Türkgücü München:Neue Saiten

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Fussball, Herren, Saison 2021/2022, 3. Liga (18. Spieltag), FC Viktoria 1889 Berlin - Türkgücü München, v. l. Jakob Lew

Paarlauf im Mittelfeld: Berlins Jakob Lewald (vorne links), der später Gelb-Rot sieht, im Zweikampf mit Türkgücüs Spielmacher Sercan Sararer.

(Foto: Sebastian Räppold/imago)

Türkgücüs Interimscoach Alper Kayabunar verschafft sich Respekt, sein Team punktet auch bei Viktoria Berlin. Bei der Suche nach einem Hyballa-Nachfolger setzt die Klubführung neue Maßstäbe an.

Von Stefan Galler, Berlin/München

Es schadet in der Regel nicht, wenn ein Trainer gleich zu Amtsantritt klar macht, dass er das Sagen hat und auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückschreckt. Erst recht, wenn der Neue eigentlich ein alter Bekannter, für viele der Spieler sogar ein langjähriger Vertrauter ist. Und so hat Alper Kayabunar, 36, in seinem zweiten Match als Interimscoach des Fußball-Drittligisten Türkgücü München bei Viktoria Berlin genau das getan: Er hat sich Respekt verschafft.

Das erste Opfer der Autoritätsoffensive des Coaches war der bisherige Stammtorwart René Vollath, der seit seiner Verpflichtung 2020 jede Minute in der Liga im Türkgücü-Tor gestanden hatte und sich nach seinem Fehler beim Spiel in Zwickau (2:2) unter der Woche plötzlich auf der Bank wiederfand. Das sei "keine Entscheidung gegen René, sondern eine für Franco", sagte Kayabunar am Samstag vor dem Spiel bei Magentasport. Und der angesprochene Stellvertreter Franco Flückiger, der nun im zarten Fußballeralter von 30 Jahren zu seinem Profidebüt kam, war nach dem 0:0 zumindest leicht euphorisiert: "Ich habe mich gefreut, dass ich spielen durfte, es war immer mein Ziel, einen Profieinsatz zu haben. Aber wir bereiten uns immer so akribisch vor, dass jeder von uns beiden zum Einsatz kommen könnte."

Neben Vollath bekommen auch Vrenezi und Römling zu spüren, dass der Coach unpopuläre Entscheidungen trifft

Nicht nur Vollath bekam zu spüren, dass Kayabunar offenbar neue Saiten aufzieht, auch Albion Vrenezi, eigentlich Stammkraft, verbrachte die erste Stunde in Berlin auf der Bank. Und Linksverteidiger Moritz Römling, der zu Beginn große Probleme hatte, wurde schon nach einer halben Stunde vom Feld beordert. "Ich hatte das Gefühl, dass er nicht so gut im Spiel war. Wir wollten ihn schützen", sagte der Coach in der Pressekonferenz nach dem Spiel, das eine eigenartige Dramaturgie hatte: Einer furiosen Anfangsphase mit vier Viktoria-Chancen und einer für Türkgücüs Sercan Sararer in den ersten zehn Minuten folgten ein lange andauernder Nichtangriffspakt und schließlich eine Drangphase der Gäste aus München, nachdem Berlins Jakob Lewald Gelb-Rot gesehen hatte (76.).

Doch ins Tor traf letztendlich keiner, weshalb Kayabunar nach zwei Spielen ungeschlagen, aber auch sieglos bleibt. Seinen Posten als Chefcoach muss er definitiv wieder räumen, weil ihm die nötige Fußballlehrer-Lizenz fehlt. Bei der Suche nach einem Nachfolger wolle man laut Geschäftsführer Max Kothny diesmal mehr darauf achten, dass der neue Trainer und seine Spielphilosophie zum vorhandenen Spielerkader passen. Das sei beim bereits nach sieben Ligapartien gefeuerten Peter Hyballa nicht der Fall gewesen. "Das lasse ich mir ankreiden", sagte Kothny bei Magentasport. "Wir hatten erwartet, dass sein System an die Mannschaft angepasst wird. Aber Trainer und Mannschaft sind sich nicht einig geworden, deshalb mussten wir uns trennen."

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