TSV 1860 MünchenDie Löwen gewinnen das Treffen der Enttäuschten

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Wegweiser: Sechzig-Stürmer Patrick Hobsch (li.) freut sich mit Clemens Lippmann über seinen Treffer zum 1:0.
Wegweiser: Sechzig-Stürmer Patrick Hobsch (li.) freut sich mit Clemens Lippmann über seinen Treffer zum 1:0. (Foto: Sven Leifer/Foto2press/Imago)
  • Der TSV 1860 München gewinnt gegen den 1. FC Saarbrücken mit 2:0 und klettert auf Tabellenplatz elf.
  • Patrick Hobsch trifft in der 13. Minute zur Führung, nachdem er erst zum zweiten Mal in dieser Saison in der Startelf stand.
  • Kapitän Thore Jacobsen verwandelt in der Nachspielzeit einen Elfmeter zum 2:0-Endstand und sichert den Sieg.
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Die entzauberte 1860-Mannschaft schlägt den 1. FC Saarbrücken, der sich ebenfalls viel mehr von dieser Saison erhofft hatte. Angreifer Patrick Hobsch steht erst zum zweiten Mal in dieser Spielzeit in der Startelf – und trifft.

Von Christoph Leischwitz

Zurzeit schwanken die Anhänger des TSV 1860 München zwischen ihrer zeitlos-bedingungslosen Unterstützung und einer nicht mehr wegzudiskutierenden Entzauberung einer Mannschaft, von der alle deutlich mehr erwartet hatten. Es war zwar nur ein Fan, der nach 62 Minuten auf der Haupttribüne „Volland raus“ rief, und dieser Frustschrei am Sonntagnachmittag hatte nicht einmal so sehr mit der Leistung des einstigen Nationalspielers zu tun; diese war zumindest besser als in vielen Spielen davor. Der 33-Jährige wurde fünf Minuten später sogar mit ein bisschen Applaus verabschiedet, als er tatsächlich rausmusste.

Die Leistung gegen den 1. FC Saarbrücken, einen weiteren Drittliga-Dino mit riesig enttäuschten Erwartungen, reichte zwar nicht, um sich endlich mal wieder verzaubern zu lassen. Doch immerhin lässt ein 2:0 (1:0)-Pflichtsieg die Mannschaft auf Tabellenrang elf klettern. „Der Blick nach unten“ ist jetzt nicht mehr „näher als nach oben“, wie Trainer Markus Kauczinski das noch am Freitag formuliert hatte. „Insgesamt sehr konzentriert“ fand er das Spiel seiner Mannschaft, mahnte aber auch an, dass man es deutlich früher hätte entscheiden können. Immerhin: „Wir haben den Gegner zu Fehlern gezwungen, das haben wir uns auch so vorgenommen“, sagte Patrick Hobsch, einer der Matchwinner der Löwen.

Kauczinski hatte vor dem Spiel angemerkt, dass die Mannschaft etwas gutzumachen habe; nach dem desaströsen 0:4 bei Jahn Regensburg hatte er auch Konsequenzen angekündigt. Gegen Saarbrücken bewies der neue Trainer gutes Timing: Angreifer Patrick Hobsch stand erst zum zweiten Mal in der laufenden Spielzeit in der Startelf und bewies dann schnell seinerseits gutes Timing: 40 Sekunden nach dem Ende des stillen Zwölf-Minuten-Protests, der sich am Wochenende durch alle deutsche Profistadien zog, traf der 31-Jährige zur bereits verdienten Führung (13.): Volland hatte sich den Ball erobert, war alleine aufs Tor gesprintet und eingeholt worden, nach seinem schwachen Abschluss konnte Hobsch dann aber überlegt abstauben.

„Das ist das erste Mal, dass ich diese Saison länger als 45 Minuten gespielt habe“, sagte Hobsch, „natürlich tut mir das extrem gut, natürlich geht das Thema nicht spurlos an einem vorbei. Ich hoffe, ich konnte dem Trainer heute zeigen, dass er immer auf mich setzen kann.“ Kauczinski sagte über Hobsch, der neben Sigurd Haugen in einer Doppelspitze agierte: „Es war insgesamt mein Gefühl, auf zwei Stürmer zu setzen, und Hobschi war einfach dran.“ Er habe diesmal ein sehr gutes Spiel gemacht, fußballerisch und kämpferisch „eine gute Mischung von all dem, was wir brauchen“.

Die Präsidentenposse um Mang und Hainer wird in den Fanblöcken der Roten und der Blauen wenig zimperlich kommentiert

Vor dem 1:0 hatten schon Marvin Rittmüller (9.) und Siemen Voet (10.) gute Einschussmöglichkeiten gehabt – es sollten die besten der gesamten Partie bleiben. Danach passierte vor allem von Sechzig-Seite lange nicht viel, die wieder schreienden und singenden Fans konnten sich auf andere Dinge konzentrieren. In Ermangelung direkter Duelle hatte die langjährige Rivalität zwischen dem roten und dem blauen München wenig Erzählstoff geboten, abgesehen von Fan-Scharmützeln außerhalb der Stadien. Jetzt haben die Vereinsverantwortlichen höchstselbst mal wieder Öl ins Feuer gegossen.

Kürzlich hatte Sechzigs Präsident Gernot Mang kundgetan, dass der Präsident des FC Bayern, Herbert Hainer, ihn auf einer Veranstaltung des Bayerischen Fußball-Verbands nicht erkannt hatte („Wer sind Sie? Von Sechzig? Und was machen Sie da?“). Am Samstag hatten Bayern-Fans dann Mang beleidigt: „Respekt muss Mang sich verdienen, du Hurensohn“ – „Mang“ war dabei in Blau geschrieben.

Vor dem Anpfiff gegen Saarbrücken erklärte Mang bei Magentasport: „Der FC Bayern hat mich persönlich beleidigt – ganz weit weg von Respekt. Wenn man Hurensohn sagt, ist die Grenze überschritten.“ Die Sechzig-Fans deeskalierten freilich auch nicht: „Jeder Rote ist ein Hurensohn – das weiß Mang schon“, war in der 20. Minute in der Westkurve zu lesen, und später noch: „Egal ob Uli, Karl-Heinz oder Hainer, in München respektiert euch keiner.“ Jetzt gibt es also wieder frischen Zündstoff.

Die Saarbrücker spielen auswärts zurzeit ähnlich glücklos wie die Sechziger und setzten dies konsequent fort: Aus aussichtsreichen Positionen verdaddelten sie beste Gelegenheiten und sie ließen sich, wie von Hobsch erwähnt, leicht zu Fehlern zwingen. Als in der Schlussphase die Löwen ihrerseits begannen, kurzzeitig im eigenen Strafraum zu schwimmen und Konterchancen liegenzulassen, da holte Kapitän Thore Jacobsen einen erlösenden Elfmeter heraus, als er von Joel Bichsel am Hals gepackt wurde – er verwandelte halbhoch, aber sicher (90.+1).

„War zwar kalt heute, aber hat gepasst“, freute sich Hobsch, nachdem er die Mannschaft zumindest schon einmal in der Heimtabelle auf Platz eins geschossen hatte. Der aber auch wie sein Trainer noch anmerkte: „Auswärts haben wir noch was gutzumachen.“ Weit fahren müssen sie nicht, am Samstag spielen sie beim zurzeit ebenfalls sehr verunsicherten SSV Ulm.

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