Eigentor? „Yes, yes. Zwei Eigentor!“, steigert Sigurd Haugen sogar noch. Der Angreifer des TSV 1860 München sagt, sein Deutsch sei noch nicht ganz so gut, aber er verbessert sich stetig und versteht auch schon sehr viel mehr als zu Beginn seiner Zeit in München. Die Sechziger selbst erzielen bekanntlich ihre Eigentore vorzugsweise neben dem Platz, wenn sie Streitereien öffentlich austragen. Für den designierten Absteiger FC Schweinfurt 05 ist die Saison schon jetzt, kurz vor Ende der Hinrunde, nahezu gelaufen, es geht überwiegend darum, den Fans noch ein paar glückliche Minuten zu bescheren.
Nach München waren mehr als 1000 Anhänger mitgereist, sie durften auch einmal kurz feiern, beim zwischenzeitlichen 1:1 durch Jakob Tranziska kurz vor der Pause. Doch Schweinfurt schießt seine Eigentore eben ausschließlich auf dem Platz. Es lag also zu einem gewissen Teil auch an den Schnüdeln, dass Sechzig 3:1 (1:1) gewinnen konnte, und nicht so sehr daran, dass das Angriffsspiel der Löwen nun plötzlich so viel präziser geworden wäre.
Laut dem, was die Spieler und auch der Trainer hernach zu sagen hatten, müssen sich die Fans jetzt an diese Spielweise gewöhnen. Denn nach dem dritten Sieg in Serie glaubt trotz offensichtlicher Fehler und gut zu beobachtender Missverständnisse, insbesondere im Spiel nach vorn, niemand mehr an einen Zufall. „Mir ist bewusst, dass die Spiele nicht einfach anzuschauen sind“, sagte etwa Marvin Rittmüller, der als einziger Sechziger ein Tor beisteuerte, das 3:1 (69.), das aber auch starke Mithilfe des Gegners benötigte. Es war das Münchner Premierentor des 26-Jährigen. Er merkte selbstkritisch an, dass er in den Wochen zuvor auch oft „falsche Entscheidungen vor dem Tor“ getroffen habe, vielleicht platze da ja jetzt ein Knoten.
Zugleich gehe es jetzt nicht mehr allein „darum, den perfekten Pass zu spielen“, meinte der Flügelspieler, der von Eintracht Braunschweig kam. Vielmehr müsse man „als Mannschaft Fehler ausbügeln, darum geht’s in dieser Liga“. Stürmer Haugen sagte, die fehlende Präzision im Angriffsspiel rühre daher, dass der Fokus jetzt auf der Defensive liegt. Und wenn mal der Ball in die eine Richtung läuft und der Spieler in die andere, dann findet auch Trainer Markus Kauczinski das gar nicht mehr so schlimm. Selbst über das Gegentor sagte er: „Kann mal passieren.“
Nach dem Seitenwechsel übersteht Sechzig seine schwierigste Phase
Allerdings waren die Fans schon auch ein wenig ungeduldig geworden, in der ersten halben Stunde wies Sechzig 2:5 Torschüsse auf und auch nur 32 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Doch gerade, als der Unmut von den Rängen hörbar wurde, rissen sich die beiden zuverlässigsten Offensivspieler kurz zusammen: Patrick Hobsch ließ mit einem Antritt mehrere Gegenspieler stehen und passte nach innen, Haugens Gegenspieler Nick Doktorczyk drückte einen unhaltbaren Kullerball über die Linie (33.). Glück oder erzwungen? „Klar Letzteres“, fand Kauczinski, „wir wären ja dagewesen.“ Der Trainer sagte aber auch, dass er mit der ersten Halbzeit nicht sehr zufrieden gewesen sei.
Dabei funktionierte gerade die Schwerpunktarbeit, das Verteidigen, kurz vor und kurz nach der Pause nicht. Das Spiel schien in die Halbzeit zu plätschern, doch immer, wenn man meint, jetzt passiert bei Sechzig gerade mal nichts, passiert etwas. In der Nachspielzeit scheiterte Jakob Tranziska aus rund 30 Metern nur knapp, bekam einen Eckball zugesprochen. Bevor der in den Strafraum flog, hob Sechzigs Thore Jacobsen zwei Finger nach oben – ich habe einen Gegenspieler zu viel hier! Beim Mitlaufen suchte er sich dann den falschen Gegner aus, und auch Verteidigerkollege Siemen Voet dachte wohl, dass bis zur Pause nichts mehr passieren würde – Tranziska bedankte sich aus drei Metern Entfernung mit dem Ausgleich (45.+1).
Nach dem Seitenwechsel hätte das Spiel ganz kippen können, Sechzig überstand aber seine schwierigste Phase – mit einer Parade von Torwart Thomas Dähne und Pfostenglück – und verteidigte nach dem 2:1 durch das Eigentor von Thomas Meißner (57.) dann recht souverän. „Die ganze Mannschaft ist ruhig geblieben“, freute sich Voet, er selbst sei jetzt auch „stabil“, das sei in den vergangenen Wochen ja nicht immer so gewesen.
Gute Löwen-Laune stellte sich zwar nicht beim Betrachten des Spiels, aber beim Betrachten der Tabelle ein. „Wir können da vorsichtig hingucken“, meinte Voet mit Blick auf Rang drei, der gerade nur noch vier Punkte entfernt ist, „aber wir spielen noch nicht top.“ Kauczinski hingegen meinte: „Das ist Quatsch. Da braucht man jetzt nicht hingucken.“ Würden die Löwen jetzt auch noch die beiden verbleibenden Spiele vor der Winterpause gewinnen (auswärts beim FC Ingolstadt, zu Hause gegen den SC Verl), käme er damit allerdings nicht mehr durch.

