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TSV 1860:Stresstest nicht bestanden

07.10.2019, xjhx, Fussball 3.Liga, Kickers Wuerzburg - TSV 1860 München emspor, v.l. Frank Ronstadt (Wuerzburger Kickers

Intensiver Montag: Die Würzburger Kickers mit Frank Ronstadt (links) und die Sechziger mit Tim Rieder boten am Dallenberg ein umkämpftes bayerisches Derby.

(Foto: Jan Huebner/imago images)

"Wir haben uns selbst geschlagen": Der Münchner Fußball-Drittligist verliert 1:2 im bayerischen Derby bei den Würzburger Kickers.

Das Spiel auf dem Würzburger Dallenberg war rund eine halbe Stunde alt und Daniel Bierofka die meiste Zeit am Spielfeldrand auf und ab gelaufen. Mal hatte der Trainer des TSV 1860 München auch die Arme vor der Brust verschränkt, mal mit den Armen rudernd Anweisungen gegeben. Jetzt aber ging er an der Seitenlinie in die Hocke und stützte den Ellenbogen auf seinen Oberschenkel. Da saß Bierofka also in der Denker-Pose und verfolgte das Spiel seiner Mannschaft, in seinem Trainingsanzug in sich ruhend, mutmaßlich grübelnd, wie er seinen Spielern helfen könnte.

Vor der Montagabendpartie der dritten Fußball-Liga hatte Bierofka davon gesprochen, "Würzburg unter Stress setzen" und die in dieser Saison doch sehr wankelmütige Defensive der Kickers zu Fehlern nötigen zu wollen. Es war eine durchaus forsche Ankündigung, bedenkt man, dass Sechzig vier seiner ersten fünf Auswärtsspiele verloren hatte. Aber: Nach neun Punkten aus den vorausgegangenen vier Partien war ein gewisses Selbstverständnis in Giesing eingekehrt. In Würzburg gelang es Bierofkas Mannschaft dann allerdings nur streckenweise, den Worten Taten folgen zu lassen.

In der Defensive hat Leon Klassen seine Schwierigkeiten mit Fabio Kaufmann

"Im Großen und Ganzen haben wir ganz ordentlich verteidigt, aber nach vorne hat die letzte Konsequenz gefehlt", bilanzierte Bierofka nach dem Spiel und fand am Ende gar: "Wir haben uns selbst geschlagen." Sein Team hatte in der Anfangsphase einige Minuten benötigt, um gegen forsch beginnende Kickers in die Partie zu finden. Ein Würzburger Schuss von Fabio Kaufmann flog am von Hendrik Bonmann bewachten Tor vorbei (13.) - erst dann meldete sich auch Sechzig im Spiel an: Benjamin Kindsvater kam nach einem Konter zum Abschluss, scheiterte allerdings am Pfosten (15.). "Danach waren wir ganz ordentlich im Spiel", fand Bierofka; er hatte aber auch gesehen, wie Timo Gebhart Mitte der ersten Hälfte nach einem Halbfeldfreistoß einen überaus überraschten Eindruck machte, als er am entfernten Pfosten an den Ball kam (23.).

Kurz darauf schlug Würzburg auf der anderen Seite zu: Robert Herrmann fand Dave Gnaase mit einer Flanke von der linken Seite, der aufgerückte Mittelfeldspieler stand erstaunlich frei und traf mit dem Kopf zum 1:0 (24.). Kurz darauf zwang Patrick Sontheimer Bonmann zu einer Parade (30.), vor der Pause war der Leihspieler von der SpVgg Greuther Fürth aus aussichtsreicher Position erneut nicht erfolgreich (43.).

Sechzig selbst brachte in der Offensive nur wenig zustande. Auch der gute alte Gebhart war nicht allzu gut. Der Mittelfeldspieler verstand es kaum einmal, dem Offensivspiel Struktur zu verleihen, geschweige denn, Würzburg wie gewünscht unter Stress zu setzen. Und in der Defensive hatte in erster Linie der erneut als Linksverteidiger aufgebotene 19-jährige Leon Klassen seine Schwierigkeiten mit Fabio Kaufmann.

Nach dem Seitenwechsel schlug Sechzig aber schnell zurück: Gebhart spitzelte den Ball nach einer Flanke von Marius Willsch vom Elfmeterpunkt Richtung Tor - und Sascha Mölders stocherte die Kugel an Würzburgs Torwart Vincent Müller vorbei über die Linie (47.). Ein Treffer, der nicht zuletzt durch seinen Zeitpunkt das Zeug gehabt hätte, als Initialzündung zu dienen und die Partie vollends kippen zu lassen, doch stattdessen geriet Bierofkas Team zum zweiten Mal ins Hintertreffen: Klassen lud Kaufmann mit einer zu kurz geratenen Kopfballrückgabe ein, der Würzburger traf zum 2:1 (64.).

Mölders scheitert bei zwei großen Möglichkeiten zum 2:2 an Würzburgs Torwart Müller

"Dann war es schwierig für Sechzig", sagte der Torschütze nach der Partie - doch die Löwen hatten die ein oder andere Möglichkeit, um zumindest noch das 2:2 zu erzielen. So bot sich Mölders nach einer Flanke eine Chance per Kopf, Müller verhinderte aber den Einschlag im oberen Eck (70.). Als sich Kickers-Angreifer Luca Pfeiffer zehn Minuten vor dem Ende Gelb-Rot eingehandelt hatte, agierte Sechzig in der Schlussphase in Überzahl und erarbeitete sich noch eine letzte große Torchance, um den Ausgleich zu markieren: Mölders kam frei vor Müller zum Schuss, fand aber zum zweiten Mal an diesem Abend seinen Meister in ihm (90.).

"Zum Schluss hatten wir auch das nötige Glück", gestand Würzburgs Trainer Michael Schiele angesichts dieser Torchancen, lobte sein Team aber auch dafür, einen "sehr, sehr hohen Aufwand betrieben" zu haben. Dass dieser schließlich mit drei Punkten entlohnt wurde, lag nicht zuletzt an Müller, seinem Torwart, der erstmals in einem Punktspiel zwischen den Pfosten gestanden hatte. Er ließ Sechzig verzweifeln - und am Ende bereits zum fünften Mal auswärts verlieren.