TSV 1860 MünchenAngeschlagen ungeschlagen

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Punkt-Garant: Max Reinthaler traf kurz vor Schluss zum 1:1.
Punkt-Garant: Max Reinthaler traf kurz vor Schluss zum 1:1. (Foto: Ulrich Gamel/Kolbert-Press/Imago)
  • Der TSV 1860 München erkämpft sich trotz elf Ausfällen ein 1:1 gegen Rot-Weiss Essen und sendet ein Signal im Aufstiegskampf.
  • Aufgrund der Personalmisere debütierte U21-Spieler Damjan Dordan in der Startelf, Noah Klose gehörte erstmals dem Drittliga-Kader an.
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Die Löwen erringen einer immensen Personalmisere zum Trotz ein 1:1 gegen Rot-Weiss Essen – und senden damit ein Signal im Aufstiegskampf.

Von Sebastian Leisgang

Der Busfahrer, der eine Flanke in den gegnerischen Strafraum schlägt, und der Zeugwart, der hochspringt und versucht, den Ball mit der Stirn ins Tor zu lenken: Es hätte ein durchaus interessantes Experiment werden können, wenn Markus Kauczinski dieses Duo aufgestellt hätte. So weit ging der Trainer des TSV 1860 München dann aber doch nicht, als er seinen Kader berief. Zwar fehlten ihm elf Spieler und damit eine gesamte Mannschaft, als die Löwen am Samstag auf Rot-Weiss Essen trafen – auf den Busfahrer oder den Zeugwart war er aber noch nicht angewiesen, im Gegenteil: Trotz aller Ausfälle gelang es Kauczinski, ein Team aufzustellen, das die Misere auf durchaus beachtliche Weise überwand und sich ein 1:1 erkämpfte.

Die eine oder andere Personalie, an der sich Sechzigs angespannte Lage zu Beginn des neuen Jahres ablesen ließ, gab es aber sehr wohl. Etwa Noah Klose, 20, der weder Busfahrer noch Zeugwart ist, sondern Sohn des Weltmeisters Miroslav und daher selbstverständlich von Geburts wegen Mittelstürmer. Eigentlich spielt er für die U21 in der fünftklassigen Bayernliga, doch am Samstag gehörte Klose erstmals dem Spieltagskader der Drittliga-Mannschaft an. Einer seiner Teamkollegen aus der Reserve – Damjan Dordan, 23 – stand bei seinem Debüt sogar auf Anhieb in der Startelf und wusste durchaus zu überzeugen.

Welche Blüten die Verletztenliste trieb, zeigte sich auch im Tor, das René Vollath zum ersten Mal seit dreieinhalb Monaten hütete. Hinterher nannte er diese Ausfälle „verhext“ und „brutal“, erklärte aber auch: „Es war unsere Herangehensweise zu sagen, wir brechen die Widerstände. Am Ende ist sowas für eine Teamdynamik mehr wert, als wenn alles immer super laufen würde.“

Davon, dass alles immer super läuft, ist Sechzig zwar schon laut Vereinssatzung ziemlich weit entfernt – was Vollath aber meinte, war der Kern der Botschaft, die von den 90 Minuten am Samstag ausging. Sie lautete: Der TSV 1860 ist auf dem rechten Weg und lässt sich auch von einer ganzen Reihe an Rückschlägen nicht davon abbringen.

„Wir haben in dieser Konstellation gezeigt, dass wir dranbleiben können“, sagt Kauczinski

Als Vollath in die Analyse ging, stand er auf grauen Pflastersteinen, interpretierte sie in gewisser Weise aber als Theaterbühne und war neben seiner präzisen Einordnung auch zu Scherzen und Sprüchen aufgelegt. So hatte sein Auftritt etwas Symbolhaftes für die Gemütslage der Löwen zum Jahresbeginn. Vollath verhehlte nicht, dass es etwas mit der Psyche der Mannschaft machte, als sich in den Tagen vor dem Spiel einer nach dem anderen abmeldete – er konnte aber auch darauf verweisen, welch erwachsenen und reifen Umgang Sechzig damit gefunden hatte.

Das war also die Deutung dieses 1:1, das Innenverteidiger Max Reinthaler nach einer Ecke kurz vor Schluss hergestellt hatte: Ein Ergebnis, das unter normalen Umständen zu wenig gewesen wäre, diente angesichts der Personalsituation als Mutmacher. Auch Kauczinski ordnete den Auftritt seines Teams vor allem als Signal ein. „Essen ist ein Spitzenteam, wir wollen uns ranrobben und haben in dieser Konstellation gezeigt, dass wir dranbleiben können“, sagte Sechzigs Trainer.

Vor der Winterpause hatte er mit seinem Team vier von fünf Spielen gewonnen und sich damit in Stellung gebracht. Aktuell sind es sechs Punkte, die die Löwen vom Relegationsrang trennen, ebenso viele von einem direkten Aufstiegsplatz. Und schon bald dürfte Kauczinskis Team noch mehr Schlagkraft entwickeln, wenn der eine oder andere aus dem Verletztenstand zurückkehrt. Für den Busfahrer und den Zeugwart heißt das: Sie bleiben Busfahrer und Zeugwart. Aber vermutlich ist das auch in ihrem Sinne.

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