Türkgücü München:Viel Frust

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Türkgücü München: Ende im Dreisamstadion: Freiburgs U23 feiert, Trürkgücü trauert.

Ende im Dreisamstadion: Freiburgs U23 feiert, Trürkgücü trauert.

(Foto: G. Hubbs/Beautiful Sports/imago)

Die sportliche Misere bei Türkgücü hält an, die finanzielle Lage spitzt sich zu. Der drohende Punktabzug könnte gravierende Folgen haben.

Von Christoph Leischwitz

Im Moment hat Türkgücü München 21 Punkte gesammelt, eigentlich sollten am Dienstagabend weitere folgen - wie bei einem Eichhörnchen, das Nüsse sammelt, so hatte es der neue Trainer Andreas Heraf im Vorfeld formuliert. Daraus wurde nichts, und damit ist die Frage offen, ob die magere Ausbeute reicht, um überhaupt den Winter zu überstehen. Am Mittwoch räumte der Drittligist auf Nachfrage ein, dass zum Stichtag am vergangenen Donnerstag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) "nicht alle erforderlichen Nachweise zur Nachlizenzierung" eingereicht werden konnten. Als Konsequenz scheint ein Punktabzug fast unausweichlich zu sein.

Aus Sicht Türkgücüs hat das fehlende Geld - kolportiert wird ein Betrag von rund zwei Millionen Euro - sehr viel mit der Corona-Krise zu tun. Ausbleibende Zuschauereinnahmen, egal, in welchem Umfang diese Berechnung realistisch ist, gab es zweifellos. Zugleich haben die jüngsten Corona-Fälle dazu beigetragen, dass Türkgücü gleich von zwei Spielabsagen betroffen war, also auch keine weiteren Punkte sammeln konnte. Es ist durchaus möglich, dass Präsident und Investor Hasan Kivran sich bei einer Siegesserie leichter getan hätte, die Finanzlücke zu schließen.

Die Spieler bezahlen ein Hotelzimmer aus der Mannschaftskasse

Der Frust in Freiburg nach dem 2:4 am Dienstagabend saß dementsprechend tief. Nach Meinung von Trainer Heraf sei man bei der U23-Vertretung des SC zwar "vielleicht nicht die bessere Mannschaft" gewesen, verloren habe man aber aufgrund "ganz, ganz schwerwiegender Fehlentscheidungen". So hatte Freiburg das 1:0 erzielt, nachdem Torschütze Noah Weißhaupt den Ball zuvor mit der Hand gespielt hatte; nach 2:1-Führung für Türkgücü folgte ein umstrittener Elfmeter für die Gastgeber zum 2:2. Der Schiedsrichter habe ihm gesagt, so Heraf, dass er ein Foul an Freiburgs Vincent Vermeij gesehen habe. Im Fernsehen war aber zu sehen gewesen, wie der Unparteiische sich bei der Entscheidung gegen die Hand klopfte, also Handelfmeter signalisierte. "Ich habe ihn gerade noch einmal besucht", sagte Heraf bei der Pressekonferenz, "er hat versucht, sich rauszureden." Dass Vermeij gesagt habe, er sei nicht gefoult worden, "davon können wir uns jetzt auch nichts kaufen", befand der Trainer. Womit er wohl in jedem Sinne Recht hat.

Dass Türkgücü nun ein veritabler Abstiegskandidat ist, erhöht nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit überhaupt nicht mehr erbracht wird. Zum einen vergrößert sich mit einem Punktabzug das Risiko, dass sich eine millionenschwere Investition zur erforderlichen Kapitalaufstockung gar nicht mehr lohnt. Gleichzeitig dürfte er auch eventuelle Interessenten, die Kivran seine Anteile am Verein abkaufen könnten, noch weiter abschrecken.

Umgekehrt fährt Türkgücü seit Kurzem auch schon einen radikalen Sparkurs. Gerüchte von vorgelegten Vertragsauflösungen halten sich hartnäckig, auch wenn das angesichts der schwierigen Lage niemand öffentlich bestätigen will. Es wird auch an kleinen Dingen gespart. So sollte Türkgücü nach SZ-Informationen mit einem kleineren Kader nach Freiburg reisen, um die Hotelkosten zu drücken. Damit niemand zu Hause bleiben musste, bezahlten die Spieler ein zusätzliches Zimmer aus der Mannschaftskasse. Insofern kann man sagen: Die Mannschaft ist noch intakt. Und sie wird sich, bei aller Verunsicherung, die nach neun sieglosen Partien herrscht, auch am Samstag nicht nachsagen lassen wollen, nicht alles für den Ligaverbleib getan zu haben. Beim Spiel gegen den Tabellenletzten TSV Havelse sind dann erstmals wieder Zuschauer zugelassen.

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