TSV 1860 spielt 1:1 in Düsseldorf Unter Wert

Hatte seine Hände im Spiel: Michael Rensing (r.) pariert die Versuche der 1860-Stürmer, die im Hintergrund auf den Ball lauern.

(Foto: Christof Koepsel/Getty Images)

Die Löwen holen einen Punkt in Düsseldorf - lassen aber im Abstiegskampf mal wieder Gelegenheiten aus, erstmals in dieser Saison zwei Siege in Serie zu landen.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Unter Fußballern ist die Floskel beliebt, ein Sieg sei wenig wert, wenn man im darauffolgenden Spiel nicht gewinnbringend nachlege. Wenn diese These stimmt, dann waren die bisherigen sieben Siege des TSV 1860 im Verlaufe dieser Zweitliga-Saison recht wenig wert, denn die Münchner haben es nie geschafft, einem Sieg direkt einen zweiten folgen zu lassen. Auf den umjubelten siebten Sieg am vorigen Samstag gegen Bochum ließen die Löwen nun im Gastspiel bei Fortuna Düsseldorf ein 1:1 (1:0) folgen, und daran konnte nicht einmal die Rückkehr des fast zwei Monate lang schmerzlich vermissten Torjägers Rubin Okotie etwas ändern. Als Okotie in der 62. Minute für Stephan Hain ins Spiel kam, stand es 1:1, und als das Spiel eine halbe Stunde später abgepfiffen wurde, stand es immer noch so. Acht Minuten vor Schluss hatten die Düsseldorfer einen Kopfball von Okotie von der Torlinie kratzen müssen. Ein Sieg der Gäste wäre möglich und nicht unverdient gewesen.

"Wenn wir so weiterspielen, dann bleiben wir drin", sagte Münchens bester Spieler Daniel Adlung hinterher. Die Leistung hatte ihm also gefallen. Beim Ergebnis fühlten die Münchner sich unter Wert verkauft. "Vor dem Spiel hätte ich mich mit einem Remis zufrieden erklärt, aber dieses 1:1 betrachte ich auch mit einem weinenden Auge", sagt der Löwentrainer Torsten Fröhling. Zuversichtlich stimmt ihn, "dass die Mannschaft geschlossen ist und Willen zeigt".

Adlung nutzt den vielen Freiraum zur 60-Führung

Fröhling hatte Stephan Hain in die Startelf genommen. Hain hatte am vorangegangenen Samstag den glücklichen 2:1-Siegtreffer gegen Bochum erzielt und erhielt in Düsseldorf als Mittelstürmer den Vorzug vor dem Spanier Rodri. Im defensiven Mittelfeld spielte Dominik Stahl für den gelbgesperrten Kai Bülow und machte seine Sache gut, während Hain in der Spitze allzu wenige Bälle bekam und nur dann auffiel, wenn er sich ins Mittelfeld zurückfallen ließ, um sich den Ball mal zu holen. Letzte Pässe in die Spitze kamen bei den Sechzigern kaum welche an. Dieses Manko wurde erst in der 42. Minute überwunden.

"Niederkämpfen" sollten seine Löwen die Fortuna, hatte Trainer Fröhling gefordert, aber zum ultimativ rustikalen Einsatz muss man dann auch erst einmal bereit sein. Die Münchner standen in ihrem 4-2-3-1-System sehr diszipliniert und ließen den technisch versierten Kontrahenten wenig Raum. Aber niedergerannt haben sie sie mitnichten. Das Spiel war in der ersten Halbzeit das ausgeglichene Duell eines desillusionierten rheinischen Aufstiegsaspiranten und eines seriös aufspielenden bayrischen Abstiegskandidaten.

Als sich zaghaft ein Düsseldorfer Übergewicht andeutete, konterten die Münchner kühl. Marius Wolf hatte in der 42. Minute an der rechten Seitenlinie viel Platz zum Flanken, und in der Mitte hatte Daniel Adlung zwischen den beiden Düsseldorfer Innenverteidigern noch viel mehr Platz, so dass er den Ball nach Wolfs Flanke mit dem Kopf aus zehn Metern ungestört in den rechten Winkel des Fortuna-Tors drücken konnte.

Dass die Freude der Münchner über diese Führung immerhin 22 Minuten andauerte, lag daran, dass ihnen auch die viertelstündige Pause dazu blieb. Aus der kehrten die Düsseldorfer allerdings emotional verändert zurück. Sie zeigten nun plötzlich eine Entschlossenheit, die in der 48. Minute zum 1:1 führte. Hinten links nahe der Eckfahne wurden die Löwen-Verteidiger Jannik Bandowski und Ilie Sanchez vom Fortuna-Stürmer Ben Halloran verulkt, als dessen Pass in den Rücken der Abwehr Liendl erreichte und von diesem mit viel Platz und Gefühl unerreichbar für Torwart Eicher ins Sechziger-Tor gezirkelt wurde.

Rensing rettet gegen Okotie

In jenem Moment fehlte auf der anderen Seite der Münchner Rechtsverteidiger Gary Kagelmacher, weil er am Spielfeldrand behandelt werden musste, aber das mochte Trainer Fröhling nicht als Entschuldigung fürs Gegentor gelten lassen. "Das wäre auch in Unterzahl besser zu verteidigen gewesen", sagte er. "Wir spielen regelmäßig Trainingsformen mit Acht gegen Zehn und wissen, wie man so etwas verhindert", sagte der Innenverteidiger Chistopher Schindler.

Nach dem Ausgleichstor machte sich in der mit 25.461 Zuschauern nur zur Hälfte gefüllten Arena zunächst die individuelle Überlegenheit der Düsseldorfer bemerkbar. Münchner Wechsel gaben der Partie eine neue Wendung. Nach 62 Minuten war Hains Arbeitstag beendet. Rubin Okotie kam nach 54-tägiger Pause zurück ins Spiel der Sechziger. Das brachte neuen Mut und Schwung und zwei Doppelchancen. Bei der zweiten hätte Okotie nach einer Ecke von Adlung doch um ein Haar per Kopf das 2:1 für die Münchner erzielt, doch zunächst rettete Fortuna-Torwart Rensing, und dann blockte Liendl auf der Linie den Nachschuss von Christopher Schindler.

"Unsere Leistung war okay, das Ergebnis ist enttäuschend", fand Schindler. Positiv zu bewerten sei, "dass wir derart gut spielen können, dass wir uns bei einem Gegner wie Fortuna Düsseldorf einen Sieg verdienen können". Zum ersten zweiten Sieg in Serie hat es dennoch nicht gereicht.