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TSV 1860 München:Die Vereinsvertreter organisieren den Wiederaufbau in Liga vier

Auch im Todeskampf windet sich der Giesinger Arbeiterklub noch mit so viel Lärm, wie man es zeitlebens von ihm kannte. An jeder Stelle treten nun Protagonisten an die Oberfläche und geben sich gegenseitig die Schuld. Sogar der zurückgetretene Vereinspräsident Peter Cassalette, der den verheerenden sportlichen Kurs gemeinsam mit Ismaik verantwortet hatte, meldete sich in dem Fanblog Blaue24 zu Wort. Er gab dem Verwaltungsrat und Torwart Stefan Ortega die Schuld am Niedergang des Klubs - und rief ebenfalls zum Sturz von 50+1 auf. "Wie kann es sein", fragt Cassalette, dass der Geschäftsführer der Firma, welche durch Ismaik finanziert werde "und an der er die Mehrheit hält, nicht von ihm bestimmt werden kann? Der deutsche Fußball muss sich überdenken."

Derweil organisieren diejenigen Vereinsvertreter, die noch da sind, den Wiederaufbau in der Regionalliga. Die devote Haltung unter Cassalette, der alle Vorgaben von Ismaik "bis fast zur Selbstverleugnung" mitgetragen habe, wie es Vizepräsident Heinz Schmidt ausdrückte, solle Geschichte sein. Ab jetzt, so ist zu hören, will 1860 die gute alte 50+1-Regel erst so richtig leben - erstmals wohl schon in der Frage nach der Besetzung des Geschäftsführer-Postens, in der die Fronten am Montag nach wie vor verhärtet waren. An diesem Dienstag soll der neue Mann, der nicht, wie von Ismaik gewünscht, wieder Anthony Power heißen wird, präsentiert werden.

Schon am Samstag wurde der bisherige stellvertretende Verwaltungsratschef Robert Reisinger zum Übergangspräsident. "Mein Ziel ist es, mit Hilfe unserer exzellenten Jugendarbeit auch den Erwachsenenbereich wiederaufzubauen", sagte Reisinger. Das klang nicht so, als werde das Import-/Export-Geschäft mit Spielern und Trainern aus aller Welt fortgesetzt. Der TSV 1860 plant seine Zukunft offensichtlich ohne Ismaik - und ohne dessen Geld.

So kommt es jetzt am 2. Juli zu einer Kampfabstimmung der Mitglieder darüber, ob 50+1 stärker oder weniger stark gelebt werden soll. Die beiden Seiten bereiten sich bereits vor. Die große Fanorganisation Arge, die noch immer auf Ismaiks Seite steht, sammelt 500 Unterschriften für eine Amtsenthebung von Vizepräsident Sitzberger ("Ich hätte gerne eine freie Fußballwelt bei Sechzig") und diversen Verwaltungsräten. Gegner Ismaiks wiederum haben beim Vereinsrat ein Vereinsausschlussverfahren gegen den Jordanier beantragt - wegen "vereinsschädigendem Verhalten in den letzten Tagen", "Denunzierungen der Mitglieder" und "Erpressungsversuchen".

Der beliebte Münchner Stadtpfarrer Rainer Schießler hat sich jedenfalls schon klar und blumig positioniert. Sechzig sei unter Ismaik in eine "babylonische Gefangenschaft" geraten und brauche nun einen "totalen, radikalen Neuanfang". Dabei sollten alle Anhänger mithelfen, findet der Pfarrer. "Gerade in der Not braucht man Freunde, oder wie Jesus von Nazareth sagt: Die Kranken zu heilen bin ich gekommen, nicht die Gesunden."

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