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TSV 1860 München:Schattenkader im Computer

Sechzigs Sportchef Günther Gorenzel nimmt Stellung zur Verpflichtung von Trainer Michael Köllner und wundert sich über Aussagen von Klubpräsident Robert Reisinger.

Günther Gorenzel, Sport-Geschäftsführer des Fußball-Drittligisten TSV 1860 München, war recht verwundert darüber, was Klubpräsident Robert Reisinger bei einem Treffen mit Politikern und Journalisten im Landtag erzählt hatte. Sechzig - ob nun durch Verantwortliche des e.V. oder der Profifußball-KGaA, der Gorenzel vorsteht - habe demnach den jetzigen Cheftrainer Michael Köllner bereits im Mai kontaktiert, es sei um ein Engagement in der Leitung des Nachwuchsleistungszentrums gegangen. Da Gorenzel ja stets betont hatte, erst nach dem Rückzug von Daniel Bierofka im November Kontakt zu Köllner aufgenommen zu haben, stand er nun aus seiner Sicht geradezu als Lügner da. "Mein Erstkontakt zu Michael Köllner war erst nach dem Rücktritt von Daniel Bierofka", betont Gorenzel daher, "an das erste Telefonat und darauffolgende persönliche Gespräch kann ich mich noch sehr genau erinnern."

Im Fußballgeschäft, so schnelllebig es auch ist, gehört es schließlich zum Ehrenkodex, mit neuem Personal erst zu sprechen, wenn das alte schon ordnungsgemäß gefeuert (oder in diesem Fall außerordentlich geflüchtet) ist. "Es zählt zu meinem Verantwortungsbereich, ständig für jede Spieler- und Mitarbeiterposition einen sogenannten Schattenkader zu führen", sagte Gorenzel der SZ. "Dieser Schattenkader und die dazugehörigen Personalien sind jedoch nur meinem Computer und mir vorbehalten. Daher war der Name Michael Köllner vor dem Rücktritt von Daniel Bierofka meinem Kenntnisstand nach bei 1860 auch nur in dieser Planungsdatei präsent." Von einer Kontaktaufnahme anderer Vereinsvertreter zu Köllner im Bezug auf die Leitung des Nachwuchszentrums wisse er auch nichts. Er habe "bereits mit dem Präsidenten zur medialen Berichterstattung der letzten Tage gesprochen", sagte Gorenzel.

Es sei "offensichtlich etwas missverstanden" worden - was Robert Reisinger dann auch noch selbst in einem am Donnerstagabend verschickten Schreiben bestätigte: "Es handelt sich um ein Missverständnis, dass Michael Köllner schon früher angesprochen worden ist. Dies ist nicht geschehen."

© SZ vom 24.01.2020
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