Türkei bei der EM:Der heimliche Gastgeber bereitet sich vor

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Gefüllte Ränge am Mittwoch vor dem EM-Start: Die Mannschaft der Türkei beim öffentlichen Training. (Foto: Moritz Frankenberg/dpa)

Beim öffentlichen Training der Türken kurz vor dem EM-Start ist die Tribüne im niedersächsischen Barsinghausen voll – nicht zuletzt auch dank deutscher Fans. Im Team stehen einige bekannte Namen.

Von Thomas Hürner, Barsinghausen

Der gar nicht mal so heimliche Gastgeber dürfte keine Probleme haben, sich in den nächsten Wochen wie zu Hause zu fühlen. Denn an wohlwollendem Zuspruch und Hochgefühlen mangelt es dieser Tage nicht in Barsinghausen, einem knapp 30 000-Einwohner-Örtchen bei Hannover, in dem sich die türkische Nationalmannschaft während der EM einquartiert hat. Vor dem Rathaus wurde bereits die Flagge mit dem weißen Halbmond auf roten Grund gehisst, und auch im örtlichen August-Wenzel-Stadion wurde am Mittwoch eifrig damit gewedelt. 

Fürs erste öffentliche Training der Türken am Mittwoch vor dem EM-Start wurden dutzende Schulklassen herbei gekarrt, das etwas schrille Gekreische dürfte so gewollt gewesen sein bei der vom niedersächsischen Fußballverband organisierten Veranstaltung: Es macht ja einen zweifellos charmanten Eindruck, wenn türkische Volksmusik aus den Boxen dröhnt und den Fußballstars vorn auf dem Rasen mit kindlicher Freude zugejubelt wird, ganz gleich, ob die Jubelnden nun Fabian und Anna-Elisa oder Oġuzhan und Elif heißen.

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„Türkyie! Türkyie! Türkiye!“, schallte es einstimmig von den Tribünen, als die Mannschaft mit Bällen an den Füßen einlief; die ebenfalls reichlich anwesenden Mutter- und Vatersprachler fügten daraufhin noch einige Sprechchöre an, die sonst vor allem in den großen Fußballarenen in und um Istanbul zu hören sind.

Die Türken haben Verletzungssorgen – aber auch viel Talent

Und weil die türkischen Fans immer schon eine große Bewunderung für jene Kicker hegten, die es zu ganz großen Klubs und schillernden Titeln bringen, wurde ein paar Herrschaften aus der Trainingsgruppe besondere Aufmerksamkeit zuteil: Allen voran Kapitän Hakan Calhanoglu, geboren in Mannheim, ist da zu nennen; er ist mit Inter Mailand italienischer Meister geworden und gilt gemeinhin als Star des Teams. Er hob den Daumen zum Dank für die vielen „Hakan, Hakan, Hakan!“-Rufe, danach verbrachte er die Einheit bei ein paar Passformen und lockeren Läufen.

Ähnlich begeistert empfangen wurden die hochbegabten Angreifer Arda Güler (19, Real Madrid) und Kenan Yildiz (19, Juventus Turin), die nun mehr Verantwortung übernehmen müssen, als ihnen das wohl lieb wäre: Im Sturm klafft nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Enes Ünal (AFC Bournemouth) eine Zielspieler-Lücke; hinten muss der italienische Coach Vincenzo Montella in Ozan Kabak (TSG Hoffenheim) und Caglar Söyüncü (Fenerbahce Istanbul) auf seine mutmaßlichen Stamm-Innenverteidiger verzichten. Euphorie stellen die türkischen Fans vor großen Turnieren in gewaltigen Dosen zur Verfügung – nach dürftigen Auftritten können sie im Urteil übers eigene Team aber geradezu erbarmungslos sein.

Doch bis dahin sind noch ein paar EM-Spiele zu absolvieren, und die Türken werden sich bei ihren Partien in Dortmund (gegen Georgien und Portugal) und Hamburg (gegen Tschechien) auf massive Unterstützung von den Rängen verlassen können. Außerdem dürfte es ohnehin Schlimmeres geben als die Rolle als Co-Gastgeber: Nach dem Training versammelten sich die Spieler vor den Schulkindern für ein Gruppenfoto; bei der Ankunft in Barsinghausen tags zuvor war die Mannschaft von einem Autokorso ins Teamhotel begleitet worden.

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