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TSV 1860 München:Investor Ismaik ist in der Stadt

Hasan Ismaik

Er ist mal wieder da: Löwen-Gesellschafter und Investor Hasan Ismaik

(Foto: imago sportfotodienst)
  • Der jordanische Investor Hasan Ismaik ist in München, wo er 60 Prozent der Anteile am Fußball-Zweitligisten TSV 1860 hält.
  • Es gehe ihm "nicht nur um einen Sportdirektor", sagt Ismaik. "Es geht um einen neuen Plan für den ganzen Klub."
  • Vereinsvertreter hoffen auf erhebliche Fortschritte bei der Zusammenarbeit mit dem Jordanier.

Hasan Ismaik ist tatsächlich wieder einmal in München, um sich dem Fußball-Zweitligisten TSV 1860 zu widmen, an dem ihm schließlich 60 Prozent der Anteile gehören. Erstmals seit Dezember 2014, obwohl er mal freudig erzählt hat, er fliege "110 Stunden im Monat. Das war sogar meinem Piloten zu viel. Er hat gekündigt." An diesem Donnerstagnachmittag jedenfalls beabsichtigt der jordanische Investor nach eigenen Angaben, die Vereinsvertreter zu treffen. "Wenn man eine Firma hat, muss man sich darum kümmern", sagte Ismaik nach seiner Ankunft am Mittwoch der SZ. "Manchmal passiert etwas, das eine Lösung erfordert."

Und bei den Löwen ist mal wieder sehr viel passiert. Unter anderem hat der degradierte Sportchef Gerhard Poschner gekündigt, Ismaiks Cousin Noor Basha die Position des Sport-Geschäftsführers übernommen, der frühere Scout Necat Aygün verantwortet die Transferverhandlungen. "Es geht nicht nur um einen Sportdirektor", sagte aber Ismaik. "Es geht um einen neuen Plan für den ganzen Klub. Das Management braucht Unterstützung, wir müssen eine Lösung für alle Probleme finden."

Gibt Ismaik Geld für einen Sportchef frei?

Die Zahl der Pläne für den Klub (einer hieß sogar mal "Dreijahresplan"), die es mal gegeben hat, ist inzwischen schon fast so hoch wie die Zahl der Probleme, die es immer noch gibt. Mit dem unterstützenswerten Teil des Managements wiederum kann Ismaik nur jenen meinen, der bei 1860 den Sport verantwortet: Dort sind in Cousin und Pharmazeut Basha sowie Marketingexperte Rejek bekanntlich zwei ausgewiesene Fußball-Laien - ob ungewollt oder nicht - in verantwortliche Position geraten. Eine der wichtigsten Fragen, die Übergangspräsident Siegfried Schneider beschäftigen wird, ist sicher, ob Ismaik bei seinem Besuch das Geld für einen neuen Sportchef freigeben wird. Und ob überhaupt jemand bei 1860 anfangen möchte, der bessere Arbeit leistet als Scout Aygün.

Schneider wollte am Mittwochnachmittag so wenig wie möglich zu dem Treffen mit Ismaik bestätigen oder kommentieren. "Ich habe noch keinen Anruf erhalten, wann und wo es stattfindet", sagte er lediglich vielsagend nichtssagend. Womit er das bekannte Dilemma bei Sechzig umschrieb, dass selbst die Präsidiumsmitglieder nie wissen, ob ein angekündigtes Treffen mit ihrem geheimnisvollen Mehrheitsgesellschafter wirklich über die Bühne geht. Und selbst wenn - ob dann überhaupt etwas beschlossen wird. Ein ehemaliger Insider bei Sechzig umschrieb das Dilemma mal so: "Wir wussten immer erst, dass Ismaik wirklich da war, wenn wir die Information hatten, dass er wirklich gelandet ist." Und der ehemalige Präsident Gerhard Mayrhofer sagte: "Wir konnten nie mit ihm über das wirkliche Geschäft reden." Es habe ihn "nicht interessiert".

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"Ein deutscher, erfahrener Vorstand eines Großunternehmens"

Eine weiteres Problem ist der Beirat der Fußball-KGaA, in dem mindestens eine Position neu besetzt werden muss. Das Gremium entscheidet über Berufung und Abberufung der Geschäftsführer bei 1860. Daher wirft die Beförderung des ehemaligen Beiratsmitglieds Basha zum Geschäftsführer viele Fragen auf. Falls Basha noch Beiratsmitglied ist, konnte er nicht Geschäftsführer werden - weil er sich sonst kontrollieren dürfte. Und falls er nicht mehr Beiratsmitglied ist, fragt sich, weshalb dies nicht kommuniziert wurde und ob der Beirat mit nur noch drei Mitgliedern einen Geschäftsführer hätte bestimmen dürfen. So oder so muss nun mindestens eine Position neu besetzt werden.

Karl-Christian Bay, der neue Chef des Verwaltungsrats, hatte unlängst angekündigt, Ismaik sei bereit, seine zwei Sitze im vierköpfigen Gremium mit Vertrauensleuten zu besetzen, die in Deutschland wohnen. Er erwarte sich für die Zukunft erhebliche Fortschritte bei der Zusammenarbeit, sagte Bay: "Das Ziel ist, dass dort gearbeitet und keine Politik gemacht wird." Und diese wundersame Wandlung soll geschehen, indem der neue Vertrauensmann Ismaiks sogar "ein deutscher, erfahrener Vorstand eines Großunternehmens" sei. Dass der Jordanier stets von großen Namen auf dem Trainerstuhl träumt, war bekannt. Dass er große Namen in den Beirat hieven kann, wäre neu.

All diese Pläne könnten nur dann noch Realität werden, wenn Ismaik bei seinem Besuch nicht doch noch auf einen Anteilsverkauf umschwenkt. Er hatte vor einigen Wochen ja plötzlich und mit großer Vehemenz eine Binding Offer, ein verbindliches Angebot, von dem interessierten Konsortium gefordert - als nach SZ-Informationen bereits eine Einigung mit seinem Bruder Abdelrahman und seinen Anwälten erzielt war. Dieses Angebot wollten die Interessenten allerdings erst nach einer Due-Diligence, einer umfassenden Risikoprüfung, abgeben - und eine solche kann schon mal einige Wochen dauern.

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