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EM-Qualifikation:Der französische Außenminister war zu Hause geblieben

Vor einigen Tagen, nach dem Siegtor in eben jenem Spiel gegen Albanien, konnte man mit viel Wohlwollen noch von einer einigermaßen spontanen Aktion reden, so streitbar und deplatziert sie auch war. Da zeigten sich türkische Nationalspieler im Moment patriotischer Ergriffenheit solidarisch mit türkischen Soldaten, die in Nordsyrien gegen die Kurden kämpfen. Diesmal war gar nichts mehr spontan, und wer noch immer daran zweifelte, wie angeblich zufällig sich alles vermischt, Nationalstolz und Kriegspropaganda, brauchte nur noch mal ein paar Minuten warten: Nach dem Schlusspfiff führten die Spieler ihre militärische Show noch einmal auf, ausgeruht, manche schon in ihre Trainingsjacken gehüllt. Der Salut ist jetzt Trotz und Provokation.

Vielleicht blieb Jean-Yves Le Drian auch deshalb zu Hause. Eigentlich war vorgesehen gewesen, dass der französische Außenminister auf der Ehrentribüne Platz nehmen würde. In letzter Minute sagte er ab: "für unsere kurdischen Alliierten". Aus der Regierung war nur Roxana Maracineanu, die Sportministerin, im Stade de France. Und die dankte nach dem Spiel dem französischen Verband und den Sicherheitskräften, dass die für einen gesitteten Verlauf der Begegnung gesorgt hätten, und fügte dann an: "Mit ihrem militärischen Gruß haben die türkischen Spieler aber alle Mühen zerstört, die Geste widerspricht dem Sportsgeist." Maracineanu forderte die Uefa auf, eine "exemplarische Strafe" auszusprechen.

Der Verband will zunächst die Spielberichte analysieren, bevor über etwaige Maßnahmen entschieden wird. Der türkische Nationaltrainer Senol Günes sagte, die Mannschaft habe nur "unsere Soldaten unterstützen" wollen. "Bei diesem militärischen Gruß geht es nicht darum, eine negative Haltung zu demonstrieren."

Es gibt inzwischen eine internationale Kampagne mit dem Ziel, den Austragungsort für das Finale in der laufenden Champions League zu verlegen: Vorgesehen ist dafür das Atatürk-Stadion in Istanbul, am 30. Mai 2020. In Frankreich hatte es schon vor dem Länderspiel gegen die Türkei Intellektuelle und Politiker gegeben, die zu einem Boykott der Begegnung aufriefen, sie verlangten gar, dass es ganz abgesagt würde. In den sozialen Netzwerken lief die Petition unter #AnnulationFranceTurquie. Die Verantwortlichen aber fanden, eine Absage würde die politisch gespannte Lage zwischen beiden Ländern nur noch weiter verschärfen. Am Ende sei es doch nur Fußball, man vertraue auf den gesunden Menschenverstand.

Nun, der Menschenverstand war auch bemerkenswert stabil, bei fast allen auf den Rängen. Wenigstens, solange es 0:0 stand.

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