Der FV Illertissen wird nie von problematischen Fans begleitet, genauer gesagt von gar keinen. Also steht der Partie am Samstag bei Türkgücü München nichts im Wege. Denn das Dantestadion steht für die Heimmannschaft zur Verfügung, wenn es sich um kein sogenanntes Sicherheits- oder Risikospiel handelt – wenn also davon auszugehen ist, dass keine Fangruppen voneinander getrennt werden müssen. Die Partie von Türkgücü gegen den FC Schweinfurt war deshalb abgesagt worden. Und nach SZ-Informationen steht schon die nächste Absage im Raum: Im Moment fehlt der abstiegsbedrohten Mannschaft auch noch ein Stadion für das erste April-Wochenende, wenn die SpVgg Bayreuth zu Gast ist. Somit stellt sich auch die Frage, ob unabhängig vom sportlichen Ligaverbleib ein Verweilen in der Regionalliga für Türkgücü noch Sinn ergibt, denn die uneingeschränkte Stadionverfügbarkeit, die vor jeder Spielzeit schriftlich garantiert werden muss, scheint nicht mehr gegeben.
Theoretisch verfügt Türkgücü über ein Ausweichstadion für Sicherheitsspiele: die Anlage des SV Heimstetten in Kirchheim. Dort würden aber Mietkosten im fünfstelligen Bereich anfallen, die dann auch noch, so wurde es einst vertraglich vereinbart, mit jedem zusätzlichen Spiel weiter steigen würden, und dem Vernehmen nach das Budget des Vereins sprengen. Das Grünwalder Stadion wäre deutlich günstiger, doch es ist wieder einmal belegt. Am Samstag, den 5. April, empfängt dort 1860 München Energie Cottbus, der Aufbau für das Spiel des Drittligisten, der fast immer in einem ausverkauften Stadion spielt, beginnt schon am Freitag.
Nach SZ-Informationen könnte das Stadion auf Giesings Höhen zwar am Sonntag zur Verfügung stehen, hierzu müsste Türkgücü lediglich den Frauen-Regionalligisten FFC Wacker München überzeugen, seine Stadion-Buchung für den 6. April zu stornieren. Allerdings ist aus dem Umfeld der SpVgg Bayreuth zu hören, dass der Sonntag von Seiten Türkgücüs viel zu spät angefragt wurde. Die Oberfranken bestreiten am darauffolgenden Freitag auch schon das nächste Ligaspiel, die Trainingswoche wäre erheblich verkürzt. Eine Verpflichtung, einer Verlegung auf Sonntag zuzustimmen, besteht nicht. Kurzum: Gut möglich, dass Türkgücü schon wieder nicht um drei wichtige Punkte im Abstiegskampf spielen kann.
Obendrein kostet ein Nichtantritt zwar keine Miete, kann aber trotzdem teuer werden. Nach SZ-Informationen fordert der Bayerische Fußball-Verband (BFV) in einem Strafantrag an das Sportgericht für das abgesagte Schweinfurt-Spiel eine Strafe von 3000 Euro. Dazu sei auch „zwingend eine Spielwertung“ vorzunehmen, also die Partie mit 2:0 für Schweinfurt zu werten. Ulrich Bergmann, seit diesem Jahr Mitarbeiter in der Türkgücü-Geschäftsstelle, bestätigt, dass der Verein hierzu eine Stellungnahme abgegeben hat. Gegen das für nächste Woche erwartete Urteil darf deshalb auch ein Einspruch erwartet werden.
Türkgücü möchte erreichen, dass die Partie noch ausgetragen wird. Zur Argumentation dient hierfür auch die Verschiebung des Drittliga-Spiels der SpVgg Unterhaching gegen Hansa Rostock. Bekanntlich wurde es vom DFB verschoben, weil damals ein vollständiges Sicherheitskonzept für ein Risikospiel fehlte. Die Frage bleibt freilich, wann und wo Türkgücü solch ein Spiel gerne austragen würde. Für die Partie gegen Wacker Burghausen, angesetzt für das Osterwochenende, hat der Klub jetzt beim SV Seligenporten angefragt.

