TSV 1860 MünchenDer Mitspieler namens Ungeduld

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Will nicht von einem Aufstieg reden: Manfred Paula (rechts, mit Trainer Markus Kauczinski).
Will nicht von einem Aufstieg reden: Manfred Paula (rechts, mit Trainer Markus Kauczinski). Ulrich Wagner/Imago
  • Der TSV 1860 München verpasst den Aufstieg in die zweite Liga und steht nach einem 0:0 in Saarbrücken mit sechs sieglosen Spielen in Serie da.
  • Geschäftsführer Manfred Paula will für die kommende Saison kein Aufstiegsziel mehr ausrufen.
  • Torschützenkönig Haugen und weitere Leistungsträger wie Volland und Niederlechner sollen bleiben, während Nachwuchstalent Lippmann den Verein ablösefrei verlässt.
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Nach dem verpassten Aufstieg und dem 0:0 in Saarbrücken laufen beim TSV 1860 München die Planungen für die kommende Saison. Geschäftsführer Manfred Paula zeigt sich defensiv – aber ob das bei den Löwen funktioniert?

Von Christoph Leischwitz

Volland steckt durch auf Niederlechner – eigentlich hatten Fans und Konkurrenz über die gesamte Drittliga-Spielzeit viel öfter erwartet, das zu sehen. Doch Florian Niederlechner erzielte bislang nur zwei Saisontore, am ersten und am zweiten Spieltag, er steht nach Monaten auf der Bank oder auf der Tribüne erst seit Kurzem überhaupt wieder in der Startelf. Die beiden Bundesliga-Haudegen hatten sich selbst angeboten, dem TSV 1860 München zu helfen, um endlich wieder in die zweite Fußball-Bundesliga aufzusteigen. Deshalb war es mit dem zusammengestellten Kader nur ehrlich gewesen zu sagen: Wir wollen aufsteigen! Nur, dass Geschäftsführer Manfred Paula das jetzt nicht mehr so sieht.

Am Samstagnachmittag, auswärts beim 1. FC Saarbrücken, war es mal wieder so weit: Volland steckte durch auf Niederlechner (38.). Niederlechner wollte den Ball per Grätsche ins ferne Eck befördern – traf aber nur den gegnerischen Torwart. Die Partie endete 0:0, auch ein ehrliches Ergebnis: Die Abwehr der Löwen hatte manchmal Glück, manchmal verrichtete sie gute Arbeit, so auch diesmal. Doch im Vergleich mit den Spitzenmannschaften fällt auf: Die Löwen haben einfach zu wenige Tore geschossen und auch diesmal bewiesen, dass sie zu Recht nicht auf einem Aufstiegsplatz stehen.

Jetzt stehen sechs sieglose Spiele in Serie zu Buche. Überhaupt, Serien: Das konnte den Löwen auch der erfahrene Trainer Markus Kauczinski nicht austreiben – ihnen fehlte die Konstanz über die gesamte Saison hinweg, meist auch über 90 Minuten. Diesmal sagte er zähneknirschend: „Losgelöst vom Ergebnis wünsche ich mir, dass meine Mannschaft guten Fußball spielt und sie das auch gerne tut – das Gefühl hatte ich heute nur phasenweise.“

Kauczinski hat mehrmals deutlich Defizite angesprochen in jenem Kader, der von den Drittliga-Trainern als Top-Favorit auf den Aufstieg erkoren war. Die Defizite liegen zuvorderst im spielerischen Bereich, was die Mannschaft in der Offensive ausrechenbar machte. Denn statt „Volland steckt durch auf Niederlechner“ hatte es ja viel öfter „Volland spielt langen Ball auf Haugen“ geheißen, die Variabilität bestand eigentlich nur darin, dass diese Bälle mal hoch, mal flach den Zielstürmer auf die Reise schickten. Dass der schnelle Sigurd Haugen mit bislang 14 Toren zum erfolgreichsten Zugang des hochgelobten Kaders wurde, hat auch mit der Ideenlosigkeit des Angriffsspiels zu tun.

Sigurd Haugen steht eine unangenehme Sommerpause bevor

Kevin Volland spielte selbst auch nicht konstant, und auch seine Aussagen über die eigene Mannschaft schwanken. Während er zum Ende einer Siegesserie Anfang März sagte, dass „jeder für jeden läuft“, hörte sich seine Saisonanalyse anders an. Im BR-Fernsehen sagte er über die Gründe, warum der Aufstiegskampf schon vorbei ist: „Wenn wir in der Crunchtime sind“, also in entscheidenden Spielen oder Spielphasen, „sind wir einfach nicht da. Und dann hat’s vielleicht mit Druck zu tun, dem wir dann nicht standhalten können. Und mit Mentalität in manchen Situationen.“

Paula, seit Ende September Geschäftsführer, tut das, was auch die Mannschaft am besten kann: Er geht in die Defensive. Es sei ein Fehler gewesen, den Aufstiegswunsch auszurufen, und er plant auch nicht, es für die kommende Saison zu tun: „Das Etikett werde ich nicht aufkleben“, sagt der 61-Jährige. Es ist bei 1860 München allerdings so: „Oben mitspielen“, wie Paula das Ziel für die kommende Spielzeit beschreibt, wird dem Umfeld nicht reichen; der nicht freiwillig verpflichtete Mitspieler namens Ungeduld wird immer mit in der Kabine sitzen.

Immerhin haben Paula und Kauczinski, der die Kaderplanung nach eigenen Aussagen mitgestaltet, schon einige Signale gesetzt. Torwart Thomas Dähne, nach Haugen wohl der zweiterfolgreichste Zugang, hat seinen Vertrag verlängert. Haugen sagt, dass er seinen erfüllen möchte und sich in München wohlfühle. Kauczinski sagt über Haugen: „Ich gehe davon aus, dass er bleibt.“ Dem Norweger steht eine unangenehme Sommerpause bevor, weil ihm nach seinem Kieferbruch im Herbst einige Zähne gezogen werden. Volland und Niederlechner bleiben auf jeden Fall erhalten, der Langzeitverletzte Tunay Deniz ebenso – es steht also schon einmal ein Gros an erfahrenen Kräften zur Verfügung. Die nächsten logischen Schritte wären die Vertragsverlängerungen mit Spielern wie dem langjährigen Kapitän Jesper Verlaat oder dem jüngst aufblühenden Raphael Schifferl. Kauczinski sagt, er habe keine Lust auf Wasserstandsmeldungen, das hört sich aber zumindest so an, als ob der Pegel ausschlägt.

Nicht mehr dabei sein wird der 19-jährige Stammspieler Clemens Lippmann, der auch gar nicht mehr im Aufgebot steht. Paulas Erklärung dazu bei MagentaSport ließ aufhorchen: 1860 dürfe sich bezüglich Lippmann nicht „mit fremden Lorbeeren schmücken“, er sei erst in der U19 zu den Löwen gestoßen. Und so „konnte er auch nicht die Affinität zu 1860 aufbauen“, er gehe deshalb nun einen anderen Weg. Einen ablösefreien überdies.

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