TSV 1860 München:Fünf Neue in einer Woche

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Der für Löwenfans sicherlich prominenteste Zugang: Patrick Hobsch (Mitte, mit Trainer Argirios Giannikis, l., und Geschäftsführer Christian Werner) tritt in die Fußstapfen seines Vaters Bernd. (Foto: TSV 1860/oh)

Nach der enttäuschenden Saison bauen die Löwen ihren Kader deutlich um. In den Verpflichtungen zeigt sich ein recht klarer Plan - und Angreifer Joel Zwarts darf sich angegriffen fühlen.

Von Christoph Leischwitz

Die gerade abgelaufene Saison des TSV 1860 München wird ganz sicher nicht unter den ruhmreichen verbucht, aber eines muss man den Löwen lassen: Nimmt man allein die Zahl der Gegentore zum Maßstab, waren sie defensiv Spitze in der dritten Fußball-Liga, sie teilen sich da mit nur 42 Gegentreffern den dritten Platz (mit dem echten Dritten Jahn Regensburg). Das Problem war nur, dass die Mannschaft mit 40 Toren offensiv gesehen Drittletzter wurde. So ist es nicht verwunderlich, wo die beiden neuen Geschäftsführer Verbesserungsbedarf gesehen hatten, als sie während der austrudelnden Saison den nächsten Kader zusammenstellten.

Bis Freitag wurden fünf neue Spieler vorgestellt, zwei davon sind Mittelstürmer. Selbst beim neuen Linksverteidiger Florian Bähr, 21, erklärte Geschäftsführer Christian Werner gleich mit, dass sich der 21-Jährige "mit viel Offensivdrang in die Vorwärtsbewegung einschalten kann". In der Abwehr gab es zudem die wenigsten Weggänge, außerdem kehrt Innenverteidiger Niklas Lang nach einer Leihe an den SC Freiburg II zurück, wo er, falls das nochmal nützlich werden sollte, viel über den Abstiegskampf in der dritten Liga lernen konnte.

Demnächst soll in Maximilian Wolfram (SC Verl) noch ein weiterer Mittelstürmer präsentiert werden. Allzu viel dürfte dann gar nicht mehr passieren, ehe am 22. Juni das Training für die kommende Spielzeit startet. Was freilich auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Geschäftsführer mit einem kleineren Budget planen müssen als ihre Vorgänger.

Der für Löwenfans sicherlich prominenteste Zugang ist Patrick Hobsch, und das nicht nur, weil er der Sohn von Bernd Hobsch ist, der immerhin 18 Bundesligatore für die Sechziger erzielte. Der Sohnemann erhält dieselbe Rückennummer wie einst der Papa, die 34. Prestige und Strahlkraft dürften ein entscheidender Faktor gewesen sein, denn Hobsch kommt vom Lokal- und Ligarivalen SpVgg Unterhaching, der vergangene Saison erfolgreicher spielte und deutlich weniger Unruhe verspricht. Es sei etwas Besonderes, in die Fußstapfen des Vaters zu treten, erklärt Hobsch. "Noch wichtiger ist jedoch, dass ich hier meinen eigenen Weg gehen möchte, meine eigenen Erfolge sammle und diesem großartigen Verein helfe, erfolgreich zu sein", so der 29-Jährige.

Giannikis weist darauf hin, dass er nicht bei "Wünsch dir was" arbeitet

Sein neuer Kollege und Konkurrent im Angriff, Fabian Schubert (FC St. Gallen), ist noch einmal sechs Wochen älter, bringt also auch recht viel Erfahrung mit. Besonders erfolgreich war er als Kapitän von Blau-Weiß Linz in der zweiten österreichischen Liga. Wenn es also jemanden im aktuellen Löwenkader gibt, der sich durch die neue Personalpolitik angegriffen fühlen darf, dann ist das Angreifer Joel Zwarts, der sich zuletzt auch nicht gegen den scheidenden Fynn Lakenmacher durchsetzen konnte. Zwarts dürfte zudem einer der bestbezahlten Spieler im Kader sein. Sollte er den Verein noch verlassen, würde das den Handlungsspielraum für weitere Verpflichtungen erhöhen.

Obendrein ist der von Absteiger Hallescher FC verpflichtete Tunay Deniz ein torgefährlicher Mittelfeldspieler, der etwas dahinter spielende David Philipp (Viktoria Köln) zudem ein guter Vorlagengeber. Fraglich ist allerdings immer noch, ob Tim Rieder im defensiven Mittelfeld weiter die Strippen ziehen wird. Er ist ein Lieblingsspieler von Trainer Argirios Giannikis, er würde nach SZ-Informationen auch gerne in München bleiben, doch sein Vertrag wurde weiterhin nicht verlängert - offensichtlich geht es noch um die Frage, wie viel 1860 München ihm fortan zahlen will und zahlen kann.

Im Schnitt sind die neu Verpflichteten relativ alt, bringen aber trotzdem wenig höherklassige Erfahrung mit. Die Regale, in die 1860 München greift, sind nicht mehr so weit oben angebracht, wie das schon einmal der Fall war. Nun hatte Argirios Giannikis ohnehin nach dem letzten Saisonspieltag gegen Arminia Bielefeld (0:2) darauf hingewiesen, nicht bei "Wünsch dir was" zu arbeiten. In den Verpflichtungen zeigt sich aber doch ein recht klarer Plan, den der 43-jährige Trainer schon unmittelbar nach seiner Verpflichtung im Januar verfolgte: Giannikis baut auf schnelle Spieler, die auch mit wenig Ballbesitz maximale Torgefahr ausstrahlen können. Sollte der Plan aufgehen, hätte das den großen Vorteil, dass er an der funktionierenden Abwehr nicht viel ändern müsste.

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