TSV 1860 München Notfalls per Weisung

Drittligist 1860 schließt einen Sponsoring-Deal mit dem Hauptsponsor ab, auch gegen den ausdrücklichen Willen von Investor Hasan Ismaik.

Von Philipp Schneider und Markus Schäflein

Die groß angekündigte Demonstration gegen "Amateurisierungstendenzen" beim Fußball-Drittligisten TSV 1860 München, also pro Investor Hasan Ismaik, fand dann doch nicht statt. Stattdessen verfasste der 70-jährige Allgemeinmediziner und Wutlöwe Thomas Schummer einen Protestbrief, der von einigen Löwenlegenden wie Karsten Wettberg, Werner Lorant und Thomas Miller unterzeichnet wurde. Am Dienstag blieb es also ruhig am Gelände, als zwei Spieler zur Probe beim Training erschienen: Stürmer Sascha Marinkovic (rechts im Bild), 26, der zuletzt aus privaten Gründen ein halbes Jahr pausierte und davor bei Wacker Burghausen spielte. Und Mittelfeldspieler Tim Wöhrle, 20, bislang Reservist bei Hoffenheim II. Ob diese oder andere Akteure, vor allem ein starker Innenverteidiger, verpflichtet werden können, hing zum Zeitpunkt der ersten Übungseinheit an der Grünwalder Straße noch an einer Frage: Würde die Profifußball-KGaA eine Sponsoringerweiterung des Versicherers "Die Bayerische" annehmen, gegen den sehr ausdrücklichen Willen Ismaiks? Geschäftsführer Michael Scharold, zuletzt von Ismaik heftig attackiert, hatte noch einige Umstände zu prüfen; ihm drohte bei Annahme des Angebots eine Klage der Investorenseite.

Am Nachmittag dann sickerte die Kunde durch, dass 1860 das Sponsoring in jedem Fall annehmen würde, notfalls auch ohne Zustimmung Ismaiks. Im Prinzip war das keine Sensationsmeldung. Die zustimmungspflichtigen Geschäfte von Sechzigs Geschäftsführern sind haarklein festgehalten in der "Geschäftsordnung für die Geschäftsführung der TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH". Ismaik hatte zuletzt betont, "die Namensrechte am Nachwuchsleistungszentrum" stünden "auch mit zeitlicher Begrenzung nicht zum Verkauf". Nach SZ-Informationen kamen indes die von Vereinsvertretern befragten Gesellschaftsrechtler zu dem Ergebnis, dass Ismaik ein solches Geschäft gar nicht verhindern darf.

Um Geschäftsführer Scharold gänzlich aus der persönlichen Haftung zu nehmen, blieb den e.V.-Vertretern am späten Nachmittag als ultima ratio die Möglichkeit, eine explizite Weisung an Scharold auszusprechen, den Sponsoring-Vertrag zu unterzeichnen. Dieses Weisungsrecht besitzen bei 1860 allein die Vereinsvertreter, nicht jedoch die Investorenseite. Die Deutsche Fußball-Liga verankerte diese Befugnis 2011 im Kooperationsvertrag, um sicherzustellen, dass die Vereinsvertreter stets Herr im Hause bleiben würden.

In den vergangenen Tagen und Wochen war es im Streit der Gesellschafter ohnehin nur noch um die Frage gegangen, ob die Investorenseite ein besseres Angebot unterbreiten würde als der Hauptsponsor. Als Ismaik dann am Sonntagabend kein eigenes Sponsoring, sondern lediglich ein weiteres Darlehen ankündigte, war absehbar, dass eine Einigung sehr unwahrscheinlich sein würde. "Wenn der Vertrag mit der Bayerischen unterschrieben ist, wird die Geschäftsführung eine Stellungnahme abgeben", kündigte Vereinspräsident Robert Reisinger an. Die Frage war nur noch das wann, nicht länger mehr das ob.