Fußball Gemeinheiten und Sticheleien bei 1860 München

Gegen Münster demonstrieren im Grünwalder Stadion einige Sechzig-Anhänger gegen Saki Stimoniaris und Hasan Ismaik.

(Foto: imago images / MIS)

Die Atmosphäre bei den Löwen ist politisch aufgeladen wie lange nicht: Der Streit zwischen dem e.V. und Investor Hasan Ismaik spaltet den Verein. Eine Chronologie der bisherigen Nadelstiche.

Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Die Frage, ob der Fußball-Drittligist 1860 München noch Geld von Investor Hasan Ismaik annehmen soll, spaltet die Fans seit Jahren. Am Samstag beim Heimspiel gegen Münster (0:1) war die Atmosphäre politisch aufgeladen wie nie zuvor. Der Verlauf einer Zuspitzung seit dem Abstieg aus der zweiten Liga.

Der Insolvenzspezialist (3. Juni 2017)

Nachdem Peter Cassalette zurückgetreten ist, wird umgehend Robert Reisinger neuer Präsident - eine Mitgliederversammlung muss ihn später noch bestätigen. Was das Verhältnis zu Ismaik angeht, sagt Reisinger zur Begrüßung: "Mit mir fährt niemand Schlitten, das kann ich versprechen, und mich schüchtert auch keiner ein." Ismaik versucht ihn einzuschüchtern, indem er ankündigt, er werde gegen 50+1 klagen. Das Präsidium setzt den Sanierungsexperten Markus Fauser als Geschäftsführer ein - mittels 50+1. "Eure Vertreter (...) haben sich entschieden, nicht für diesen großartigen Klub zu kämpfen", schreibt Ismaik an die 1860-Fans, "sie haben einen neuen Geschäftsführer ernannt, dessen einzige Expertise die Insolvenz ist!"

Schande für Deutschland (8. Januar 2018)

Nachdem der Insolvenz- und Sanierungsexperte Fauser die Insolvenz abgewendet und die Sanierung eingeleitet hat, verlässt er 1860 wieder. Als Nachfolger setzen die e.V.-Vertreter Michael Scharold ein - wieder mittels 50+1. Ismaik, der ihn als Finanzfachmann von Schalke 04 zum TSV 1860 geholt hat, zetert: Scharold sei "kein Anführer" und "schwach". Neuer Sportchef wird, - selbstredend ebenfalls per 50+1, wie Reisinger berichtet - Günther Gorenzel, der schon zwei Mal bei Sechzig gearbeitet hat: von 2006 bis 2008 als Co-Trainer und von 2014 bis 2015 in der Nachwuchsabteilung. "Ich versuche, mit ihnen zu kooperieren, aber sie tun, was sie wollen", beklagt sich Ismaik. "Sie respektieren ihren Partner nicht, sie nutzen 50+1, das ist eine Schande für den deutschen Fußball und für ganz Deutschland. Was gerade stattfindet, ist die Zerstörung dieses Klubs."

TSV 1860 München Hasan Ismaik? Nein, danke
TSV 1860 München

Hasan Ismaik? Nein, danke

Die "Löwenfans gegen Rechts" verkaufen T-Shirts mit dem durchgestrichenen Konterfei von Investor Hasan Ismaik. Sogar die Geschäftsführer melden sich - "mit großer Besorgnis".   Von Markus Schäflein

Der Scheidungsantrag (23. Juli 2017)

Auf der Mitgliederversammlung wird Robert Reisinger, mit dem niemand Schlitten fährt, mit großer Mehrheit im Amt bestätigt, Hasan Ismaiks Bruder Yahya hingegen nicht in den Verwaltungsrat gewählt und ausgelacht. Dazu pfeift die Menge subtil die Melodie des bekannten Scheichlieds ("Scheiß auf den Scheich, scheiß auf sein Geld"). Die Mitglieder, darunter viele pfeifende Ultras, entscheiden mit 346 Ja- und 79 Nein-Stimmen, den Kooperationsvertrag mit Ismaik aufzukündigen, der längst ein Konfrontationsvertrag geworden ist. Dass so eine Scheidung rechtlich nicht einfach umzusetzen ist, ahnen die Vereinsvertreter: Am Tag der Abstimmung streichen sie die Formulierung, der Vertrag sei "unverzüglich" zu kündigen. In den Verwaltungsrat gewählt wird unter anderen der MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris, als einziger Kandidat, der nicht zu den Ismaik-Gegnern zu zählen ist. Er wird allerdings schon im Dezember zurücktreten.

Durchgestochene Nadelstiche (15. Januar 2018)

In einem Kicker-Artikel wird aus einer E-Mail des Verwaltungsratsvorsitzenden Markus Drees zitiert, die ausschließlich seinen acht damaligen Gremiumskollegen zugegangen war. Darin schreibt Drees von einer "Politik der Nadelstiche" gegen Ismaik. Davon distanziert sich der Verwaltungsrat so vielsagend wie selbstredend nicht, der stellvertretende Vorsitzende Sascha Königsberg teilt aber mit: "Aus den Reihen der aktuell amtierenden Verwaltungsräte hat niemand den im Kicker zitierten vertraulichen E-Mail-Verkehr an Dritte weitergereicht. Der Verwaltungsrat kennt jedoch mittlerweile den Urheber des Vertrauensbruchs." Nachdem unlängst auch Richard Ostermeier abgetreten ist, kann man Königsberg nicht unterstellen, direkt Stimoniaris genannt zu haben. Stimoniaris wird kurz darauf KGaA-Aufsichtsrat als Vertreter der Investorenseite.