TSV 1860 München Post von Dr. Schummer

Ahnte er da schon, auf was er sich einlässt? Robert Reisinger (l.) bei seiner Vorstellung als 1860-Präsident 2017.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

1860 verschickt einen Brief eines Mitglieds an mehr als 17000 Mitglieder. Das darin kritisierte Präsidium will dies zunächst verhinden, lenkt aber ein - um einen Rechtsstreit zu verhindern.

Von Markus Schäflein

Der 70 Jahre alte Allgemeinmediziner Thomas Schummer aus Mainburg hat eine Wahlempfehlung für die Mitgliederversammlung des TSV 1860 München am Sonntag - besser gesagt: eine Nicht-Wahlempfehlung. "Durch den vom Präsidium (...) ausgerufenen "Konsolidierungskurs" drohen unsere geliebten Löwen für alle Zeiten in der Amateurfalle zu verschwinden", schreibt das Vereinsmitglied in einem Brief, den er über die Geschäftsstelle des Klubs an alle wahlberechtigten Mitglieder verschicken ließ, auf eigene Kosten. "Wenn Sie ebenfalls um die Zukunft unserer geliebten Löwen besorgt sind, bitte ich Sie aufrichtig: Stehen Sie auf für unsere Löwen. Überwinden Sie ihre Bequemlichkeit oder auch Ihre Resignation! Kommen Sie in den Zenith und setzen Sie ein Zeichen für die Zukunft!" Am Montag gingen die mehr als 17 000 Arztbriefe in die Post und per Email raus.

Das von Schummer kritisierte Präsidium um Robert Reisinger hatte den Versand zunächst abgelehnt, sich dann aber schnell anders entschlossen - aus juristischen Gründen, wie es in einem begleitenden Schreiben erläutert. Schummers Brief enthalte zwar keinen "konkreten Antrag für die Versammlung des e.V., sondern Thesen allgemeiner Natur in Bezug auf die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA, den Profifußball. Seinem Schreiben fehlt es mithin an der erforderlichen Relevanz. (...) Mit der Sachlage konfrontiert, bot Präsident Robert Reisinger Herrn Dr. Schummer an, seinem Anliegen durch eine Veröffentlichung des Schreibens auf der Vereinswebsite Gehör zu verschaffen", hieß es darin: "Herr Dr. Schummer schlug diesen Vorschlag des Präsidenten aus und droht dem TSV München von 1860 e.V. mit einer Klage vor Gericht, falls sein Schreiben nicht durch die Geschäftsstelle des Vereins postalisch versandt würde."

Und was passieren kann, wenn die Beschlüsse von Mitgliederversammlungen angefochten werden, wissen die Löwen aus dem Prozessmarathon ihres Mitglieds Helmut Kirmaier noch genau. "Um die kommende Mitgliederversammlung nicht im Nachgang durch langwierige Rechtsstreitigkeiten zu belasten, kommt der TSV München von 1860 e.V. - ausdrücklich ohne Anerkennung einer rechtlichen Verpflichtung - deshalb der Aufforderung Herrn Dr. Schummers hiermit nach", teilte das Präsidium mit.