„Den Regenmantel lassen wir zu Haus“, schallte es vor dem Anpfiff aus den Boxen. Vor den Heimspielen des Fußball-Drittligisten TSV 1860 München wird ja immer der Schlager „Viva España“ von Imca Marina gespielt, laut dem die Sonne „bei Tag und Nacht“ scheint. Für die Fans in den nicht überdachten Bereichen des Grünwalder Stadions (die zu den Klängen schon seit Bayernligazeiten „Die Sonne scheint bei Tag und Nacht, im Grüüünwalder Stadion“ singen) wäre es allerdings eine gute Idee gewesen, den Regenmantel dem Text zum Trotz mitzubringen. Fußball ist eben kein Wunschkonzert, das gilt bei den Löwen bekanntlich umso mehr, und es galt am Samstag nicht nur für das Schmuddelwetter: Der vierte Sieg zur Wiesnzeit blieb dem TSV verwehrt, und das 2:3 gegen Wehen Wiesbaden bedeutete nicht nur diesen verpassten Rekord, sondern in der gewohnt engen Drittliga-Tabelle auch: Blick wieder nach unten statt nach oben.
Wer sich von der 1860-Mannschaft eine weitere Entwicklung und ein ansehnliches Spiel erhofft hatte, wurde im Grunde nicht enttäuscht. Über weite Strecken wusste die Mannschaft von Trainer Argirios Giannikis gegen den stark eingeschätzten Zweitliga-Absteiger durchaus zu gefallen, im Gegensatz zu den ersten Saisonspielen ist mittlerweile deutlich erkennbar, was auf dem Platz passieren soll. „Die Tendenz zeigt nach oben“, stellte auch Giannikis fest. Die Ursache der Niederlage nach zuletzt drei Siegen am Stück war indes schnell gefunden: „Das sind einfache Gegentore, die so nicht passieren dürfen. Gegen einen guten Gegner wie Wiesbaden müssen zwei Tore reichen, um das Spiel zu gewinnen.“
Bei jenem guten Gegner spielte übrigens Fabian Greilinger mit, dessen Vertrag bei Sechzig im Sommer nicht verlängert wurde; beim SV Wehen-Wiesbaden gehört er zum Stammpersonal. Der 24-Jährige wurde vor dem Anpfiff noch offiziell verabschiedet und vom Publikum mit viel Applaus bedacht, hatte er doch seit der U15 ausschließlich für die Löwen gespielt.
Zurück zum am Samstag viel benutzten Wort einfach: „Wir haben wieder mal zu einfache Fehler eingestreut“, sagte auch Mittelfeldspieler Thore Jacobsen, der es „bitter“ fand, wie die Löwen „schlecht verteidigt“ hatten. Der erste Aussetzer wurde noch nicht einmal bestraft, weil Fatih Kaya den Ball nach einem Schnitzer von Innenverteidiger Leroy Kwadwo knapp am Tor vorbeisetzte (25.). Doch es folgten das 0:1 durch Moritz Flotho (37.) und nur fünf Minuten später das 0:2 durch Nick Bätzner, bei dem die „Absprache nicht gepasst“ habe, wie Jacobsen sagte. Und beim dritten Gegentor durch Florian Carstens zum 1:3 nach einer Ecke „müssen wir nach dem Standard schneller klären“, meinte er; letztlich traf Carstens aus dem Getümmel im zweiten Versuch (53.).
„So wie wir spielen, erhöht es die Chance, in Zukunft Spiele zu gewinnen“, sagt Jacobsen
„Ich habe trotzdem ein gutes Gefühl, weil wir uns fußballerisch auf jeden Fall weiterentwickeln“, bilanzierte Jacobsen, „so wie wir spielen, erhöht es die Chance, in Zukunft Spiele zu gewinnen.“ Offensiv klappte in der Tat einiges, wie beim 1:2-Anschluss durch Julian Guttau auf Zuspiel von Patrick Hobsch (42.). Das 2:3 durch Hobsch begünstigte Wiesbadens Torwart Florian Stritzel, indem er einen Schuss des eingewechselten Maximilian Wolfram nicht festhalten konnte (72.). Dafür rettete Stritzel den Sieg, als er einen Schuss des ungedeckten Jesper Verlaat aus sechs Metern parierte (80.).
Auf die Verlaat-Szene wollte sich bei der Frage nach den Gründen der Niederlage niemand fokussieren; es wäre angesichts der Gegentreffer auch nicht angebracht gewesen. In der anstehenden Länderspielpause will Giannikis nun „die Sinne für Gefahrensituationen, für Gefahrenpotenziale schärfen“. Danach steht schließlich am Sonntag, 20. Oktober (19.30 Uhr), das Derby bei der SpVgg Unterhaching an, das diesmal nicht nur Gefahrenpotenzial im Hinblick aufs Prestige birgt, sondern auch in der Tabelle richtungsweisend sein wird.
Die Hachinger stehen nach ihrem 0:2 in Verl schließlich mit neun Punkten auf einem Abstiegsplatz; die Sechziger haben, wenngleich auf Rang neun, nur drei Zähler mehr. Und es soll ja am Ende nicht heißen, dass über dem Sportpark die Sonne lacht und über die Löwen die ganze Welt.

