Es gibt so viele Vielleicht-Szenarien, dass tatsächlich immer noch nicht hundertprozentig klar ist, ob Türkgücü München aus der Fußball-Regionalliga Bayern absteigen wird. Dabei hat der Letzte in der momentanen Tabelle bei nur noch einem ausstehenden Spiel sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Die Sache wird sich nicht mehr allein auf dem Rasen entscheiden, doch der Ligaverbleib war am Freitagabend zumindest dermaßen unwahrscheinlich, dass gleich nach dem 0:5 gegen den FC Bayern München II vieles herausbrach aus dem Trainer Alper Kayabunar, der so viel mit diesem Verein erlebt hat, allein im Grünwalder Stadion, von dem er gerade Abschied zu nehmen schien.
Kayabunar sagte den Satz, den man in den vergangenen Monaten, eigentlich schon seit Jahren, hundertfach auf den Tribünen dieser Liga gehört hat. Diesmal aber kam er aus dem Mund des Türkgücü-Trainers: „Es macht unter den herrschenden Umständen keinen Sinn in der Regionalliga.“ Zweimal war der Klub bisher nicht angetreten, letztlich, weil die Spielstätte fehlte. Das war aus sportlicher Sicht überaus enttäuschend für Kayabunar, mit sechs Punkten mehr würde alles ganz anders aussehen. Sportlich ist der Abstieg nicht mehr zu verhindern, weil der Tabellen-16. SpVgg Hankofen-Hailing am Samstag siegte und sieben Punkte Vorsprung hat.
Das würde bei nur noch einem ausstehenden Spiel sogar dann für Hankofen reichen, wenn Türkgücü am kommenden Donnerstag am grünen Tisch drei Punkte zugesprochen bekommt. In diesem seit Oktober schwelenden Fall rund um den mehrfachen U23-Regel-Verstoß von Schwaben Augsburg hatte auch der Vorletzte Eintracht Bamberg Einspruch eingelegt. Deshalb ist auch Bamberg nicht mehr einzuholen, weil Türkgücü davon ausgehen muss, dass die Oberfranken bei günstigem Urteil ja ebenfalls drei Punkte erhalten – und in der Spielordnung heißt es: „Die Mannschaft, die in der laufenden Saison zu einem Spiel nicht angetreten ist und eine entsprechende Sportgerichtswertung (0:2 verloren) erhalten hat, ist im direkten Vergleich mit den punktgleichen Mannschaften unterlegen.“
Türkgücüs allerletzte Hoffnung: Der vorletzte Platz könnte für die Relegation reichen, wenn Fürth aus der zweiten Liga absteigt
Allerdings könnte Türkgücü, sollten die Augsburger tatsächlich 12 Punkte verlieren, zumindest die Schwaben noch überholen und Vorletzter werden. Und der vorletzte Platz könnte für die Relegation reichen. Denn die SpVgg Greuther Fürth II könnte noch ans Tabellenende gesetzt werden, falls deren Profimannschaft aus der zweiten Bundesliga absteigt. Zugleich ist es aber auch möglich, dass Türkgücü wegen des fehlenden Nachweises eines Stadions für die kommende Saison die Lizenz gar nicht erhält.
Und es wird noch kurioser: Womöglich entscheidet Türkgücüs Heimatlosigkeit jetzt auch noch die Frage, wer 15. wird und damit in die Relegation muss. Aktuell steht der TSV Aubstadt auf Rang 14 und Viktoria Aschaffenburg punktgleich auf Rang 15. Es ist gut möglich, dass Türkgücü zum letzten Spiel – gegen Aschaffenburg – nicht mehr antritt, wenn sie nach dem Schwaben-Urteil als Absteiger feststehen, weil die Stadionmiete auf der Anlage des SV Heimstetten 17 000 Euro beträgt. Dann würde die Partie 2:0 für Aschaffenburg gewertet – und Aubstadt müsste siegen, um den 14. Platz zu halten. Gleichzeitig hätte die Viktoria aber auch keine Möglichkeit mehr, das schlechtere Torverhältnis aufzuholen. Dann hätte Türkgücü die Liga zum Abschied noch ein letztes Mal ins Chaos gestürzt.
Man kann allerdings nicht behaupten, dass die Wirrungen in dieser Spielklasse nur auf die Mitwirkung Türkgücüs zurückgehen. Nach SZ-Informationen gibt es noch einen weiteren Einspruch: Demnach soll die DJK Vilzing im Spiel gegen Bamberg (2:1) am 3. Mai auch gegen jene U23-Regel verstoßen haben, um die es im Schiedsgerichtsspruch am Donnerstag geht. Damit wäre es möglich, dass die Bamberger Hankofen trotz vier Punkten Differenz noch einholen.

