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TSV 1860 München:Das Trainerprofil lag schon lange in der Schublade.

Ab seinem zehnten Lebensjahr wurde er auf einer Klosterschule in Weiden sozialisiert, dort seien ihm Werte vermittelt worden, die es auch bei einem Traditionsklub gebe. Und "der größte Wert des Lebens" sei es, "Menschen kennenzulernen". Daher wolle er auf alle Personen bei Sechzig zugehen. Und überhaupt: "Ein Verein ist dann am stärksten, wenn er einig ist."

Neben Köllner sitzt Günther Gorenzel, Geschäftsführer Sport bei 1860. "Herzlich willkommen in der Höhle der Löwen", begrüßt er den neuen Trainer. Gorenzel spricht an diesem Tag als Erster, um gleich zu Beginn eine in Fankreisen beliebte Zerfleischungstheorie zu entkräften: dass nämlich die Verpflichtung Köllners schon festgestanden habe am vergangenen Dienstag, als der Aufstiegstrainer Daniel Bierofka um Auflösung seines Vertrages gebeten habe. Das habe sich mitnichten so abgespielt. Aber zwei Dinge seien ihm klar gewesen, sagt Gorenzel, nach dem "Rücktritt" von Bierofka: "Wir brauchen schnell eine Lösung. Und wir brauchen eine überzeugende Lösung." Zum Glück haber er in diesem Moment bereits "ein klares Trainerprofil" gehabt, "das seit Monaten bei mir in der Schublade liegt". Es sei auch so: Er habe Profile für sämtliche Positionen, die es bei 1860 gibt, bei sich in der Schublade liegen.

TSV 1860 München Er hat schon einmal einen Löwen großgezogen
Michael Köllner bei 1860 München

Er hat schon einmal einen Löwen großgezogen

Michael Köllner soll beim TSV 1860 München kostengünstiger arbeiten als sein Vorgänger Daniel Bierofka. Es musste eben schnell gehen.   Von Philipp Schneider

Auf der Grundlage dieses Schubladenprofils habe er im Laufe des Mittwochs mit den ersten Kandidaten Kontakt aufgenommen. Die Kontaktdaten von Köllner habe er leider erst sehr spät bekommen, gesprochen habe er ihn daher erstmals zu fortgeschrittener Stunde am Mittwoch. "Aber außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen: Ich habe Michael im Schlafanzug erreicht." In der Tat habe Gorenzel bei ihm durchgeklingelt, als er gerade Champions League im Fernsehen geschaut habe, bestätigte Köllner.

Spieler zu entwickeln, sei wichtig - auch um die DNA des Vereins zu wahren

Tja, und dann sei eben alles ganz flott gegangen: Nachdem sie sich am Donnerstag zum ersten Mal getroffen und lang ausgetauscht hatten. "Ich hatte das Gefühl, der Verein hat richtig Bock auf mich", erzählt Köllner. Eine Theorie, die Gorenzel bestätigt: Köllner sei der richtige Mann für die Nachfolge Bierofkas, denn das, "was in den kommenden Wochen und Monaten auf 1860 zukommt", das habe Köllner "in sehr, sehr ähnlicher Form" in seiner Zeit beim 1. FC Nürnberg schon geschafft. Beim Club hatte der vom Leiter des Nachwuchsleistungszentrums zum Trainer beförderte Köllner bewiesen, dass er junge Spieler entwickeln und sie gar zu einer Aufstiegsmannschaft formen kann.

Nachdem Köllner im Februar beim Club wegen Erfolglosigkeit in der ersten Liga entlassen wurde, soll er nun bei den Münchnern Nachwuchs- und Profibereich enger miteinander verzahnen. Spieler zu entwickeln sei wichtig, auch um die DNA des Vereins zu wahren, sagt Köllner. Sein Ziel sei es, eine "sorgenfreie Saison" zu erleben und an den Spieltagen eine "scharfe Mannschaft" auf den Platz zu schicken. Denn "der Löwe an sich" sei ja "ein souveränes, ein starkes, ein kräftiges Tier". Mithin ein Tier, das "immer die Hoheit unter den Tieren haben muss".

Köllner hat schon bewiesen, dass er mit wenig Geld viel sportlichen Erfolg erzielen kann. So etwas wünschen sie sich auch bei 1860. Seit die Vereinsführung nach dem Doppelabstieg 2017 beschlossen hat, fortan in Autarkie von Ismaiks Darlehen zu leben. Was Köllner also vor zwei Jahren an einer Tankstelle an der Grünwalder Straße beobachte, war die Grundlage für seine spätere Einstellung bei 1860.

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