Paris Saint-Germain Bernat und Choupo-Moting statt Boateng und Kanté

Wollte Boateng, bekam Choupo-Moting: Thomas Tuchel.

(Foto: AFP)
  • Paris Saint-Germain verliert den Champions-League-Auftakt gegen den FC Liverpool.
  • Dem Verein fehlt defensive Stabilität - genau in diesem Bereich wollte Trainer Thomas Tuchel eigentlich Verstärkung.
  • Sportchef Antero Henrique steht in der Kritik. Boatengs Vertrag war angeblich bereits zu Ende verhandelt. Trotzdem kam es bekanntlich nicht zu einem Transfer.
Von Christof Kneer

Am vorvorletzten Tag der Transferperiode haben sie sich endlich bewegt in Paris. Sie haben dem FC Bayern nach monatelangem Poker ein Signal zukommen lassen, wonach sie jetzt gegebenenfalls doch bereit wären, jene 35 Millionen Euro für Jérôme Boateng zu bezahlen, die der FC Bayern forderte. Am vorletzten Transfertag hat Paris Saint-Germain dann tatsächlich ein Angebot rübergereicht, angeblich belief es sich sogar auf 38 Millionen, aber die Bayern haben abgelehnt. Sie wollten jetzt mehr, nach SZ-Informationen hatten sie inzwischen 50 Millionen aufgerufen; sie hätten in den verbleibenden 24 Transferstunden ja noch Benjamin Pavard als Boateng-Nachfolger in Stuttgart herauskaufen müssen, und beim VfB hatten sie kein großes Bedürfnis, nach schwachem Saisonstart auch noch ihren besten Abwehrspieler zu verlieren - es sei denn eben für sehr viel Geld. Sehr viel Geld, das sich Rummenigge nun in Paris holen wollte, was PSG wiederum wegen des Financial-Fairplay-Reglements weder konnte noch wollte.

So blieben am Ende alle, wo sie waren: Boateng in München, Pavard in Stuttgart - und Thomas Tuchel blieb in Paris mit einer Elf, die er sich so nicht vorgestellt hatte, als er im Frühjahr zusagte, kurz bevor die Bayern ihn kontaktierten.

Tuchel, 45, würde das nicht laut sagen, aber leise denken wird man's ja wohl dürfen: Ihn erinnert gerade einiges an jene Tage in Dortmund, als ihm Klubchef Aki Watzke angeblich versprach, auf keinen Fall Hummels und Gündogan und Mkhitaryan gemeinsam zu verkaufen. Am Ende gingen alle drei. In Paris haben sie ihm offenbar zugesagt, dass er diese vorne so grandiose Elf dort verstärken darf, wo sie es dringend nötig hat: hinten. Er brauche einen Vierer und einen Sechser, erklärte Tuchel früh, auch die Zielspieler waren bald ausgemacht, Boateng (Vierer) sowie N'Golo Kanté (Sechser) vom FC Chelsea, zusätzlich Linksverteidiger Alex Sandro von Juventus Turin. Von den drei Wunschspielern kamen präzise null, dafür kamen Juan Bernat und Eric Choupo-Moting, die man eher Hannover 96 zugetraut hätte.

Beim 2:3 in Liverpool hat das Publikum nun gleich sehen können, was Tuchel umtreibt: Seiner Elf fehlen das defensive Gewissen und ein, zwei zentrale Autoritäten, die auch von den Super-Egos im Angriff respektiert werden. Tuchel gehört zu jenen ambitionierten Coaches, die eine Elf als Puzzle begreifen, und er weiß längst, dass ihm zentrale Teile fehlen. Seine Super-Egos plus Kanté plus Boateng: Diese Elf könnte die Champions League gewinnen. Aber ohne?

Tuchel ist in einen Klub geraten, der vieles über die Champions League definiert, und nicht zufällig hat dort dreimal Real Madrid triumphiert, eine Elf, die ihre Artisten mit Netz und doppeltem Boden (Ramos, Casemiro, Varane) tanzen lässt. Tuchel muss seine Artisten ungesichert tanzen lassen, was fürs Binnenklima im Klub nichts Gutes verheißt. In der Kritik steht Sportchef Antero Henrique, dem nicht nur die Bayern wegen seltsamer Verhandlungsmethoden die Schuld am gescheiterten Boateng-Transfer zuschanzen, sondern auch die Leute von PSG. Boatengs Vertrag war angeblich schon zu Ende verhandelt. Zum Transfer kam es nie.

Klopps großer Sieg

Liverpools Trainer bejubelt das furiose 3:2 in der Champions League gegen Paris. Er hat aber Glück, dass der Taktikkniff von PSG-Coach Tuchel nicht ganz aufgeht. Von Sven Haist mehr...