Warten wurde für die nächste Turnerin auf der Matte jeweils zur zusätzlichen Schwierigkeit. Schäfer aber hatte ihren teuren Salto zur Sicherheit ohnehin gestrichen, es war ein taktischer Poker, der auch schiefgehen hätte können, doch sie lag richtig: Simone Biles (USA) gewann wie erwartet souverän, die Niederländerin Sanne Wevers (Silber) und Schäfer blieben sicher, der Rest ruderte, wackelte oder fiel.

Keine Probleme mit ihren Nerven hatten am Samstag die meisten von Sophie Scheders Konkurrentinnen gezeigt. Ihr Finale endete mit einem Rekord - mit vier Weltmeisterinnen auf einmal, sämtlich mit der Note 15,336. Auf dem Podium wurde es eng, Schäfer hatte einen Tag später genügend Platz.

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