TSV 1860 MünchenDer Jahn zieht die Löwen Richtung Abstiegszone

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„Totalabsturz“: Die Sechziger, am Ball Sigurd Haugen, kamen mit dem erwarteten Kampfspiel ganz und gar nicht zurecht.
„Totalabsturz“: Die Sechziger, am Ball Sigurd Haugen, kamen mit dem erwarteten Kampfspiel ganz und gar nicht zurecht. (Foto: Ulrich Wagner/Imago)
  • Der TSV 1860 München verliert das Drittliga-Derby gegen Jahn Regensburg deutlich mit 0:4 und zeigt dabei eine schwache Leistung.
  • Trainer Markus Kauczinski ist fassungslos über den "Totalabsturz" seiner Mannschaft, die das angekündigte Kampfspiel nicht angenommen habe.
  • Durch die Niederlage wird die Tabellensituation für die Löwen bedrohlich, zudem fällt Kreativspieler Tunay Deniz nach einer Operation monatelang aus.
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Der TSV 1860 geht im Drittliga-Derby gegen Regensburg mit 0:4 unter. Trainer Kauczinski ist fassungslos – und die Lage in der Tabelle wird plötzlich bedrohlich.

Von Christoph Leischwitz, Regensburg

Die Löwen hatten sich entschieden, erst am Sonntag in die Oberpfalz zu fahren; es wurde eine trübe Angelegenheit. Je weiter der Mannschaftsbus fuhr, umso düsterer wurde es, und als dann in einem gefühlten Abendspiel um 16.30 Uhr der Anpfiff ertönte, schwebten auch im Stadion Nebelschwaden herum. Zum letzten (und bislang einzigen) Mal auswärts ein Drittligaspiel gewonnen hatte 1860 München Ende August in Aachen (2:0), bei 23 Grad und gelegentlichem Sonnenschein. Und eigentlich hatten alle gedacht, dass die Mannschaft von Markus Kauczinski in Regensburg ein akustisches Heimspiel feiern könnte, doch es kam ganz anders. So schüchtern wie an diesem 14. Spieltag hatte man Sechzig lange nicht gesehen, so dominant hatte man umgekehrt auch Jahn Regensburg lange nicht gesehen.

Im Juli hatte Sechzig, damals in beeindruckender Frühform, das letzte Testspiel vor dem Saisonstart in Regensburg 4:0 gewonnen. Die Rollen waren am Sonntagabend endgültig getauscht, als der eingewechselte Philipp Müller den 4:0-Endstand erzielte (86.), und das war dann mehr als eine Revanche für eine Klatsche in der Vorbereitung, es war eine Demütigung. „Ich bin fassungslos. Das war ein Totalabsturz, wir sind überhaupt nicht reingekommen, Jahn Regensburg war in allen Belangen überlegen“, sagte Sechzigs Trainer Markus Kauczinski bei Magentasport. Er habe ein Kampfspiel angekündigt, „das haben wir aber nicht angenommen“.

Warum nicht, das vermochte auch der Trainer nach dem Spiel nicht zu analysieren. „Alles, was man für ein Derby braucht, haben wir heute nicht geliefert“, sagte er auf der Pressekonferenz. „Wir waren überhaupt nicht vorhanden, in allen Bereichen von der ersten bis zur letzten Minute unterlegen und zu keinem Zeitpunkt auf Augenhöhe. Ich hatte gehört, dass da so ein Gesicht ist bei meiner Mannschaft, ich hatte das bisher noch nicht gesehen. Wir hatten einiges aufgebaut in den vergangenen Wochen, was wir heute umgeworfen haben. Das tut weh.“

Was auch weh tut: Nach der Niederlage beim nun direkten Konkurrenten hat 1860 plötzlich nur noch zwei Zähler Abstand auf die Abstiegsplätze.

Schon nach knapp zwei Minuten hatte Regensburgs Benedikt Bauer den ersten Torschuss abgegeben, fortan kamen die Sechziger über weite Strecken gar nicht mehr aus ihrer Hälfte heraus. Kauczinski hatte vor dem Spiel die Präzision seiner Spieler beim letzten und vorletzten Pass vor dem Torabschluss kritisiert; genau dies war die Stärke der Gastgeber in diesem Spiel, immer wieder kamen die Jahn-Spieler auch auf engem Raum in gute Position. Völlig frei zum Schuss kam hingegen erneut Bauer nach einem Pass in den Rückraum aus 16 Metern, er traf die Querlatte (10.). Mit zunehmender Spieldauer kam Sechzig zwar zu Konterchancen, spielte diese aber meist schlampig aus (19., 27.). Die Jahn-Führung nach 32 Minuten war hochverdient: Eingeleitet mit einem schönen Chip-Ball von Sebastian Stolze kam Lucas Hermes an den Ball, machte noch einen Haken und schob ein.

Überraschender Besuch war auf der Haupttribüne zu sehen. Dort unterhielt sich der ehemalige 1860-Vizepräsident Hans Sitzberger mit ehemaligen 1860-Geschäftsführern: Marc-Nicolai Pfeifer (Rot-Weiss Essen) und dem erst kürzlich freigestellten Christian Werner. Und das in Zeiten, in denen Regensburg einen neuen Geschäftsführer sucht. Wenige Meter weiter rechts saß Regensburgs Trainer Michael Wimmer, der wegen einer roten Karte im dramatischen 3:4 bei Erzgebirge Aue gesperrt war. Immer wieder rief der Coach Kommentare ins Feld, zum Beispiel „Gelb-rot, Schiri!“ – damit war Kevin Volland gemeint, der zwar nicht Gelb-rot sah, aber von Kauczinski zur Pause ausgewechselt wurde.

Regensburg bekommt einen Elfmeter – „den ersten der Saison!“, wie Trainer Wimmer anmerkt

Nach dem Seitenwechsel verdichtete sich der Nebel aufgrund eines beachtlichen Regensburger Pyrotechnik-Einsatzes; als es fünf Minuten später weiterging, wurde es dann aber auch für Wimmer deutlich spannender. Gerade hatten die Sechzig-Fans das rituelle „Mit Leib und Seele“ in der 60. Minute angestimmt, da setzte Sigurd Haugen einen Kopfball an die Latte, der eingewechselte Niederlechner versenkte den Ball auch nicht. Kurzzeitig waren die Sechziger am Drücker, sie ließen sich aber offenbar von den Gegenstößen des Jahn beeindrucken und verfielen bald wieder in Lethargie.

In der 75. Minute stand der 19-jährige Verteidiger Leopold Wurm nach einem Eckball völlig unbedrängt am hinteren Pfosten und drückte den Ball über die Linie. Die Kopfballverlängerung hatte Eric Hottmann gegeben, der vier Minuten später auch noch im Zweikampf mit Sean Dulic einen Elfmeter herausholte – „den ersten der Saison!“, wie Wimmer anmerkte. Noel Eichinger verwandelte sicher.

Immerhin stehen die Chancen der Löwen, das nächste Auswärtsspiel zu gewinnen, etwas höher: Am Mittwoch tritt Sechzig beim Regionalligisten TSV Aubstadt zum Toto-Pokal-Viertelfinale an. Bis dahin werde sich „schon was verändern, ich kann nach so einem Ding nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagte Kauczinski. Zunächst aber überwog bei allem der Ärger über die Demütigung in Regensburg. Verteidiger Max Reinthaler sagte: „Ich weiß nicht, wie viele entscheidende Zweikämpfe oder wie viele überhaupt wir für uns entscheiden konnten“, man müsse das jetzt „knallhart ansprechen“. Und Kapitän Thore Jacobsen: „Am Ende bringt auch das Aufbäumen von ein, zwei, drei Leuten nichts, das war ein Kollektivversagen.“

Unter der Woche war Tunay Deniz operiert worden, mutmaßlich nach einem Kreuzbandriss. Trainer Kauczinski hatte eingeräumt, dass man über eine Nachverpflichtung für den Langzeitverletzten nachdenke. Deniz gilt als wichtiger Kreativspieler, sein monatelanger Ausfall trifft die Löwen aber doppelt hart, denn der 31-Jährige war im Spiel gegen Energie Cottbus vor allem wegen seiner kämpferischen Leistung aufgefallen. Den Fans hatte Deniz aus dem Krankenbett mit erhobenem Daumen über die Sozialen Medien mitgeteilt: „Jetzt heißt es fokussieren, arbeiten und stärker zurückkommen (…) Bis bald auf dem Platz!“ Alle Anhänger der Sechziger dürften ihn und seine Einstellung am Sonntag schmerzlich vermisst haben.

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