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TSV 1860 München:Wiederbelebt am ersten Spieltag

Der TSV 1860 München geht mit einem 1:1 gegen Münster in die Drittliga-Saison. Für das Remis sorgt Phillipp Steinharts Elfmeter.

Als die Fahnenträger einmarschierten, um zum offiziellen Start der dritten Fußball-Liga die Wappen der 20 beteiligten Klubs zu präsentieren, kam der Junge mit dem Wappen des TSV 1860 München als Letzter aufs Feld. Zur Eröffnung der Spielzeit Letzter zu sein, ist ja nicht so schlimm, die Löwen möchten nur nach dem 38. Spieltag nicht als Letzter ins Ziel kommen. Die Mutmaßung, sie seien angesichts des Konsolidierungskurses ein Abstiegskandidat, erhielt in der ersten Partie gegen Preußen Münster während der ersten Hälfte einige Nahrung, im zweiten Durchgang aber dominierten die Löwen das Spiel und hätten sich mehr verdient gehabt als das 1:1 (0:1). "So schlecht, wie die erste Halbzeit war, so gut war die zweite", resümierte 1860-Trainer Daniel Bierofka.

Auf den Aufwärmshirts der Spieler war der Schriftzug "#VEREINenStattSpalten" zu lesen, die KGaA-Geschäftsführung hatte ja appelliert, Attacken gegen Investor Hasan Ismaik zu unterlassen: "Die Mannschaft braucht die geschlossene Unterstützung aller Löwenfans, um erfolgreich in die Saison zu starten. Die Meinungsfreiheit endet dort, wo Menschen bewusst beleidigt und diffamiert werden. Das gilt für das Internet genauso wie für Fangesänge und Transparente im Stadion." Die Anhänger konzentrierten sich dann auch darauf, bloß ein bisschen die Konkurrenz zu diffamieren: "Der Chef der Liga eröffnet die Saison", behaupteten sie.

Fußball, 3. Liga, TSV 1860 München - Preußen Münster

Souverän verwandelt: Elfmeter-Spezialist Phillipp Steinhart trifft gegen Preußen-Torwart Maximilian Schulze Niehues, der Ausgleich gibt den Münchnern Auftrieb.

(Foto: Markus Fischer/Passion2press)

So souverän, wie man es von einem Chef erwarten würde, präsentierte sich die Mannschaft des TSV 1860 in der ersten Hälfte allerdings nicht. Hier die Konsolidierungslöwen, dort eine neu und relativ günstig zusammengestellte Münsteraner Truppe - Abwarten war Trumpf, trotz recht vorsichtiger Spielweise auf beiden Seiten waren viele Fehler zu bestaunen. Der als Aggressivleader geholte 1860-Innenverteidiger Dennis Erdmann stellte nach wenigen Minuten unter Beweis, dass er ein Aggressivleader ist, als er sich beim Unterbinden eines Konters eine gelbe Karte abholte - mehr Sehenswertes gab es lange nicht. Die erste Ecke mündete in eine Kontermöglichkeit, die Münster aber miserabel ausspielte. "So wie in der ersten Halbzeit können wir in der dritten Liga nicht Fußball spielen", klagte Bierofka, "wir hatten viel zu wenige Läufe in die Tiefe."

Die erste Torchance der Partie führte zum ersten Tor. Preußen-Kapitän Julian Schauerte setzte sich über die rechte Seite bemerkenswert leicht gegen Außenverteidiger Phillipp Steinhart durch, zog nach innen und schoss aufs Tor, der in ersten Hälfte gänzlich unglücklich agierende Erdmann fälschte den Ball zum 0:1 ab (32.). Sechzig wurde nun etwas druckvoller und kam durch einem Kopfball von Herbert Paul nach einer Ecke ebenfalls zu seiner ersten Möglichkeit.

TSV 1860 Muenchen v Preussen Muenster - 3. Liga

Gratulation zum Treffer: Daniel Wein (links) und Sascha Mölders (rechts) eilen zu Elfmeterschütze Phillipp Steinhart.

(Foto: Sebastian Widmann/Getty)

Mit einem Chancenverhältnis von 1:1 und einem Spielstand von 0:1 ging es in die Pause, die Partie konnte nur besser werden - sowohl aus neutraler Sicht als auch aus Löwenperspektive. Und das wurde sie dann auch, ziemlich schnell: Benjamin Kindsvater wurde an der Strafraumgrenze von Nico Brandenburger zu Fall gebracht, Steinhart verwandelte den Elfmeter souverän (51.), und der Ausgleich gab den Münchnern Auftrieb. Wesentlich mutiger und zielstrebiger zeigten sie sich nun ihrem Publikum, das zur Pause einigermaßen ernüchtert gewesen und nun wieder im Grünwalder-Rausch war. Der in der Zentrale für Simon Seferings eingewechselte Dennis Dressel versuchte einen Treffer per Distanzschuss (54.), ein Versuch von Marius Willsch wurde gerade noch zur Ecke geklärt (62.), der starke Efkan Bekiroglu verpasste eine Willsch-Hereingabe knapp (68.), auch der in der 78. Minute eingewechselte 18-jährige Flügelstürmer Fabian Greilinger sorgte für Betrieb. "Das war der Power-Fußball, den ich sehen wollte, nur waren wir im Strafraum teilweise einen Schritt zu spät dran", sagte Bierofka.

In der 80. Minute brandete dann Jubel auf - allerdings nicht wegen eines Führungstores, sondern weil Rückkehrer-Regisseur Timo Gebhart eingewechselt wurde. In der Nachspielzeit schoss Sascha Mölders knapp über die Querlatte, dann war Schluss. Torwart Hendrik Bonmann stellte zusammenfassend fest: "In der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, dass wir am Leben sind." Alles andere wäre am ersten Spieltag ja auch befremdlich gewesen.